Skandal bei der Katholischen Kirche: Der Vatikan kaufte von für Arme gespendetem Geld (»Peterspfennig«) Luxusimmobilien in London. Der Papst findet das »eine hässliche Sache«. Bei allem Amusement über die grunddumme Schockiertheit angesichts dieses korrupten Vorgangs in dieser ihren vorgeblichen Daseinszweck so fundamental misserfüllenden, letztlich sturheil kapitalistische Ziele verfolgenden »Seelenheils«einrichtung interessiert mich nur eines: Was wohl mein Lieblingshofberichterstatter der Katholiken, Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung, dazu sagt?
Journalismus
Es relotiust auch in der Jungle World
Nun, in diesem Jungle-World-Artikel (Die Hölle von Breendonk, 39/2019) wird zwar nicht die Organisation »Breaking the Silence« mittels des aktuell schäbigsten aller Euphemismen, »umstritten«, zur »umstrittenen Organisation ehemaliger Soldaten, die Kritik an der israelischen Besatzungspolitik übt« (Den Aktionsradius erweitern. Die Kunstszene Jerusalems, Jungle-World-Dschungel 37/2019) schöngelogen, dennoch fühlte ich mich bei diesem Texteinstieg schon wieder, als läse ich den DER SPIEGEL.
Björn Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht
15.09.2019, ZDF: »Höcke bricht ZDF-Interview ab und droht.«
»Es geht um Sprache und NS-Begriffe. Erst beantwortet Björn Höcke die kritischen Fragen. Dann brechen er und sein Sprecher das Interview ab. Höcke droht mit ›massiven Konsequenzen‹.« (Das komplette Video ist hier zu sehen.)
[Der folgende Kommentar zu diesem Video ist in keiner Hinsicht komisch gemeint. Er ist für diesen Blog, auf dem ich eigentlich ausschließlich komische Texte veröffentliche, nicht geeignet. Aber es ist wichtig, ihn auch außerhalb von Facebook zugänglich zu machen. In Thüringen hat die AfD kürzlich 25% der Stimmen erhalten.]
Mir macht dieses Video angst. Denn Höcke ist durch und durch Faschist, und als Faschist ist er – das ist jetzt ein bizarres Chapeau: hochprofessionell. Wie er sich äußert, was er äußert (vor allem aber wie), auch im Zusammenspiel mit seinem Mitarbeiter, er kann das, vom faschistischen Standpunkt aus betrachtet, sehr, sehr gut.
Höcke ist eine Figur, auf die eine Äußerung Walter Benjamins zuläuft: »Der Faschismus […] sucht sein Heil darin, die Massen zu ihrem Ausdruck (beileibe nicht zu ihrem Recht) kommen zu lassen.« (Kunstwerkaufsatz) Und Höcke ist die Figur, auf die die gesamte AfD, auch wo sie sich noch so bürgerlich und als bloß enttäuschte CDU gibt, zustrebt und wegen der die gesamte Partei mit Recht als faschistische Partei zu bezeichnen ist. Höcke war nicht aus der Partei ausgeschlossen worden.
Die kaum verhohlene Drohung am Ende, dieses »manifeste Problem« zwischen Interviewer und Höcke könne für jenen »massive Konsequenzen« haben, zumal Höcke noch zu einer »interessanten politischen Figur in diesem Land« werden könne, diese Drohung kommt von einem Mörder im Wartestand.
Was das ZDF wohl mal wieder nicht erkennt: Noch in dem Interview, in dem es Höcke mit seinen »Mein Kampf«-artigen Äußerungen und seiner gesamten Wesensverwandtschaft mit den Nazis konfrontiert, verhält sich Höcke exakt in derselben Weise. Die Drohung am Ende, von ihr kann er sich jederzeit bequem distanzieren, sie ist letztlich eine brutale, lebensgefährliche Drohung wie jene, die die Nazis Wirklichkeit werden gelassen hatten. Es ist eine Nazi-Drohung. Das ZDF lässt sich von Höcke in diesem Interview vorführen. Die Veröffentlichung wird Höcke nicht schaden, im Gegenteil.
