Eine Woche Sommergelage (2)

konkret 4/2000

In Ausgabe 3/2000 (vgl. letzter Beitrag) mahnte konkret zur Schnelligkeit; die Plätze dürften bald ausgebucht sein. Nur einen Monat später kann sie vermelden, dass das Sommergelage noch halb leer schon halb voll ist!

Abwechslungsreichtum ist beim Schreiben Trumpf: Hatte es in Ausgabe 3/2000 noch »KONKRET-Leserinnen und -Leser unter 27 Jahren« geheißen, schreibt das Magazin nun »bis 26 Jahre«. Na na na, da hatten sich wohl frech 27jährige angemeldet.

[tbc]

Eine Woche Sommergelage (1)

Aus beruflichen Gründen durchforstete ich neulich die Jahrgänge 2000 und 2002 der konkret. Nicht ganz weniges in diesen alten Blättern ist aus heutiger Sicht lustig. Bei manchen Autor*innen denkt man laut: »Ach DER¹ hat damals (noch) für konkret geschrieben?!« In der Zwischenzeit ist doch einiges an Schismen und Renegaterei vorgegangen.

¹ Die Männerquote war damals, ich habe nicht nachgerechnet, noch höher als die heutigen ~85 %.

In Ausgabe 3/2000 findet sich in der Rubrik »von konkret« diese Ankündigung:

konkret 3/2000

Na kuck, das Magazin für Politik & Kultur tat damals noch aktiv was für die Jugend. Bzw. für Menschen, deren Organwachstum allmählich zum Erliegen kommt. (Weswegen es nicht ratsam ist, sich vor Ende 20 die Augen lasern zu lassen. /off-topic)

Auf diesem Blog folgt nun eine kleine Serie, die die Folge von Ankündigungen und Nachbemerkungen dieser bemerkenswerten Veranstaltung darbietet. Wie schnell die Teilnahmewilligen wohl sein mussten, einen der Plätze zu ergattern? Seid gespannt!

Veronika, Reminiszenz ist da

Da schau her: Titanic 3/2026 enthält für mich gleich zwei Reminiszenzen an die Zweitausendnullerjahre, eine implizite und eine explizite. Welche soll ich zuerst? Die implizite. Okay.

Und zwar ist das Backcover diesmal ein Faltblatt. Faltet eins es richtig, erhält es die Lösung auf die Frage »Wer oder was verursacht die nächste nordpolare Störung?«

Das erinnert mich an ein Comicheft der Simpsons, das ich vor etwa 20 Jahren besessen habe. Homer ist darin mit einem Faltblatt konfrontiert, faltet es aber falsch bzw. schlampig und rätselt über die Antwort auf die Frage, wer oder was die Welt regiere: »Der allächtige ollar«.

Die zweite Reminisizenz, die explizite, findet sich in der Humorkritik »Alle lachen mit« über Hazel Brugger: »Nicht sehr von ungefähr fällt mir da das Humorkritik-Spezial ein, das wiederum Kollege [Oliver] Nagel 2006 über den frühverstorbenen texanischen Stand-up-Desperado Bill Hicks verfasst hat, dessen bestes Programm ›Relentless‹ hieß, ›Unbarmherzig‹ – Youtube weiß Bescheid: ›I don’t fit in anywhere, that’s my problem.‹« (S. 43) An diesen Text erinnere ich mich! Immer wenn ich an Bill Hicks denke oder erinnert werde, kommt mir in den Sinn, dass Nagel Hicks zutreffenderweise als ungesund schwitzend bezeichnet hat. Was ich nicht mehr zusammenbringe: Ob ich die DVD Bill Hicks – Satirist, Social Critic, Stand-Up Comedian, Live schon besessen hatte, bevor ich Nagels Text gelesen habe, oder ob ich sie mir deswegen gekauft habe. Ich glaube, ersteres. Denn ziemlich sicher hörte ich von Hicks zum ersten Mal bei der Band Tool, deren Lied »Third Eye« des Albums Ænima am Anfang einen kurzen Ausschnitt von Hicks enthält. Und ich glaube, der reichlich seltsame Typ, der den »Newsfeed« der offiziellen Bandwebsite toolband.com nicht nur mit Terminen und Relevantem, sondern oft genug mit imo Tool-irrelevantem Zeug über z. B. Außerirdische, UFOs, Esoterisches und Obskurantistisches vollgebloggt hat, hat Hicks bisweilen auch erwähnt. Selbst wenn ich damals besser Englisch gekonnt hätte: Das war vielleicht ein unlesbarer Kram! Ich besuchte die Seite praktisch täglich, weil ich lesen wollte, dass Tool endlich eine neue CD herausbringen würden. Stattdessen ellenlanger trippy stuff aus dem Privatinteressensbereich des Typens oder die zehntausendste Ankündigung, dass Tool-Trommler -Drummer Danny Carey im Club The Baked Potato a.k.a. the ’Tator spielen würde. Irgendeinem Onlinebekannten, den ich aus einer Tool-Fan-Gruppe auf StudiVZ kannte, antwortete ich mal auf einen Geburtstagsglückwunsch auf meiner StudiVZ-Pinnwand: »Scheißegal, wie alt ich wörd / es wird immer Tool gehört!« Falls du, also der Onlinebekannte, das liest: Das stimmt seit ca. zehn Jahren nicht mehr! Über das Album Fear Inoculum (2019), das Tool nur dreizehn Jahre nach dem Vorgänger 10 000 days veröffentlichten, musste ich nur noch lachen, weil es mir so albern vorkam und ich es so langweilig fand. Ein Lied etwa heißt »7empest«, und wer läse das nicht als Sevenempest oder immerhin Sempest. Außerdem schien mir die CD wie eine bloße rekombinierende Wiederaufführung alles schon mal von der Band Dargebotenen.