Mit Rechten redet man nicht. Man kann sie durch solche konfrontativen Interviews nicht entzaubern, auch nicht durch eine skandalisierte Veröffentlichung wie diese. Man hat Rechte nur daran zu hindern, was sie tun wollen: Anderen Menschen Leid zufügen und sie willkürlich töten. Dafür braucht man nicht mit ihnen zu diskutieren.
Angst macht mir dieses Video, weil so vieles auf eine mittelfristige Machtübernahme durch die AfD hindeutet. Dann morden sie wieder. Höcke ist massenkompatibel.
Nachtrag, da im Anschluss an dieses Interview von einigen Seiten, häufig von bürgerlichen Journalisten, Verständnis für Höckes Reaktion geäußert wurde:
Verständnis für Höcke?
Die Erfolge der AfD in den Länderparlamenten, auf kommunaler Ebene und im Bundestag, zuletzt Kooperation über Kooperation mit der AfD seitens der CDU, die Wahl eines hessischen NPD-Mannes zum Ortsvorsteher, der Kopfschuss-Mord am hessischen Regierungspräsidenten (!) Lübcke (wem zähle ich das eigentlich alles auf?), NSU-2.0-Faxe an per Polizeicomputer ermittelte Faxnummer, Prepper-/Neonazi-Netzwerke mit Polizisten-/Bundeswehrler-Beteiligung, sächsische Polizisten, die sich mit NSU-Uwe-Namen in Einsazlisten eintragen etc. etc. etc. etc. – die Faschisten sind im Gewand der AfD schon wieder im Anmarsch.
Sie müssten für jede Straftat konsequent bestraft werden. Ansonsten konsequente Isolation. Würden die rechtsstaatlichen Mittel angewendet, hätte das, so zu hoffen, abschreckende Wirkung und die Rechtsextremen/Neonazis würden nicht beinahe unbehelligt tun und lassen, was sie wollen. Dass das nicht passiert, macht mir angst.
Den Höckes schon vor diesem höchst unvollständig aufgezählten Hintergrund irgend an Verständnis entgegenzubringen (z.B. wegen vermeintlich unfairer Behandlung durchs ZDF), es macht mich zornig.
eScooter
Welches Level an Arschlappigkeit muss man eigentlich haben, um im Zusammenhang mit eScootern als Privatperson/Journo/Politiker*in/Geschäftler*in auch nur ~irgendwas~ von wegen Reduktion des Autoaufkommens in Städten ins Internet oder sonstige Medien hineinzumeinen
Ich möchte mir, wie irr daran geworden, die Haare vom Kopf krapfen
Vom Brückengeländer
» u m s t r i t t e n «
Ob das journalistische Universal-Überschriftenwort »umstritten«, mit dem jede Gemeinheit und Verderbtheit und noch alle Unmenschlichkeit in den Schein der immerhin Diskussionswürdigkeit gerückt wird, ob dieses Unwort der zeitgenössische, schlichte Indicator der seit je wesenden Vernageltheit und Verrammeltheit und, ja, Imarschheit des Journalismus ist, diese Frage lässt sich ohne SPDiges Herumlavieren und brummdummes »Debattieren« beantworten mit: ja.
Neuerlicher Tiefpunkt der Umstrittenheiterei: Es gab laut dem »Historischen Bild des Tages« bei t-online – fasten your seatbelts –: »Hitlers umstrittenstes Flugzeug«.
Dass auch Hitler im eigenen Reich »umstritten« war, keine Frage; siehe Elser, Stauffenberg etc. Dass heutzutage sturheil wieder auf diese »Umstrittenheit« und mittlerweile mithin »Diskussionswürdigkeit« hingearbeitet wird – nun, es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann Hitler irgendwo qua Überschrift als »umstritten« bezeichnet wird. Sein tut er es schon.
(In der »Stadt der Reichsparteitage«, Nürnberg, wird dieser, pardon my french: Infodreck namens »Historisches Bild des Tages« schamlos auf den Infoscreens in den U-Bahnhöfen ausgestrahlt.)
»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten«
»1939: Als die Nazis das Mutterkreuz stifteten
Sie gilt als die Vorzeigemutter des ›Dritten Reichs‹. Magda Goebbels wird am 21.05.1939 von den Nationalsozialisten das Mutterkreuz verliehen. Im Volk hieß er [sic] auch ›Kaninchenorden‹.«
2019: Rechtsradikale/-extreme übernehmen weltweit die Parlamente. Die t-online-news am U-Bahn-Infoscreen gedenken am 21.05. in vorauseilendem Gehorsam – denn noch ist die Macht nicht übernommen – der »Vorzeigemutter« Magda Goebbels wie des NS-Mutterordens so vollkommen kritiklos und illustrieren so fröhlich mit einem Bild der Verleihung, als regierte die NSDAP bis heute.
Die Nazis sind mittlerweile, da ihre Erben an der Schwelle stehen, zum Info-Jux, zum Wartepausenfüller zwischen der Kelly Family und Stefan Effenbergs Fußballexperten-Kommentar herabgesunken. Einzig ein Scherzchen aus dem Volke (»Kaninchenorden«) traut man sich dieser Tage, anders als damals, öffentlich zu zitieren. Die Zeiten haben sich eben geändert.
Freilich, im zugehörigen Artikel vom 21.05.2019 auf der Website (man muss dafür auf der t-online-Startseite fast ganz nach unten scrollen!) informiert man dann im Stile eines Oberstufen-Geschichtsreferats: »Für Hitler und die Nationalsozialisten müssen Frauen vor allem eine Funktion erfüllen, diese besteht darin, möglichst viele Kinder zu gebären. Im Sinne des NS-Rassenwahns natürlich nur solche, die ›deutschblütig‹ sind, und keineswegs ›erbkrank‹. Für das Hirngespinst eines ›Großgermanischen Reichs‹, das durch Krieg und Gewalt entstehen soll, braucht der ›Führer‹ Soldaten, besser gesagt Kanonenfutter.« Etc. etc.
Man soll sich nicht für dumm verkaufen lassen: Dieses Kurzreferat zum »Historischen Bild« des Tages ist noch besser verborgen als das unlesbare, pardon: kaum lesbare Kleingedruckte unter Großbildschirmwerbungen. Was hängen bleibt, ist die Infoscreen-»Info«.
Kritik am Symposium »Ästhetik nach Adorno«, eine Replik
Es mag einer gewissen Empathie geschuldet sein, dass du dich um die studentischen Referentinnen sorgst, die neben Forscherinnen und Doktorandinnen dort vortragen würden, da es letztlich um das hartnäckig waltende blanke Eigeninteresse der Veranstalterinnen ginge. Dabei zu unterschlagen, dass es sich um ein studentisch organisiertes Symposium handelt, ist, nunja: unfein. Denn wo du gravitätisch forderst, »das an Ästhetik interessierte Forschersubjekt« müsse sich auf die Gegenstände »einlassen« und sich ihnen »passivisch anschmiegen«, tust du dem Gegenstand deiner Kritik Gewalt schon durch Unterschlagung an.
Und damit betest du deinem Vorbild zwar ganz und gar folgsam nach, handelst ihm aber – ei wie’s in der Religion halt allemal zugeht – stur zuwider. Der Vorwurf der »akademischen Sprechautomaten«, er darf freilich auch nicht fehlen, schlägt aber doch auf dich zurück. Schau her: Wo du immer von »empathischer Erfahrung« oder vom »empathischen Sinne« schreibst, obwohl es, bei allem Mitgefühl, keinen Sinn ergibt, da steht bei deinem Messias meist »emphatisch« – das h nur zwei Plätzlein woanders und dennoch ein Unterschied um die Welt.
»[A]ls bestünde nicht ein bis in die Form eines jeden Satzes sedimentierter Erfahrungsgehalt seines [i.e. Adornos] Denkens in der Kritik abstrakter, den Sachen bloß übergebügelter Methode« – es soll alles ganz so wirken, als wären deine Ausführungen nicht bloß der dir selbst aufgebügelten Methode geschuldet; als wäre die Rede vom »bis in die Form eines jeden Satzes sedimentierten Erfahrungsgehalt seines Denkens« nicht schamlos sowohl bei Adorno selbst als auch bei der Sekundärliteratur über ihn zusammengeklaubt.