Abgeschafft: Folienrecycling

Nachtrag: In Excel wurde die Wiederverwendung von Folien wurde ab dem [recte: zum] 1. Januar 2026 eingestellt. Warum so ein praktisches Feature, das bei Nichtbenutzung niemandem Wehtut, eingestampft wird, weiß kein Mensch. Außer denen bei Microsoft, die es entschieden haben. Ist es vielleicht purifizierendem Eifer der Administration – hier wider das radical left Recycling – zum Opfer gefallen, wie es von medizinischen Forschungsvorhaben in den Staaten bekannt ist, deren Antragsschreiben an den falschen Stellen ›schwarze Wörter‹ wie women, green oder climate enthalten? Der Link führt übrigens zu einer Webseite, auf der das gleiche noch mal steht.

Bridgmanit

TIL: Das wichtigste Mineral des unteren Erdmantels heißt Bridgmanit. Ja: Bridgmanit. Zwar beiße ich mir an diesem Wort (wahrscheinlich) nicht die Zähne aus, aber evtl. verschlucke ich meinen Gaumen.

Jetzt mögen Kundige einwenden: »Hä? Der Namenspate von Bridgmanit ist doch der US-amerikanische Physiker Percy Williams Bridgman. Ausgesprochen wird es also [brɪd͡ʒmɑnɪt] (›Bridschmanit‹), und so schwierig ist das doch auch nicht.«

Nun, Freund*innen: Wenn ich in einem Tagesspiegel-Artikel lese, das wichtigste Mineral des unteren Erdmantels heiße Bridgmanit, ohne dass im Artikel ein Hinweis auf den Namenspaten steht, dann spreche ich das doch buchstäblich [britkmanit] aus.

Oddity

Irgendeine Bildungseinrichtung wirbt in der U-Bahn mit scherzhaften »Lektionen«, auf die beim Besuch bei ihr dann richtige folgen sollen. Neulich Lektion »39: Wie isst man Müsli richtig? 1. Müsli 2. Dann Milch 3. Genießen.« Ja, hahaha. Erinnert hat mich die Werbung an eine – rückblickend – oddity aus meiner Kindheit. Zum Frühstück gab es im täglichen Wechsel Toastbrot mit Nutella Nutoka (superyeah!) und Cornflakes-Varianten mit Milch (plusgut). Bei letzterem kam bei uns zuhause erst Milch in die Schüssel, dann die Cornflakes. Und das ist doch odd. Viel klüger bzw. normal ist doch, erst das Trockenmaterial in die Schüssel zu tun und dann die Zwischenräume mit Milch aufzufüllen.

In zwei Jahren keine Zahnbehandlung mehr :‘(#)

In der Nähe von Erfurt ist ein Pfarrer nun 110 Jahre alt geworden; nach Angaben des Bundespräsidialamtes ist er aber nicht der älteste Deutsche, weil »Frank-Walter Steinmeier bereits Anfang Februar einem anderen Mann zum 110. Geburtstag gratuliert« hat (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 26.02.2026, Panorama, S. 28). Herzlichen Glückwunsch, meine Herren, auf ein langes und gesundes Leben! Aber denkt dran: In zwei Jahren behandelt euch die Zahnärztin, die ihre Dienste für 1–111 Jahre alte Patient*innen anbietet, nicht mehr.

Am Vorabend des Dritten Weltkriegs

»Und, was hast Du am Vorabend des Dritten Weltkriegs gemacht?«

»Na, da gab es diese Serie für Kinder im Kitaalter, ›Titipo: Der kleine Zug‹, und darin sprachen die Figuren und der Sprecher den Namen der Hauptfigur völlig willkürlich mal ›Diddipo‹, mal ›Titipo‹ aus, meistenteils aber ›Diddipo‹. Und das geht doch nicht, das ging mir fürchterlich auf den Senkel.«