Wie das hier: »Gerade an Adorno aber, der das subjektivistische Zeitalter antizipierend und in immer neuen Wendungen kritisierte« – ob es direkt ausm Lexikon abgeschrieben oder doch paraphrasiert ist, ich mag es gar nicht nachschauen – »könnte man sich heute diese schier unendliche Neigung sich selbst absolut zu setzen, bewusst machen, sich also selbst in der Erfahrung einholen.« Vom Kommafehler abgesehen: Die »unendliche Neigung« hast du dir, ganz »an Ästhetik interessiertes Forschersubjekt«, bei den Poeten abgeschaut, gell? Sagen, was du meinst, würdest du jedoch mit »unbezwingliche Neigung«; bitteschön.
Kondensat deiner Adorno-Lektüre dürfte dann dies sein: »Indem sich das einzelne Individuum im Kunstwerk selbst verliert, kann es seinen [sic] Allmachtsphantasien innewerden und sich selbst zurücknehmen. Allein darin liegt die allzu leicht gezückte Wendung von der Kunst als Statthalter des Nicht-Identischen.« Allein darin. Basta! Schön aufgesagt (fast möchte ich dir ein Gutzettelchen ausstellen). Wie auch die Statthalter der autonomen Kunst: Wo die ästhetischen Schriften deines großen Vorbilds auch die Frage der Möglichkeit von autonomer Kunst sind, da deklarierst du Beckett, Celan und Georg Kreisler (haha) umstandslos zur »bürgerlich-autonomen Kunst«. Wie Heiligenfiguren, die in Kirchen herumstehen. Was es aber mit der Autonomie der Kunst auf sich hat, scheint dir wurscht zu sein.
Zu den eingangs erwähnten autoritär vorgetragenen Zitaten Adornos und Benjamins kommt am Ende freilich noch eine weitere Autorität hinzu: »Kritiker[] Magnus Klaue«, selbst Vortragender auf dem Symposium. Wolle man in Zukunft die Finanzierung solcher Veranstaltungen nicht gefährden, solle man Leute wie ihn besser nicht einladen, habe doch wegen ihm »die queerfeministische Querfront [gut zusammengeklaubt, sogar mit Alliteration!] des StuPa der HU die monetäre Unterstützung verweigert«. Schließlich, so insinuierst du hier, gelänge es heute kaum mehr, sich nicht von queerfeministischer Scheiße das kritische Geschäft versauen zu lassen.
Das notabene o b j e k t i v e kritische Geschäft, wie du es zu betreiben vorgibst. Darin dürfte denn auch begründet sein, dass du das alles im Schutze der Anonymität vorträgst. Spricht hier doch die an die Objekte angeschmiegte Subjektivität, die sich, wo sie jene tingiert, ihrer selbst bewusst ist und jene selbstbewusst reinigt. Und wo’s derart objektiv zugeht, da braucht’s die Angabe des Urhebers freilich nicht mehr. (»tingieren« habe ich bei Adorno schon öfter gelesen und es passt hier ganz gut.)
Gelesen und ausgelegt sei Theodor W. Adorno, Amen.
PS: Man trennt »A-dor-no«, nicht »Ad-or-no«. Aber du liest dir deinen Schamott ja scheint’s nicht mal mehr durch vorm Austeilen. Hauptsache es sind exakt 2 DIN-A4-Seiten kritisch klingenden Gesuders.
Wochenzeitungshinweis
»Alle zwei, drei Jahre ein rechtsextremer Mord aus irgendwelchen Hassgründen – oder soll man es lassen?«
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Talkshow-Hinweis
»Öffentlich die Ermordung eines Politikers durch einen Rechtsextremen gutheißen – Nur falsch oder vielleicht auch ein Stück weit verständlich?«
Diskutieren Sie mit Frank Plasberg bei »hart aber fair« in der Sondersendung live direkt von der Pegida-Demonstration! Montag im Ersten


