»Ja, der Hundskrüppl! Mir schickan eam zum Paul Breitner zur Nachhilfe und er bringt oiwei no 5er hoam!«
Lokalblätter
Dichter Qualm
Höhere Steuern für Reiche – »Jetzt darf die SPD nicht einknicken«!
Weil’s so schön ist, gleich noch mal: »Jetzt darf die SPD nicht einknicken«!
Seit zwölf Tagen lache ich täglich über diesen Satz aus der Feder eines notabene linken Wirtschaftsmagazins über die Einknickpartei seit dem 19. Jahrhundert. Gelten lassen hätte ich ihn nur in Gernhardt/Waechter/Bernsteins (Lokal-) Journalismuspersiflage »Welt im Spiegel« (1964–1976) .
Ah, einmal geht noch: »Jetzt darf die SPD nicht einknicken«!
Ichthys

»So glein war der Fisch, den mir der Middarbeider g’fang’n hadd, den wir für meinen ausgeben wolld’n. Könnt’s ihr euch des vorstell’n? Der arbeit’ jetzadla jedenfalls nemmer für mich, der kann sich wen anners suchen. Zum Glück war’s ein Ausländer, den hab ich gleich abschiem lassn …«
Noch mal HAZ
Neulich beschwerte ich mich über Käseblätter im Allgemeinen und die Hannoversche Allgemeine Zeitung im Besonderen. Diese Zeitung hätte ich bei einer sich bietenden Gelegenheit nur aus dem Grund probeabonniert, um was für unten in den Biomüll rein zu haben. Eins mag mich dafür schelten und das für eine viel zu grobe und ungerechtfertigte Schelte für diese Regionalzeitung und allgemein für solche Käseblätter halten. Doch will ich sie verteidigen. Denn zwei, drei Tage später nehme ich einen Bogen der Zeitung ab, um ihn in den Biomüll unten rein zu tun, da fällt mir folgende Überschrift in die Augen:

Wie schon beim neulich angeführten und bei 100 Milliarden anderen Beispielen stimmt die Überschrift bis höchstens um Haaresbreite. Schließlich hatte Musk entweder auf Twitter Amnestien angekündigt oder Amnestien für Twitteraccounts. Eine »Amnestie für Twitter« jedenfalls hatte er nicht angekündigt.
Meine Hoffnung ist, dass ich nicht irgendwann werde wie solche Sprachpäpste wie Wolf Schneider (requiescat trotz allem freilich in pace), Walter Krämer, Bastian Sick oder wie so hängengebliebene verbittert-verbiestert-verhärmte alte Linksintellektuelle, die sich Arthur Schopenhauer, Karl Kraus und Hermann L. Gremliza als sakrosankte Haushalbgötter halten und für sie mit der spitzen Feder ins Weißfeld ziehen wie weiland die Kreuzzügler für Jesus Christus.
Confessiones (I)
Neulich bestellte ich zum ersten Mal etwas bei der Onlineversandsparte eines Discounters. Um mich für künftige Bestellungen warmzuhalten, bot er mir kurz vorm Kaufabschluss – oder kurz danach? – ein Geschenk an. Was alles angeboten war, weiß ich nicht mehr, ich habe mich sehr schnell für ein kostenloses 14-Tage-Probeabo des lokalen Käseblattes Hannoversche Allgemeine Zeitung entschieden, das nach Ablauf der 14 Tage automatisch endet. Und ich gestehe: Keine Millisekunde, ja nicht mal eine Tausendstelsekunde dachte ich daran, die Zeitung zu lesen. Der Entscheidungsgrund war – ich gestehe –, kein anderer, als dass ich Papier für unten in den Biomülleimer rein brauchte.
Zu meiner Verteidigung: Ich kannte die HAZ schon. Und solche Käseblätter und ich, wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ein Beispiel, das mich am vergangenen Montag am Postkasten begrüßte:

Und was soll ich sagen: Was Möchtegern-Memelord Musk mit Faschisten-Trumps Twitteraccount gemacht hatte, ist eben kein »Umstrittener ›Freispruch‹«. Es ist vielmehr, wenn man schon auf das depperte umstritten nicht verzichten will kann und aus der Accountsperre bildlich unbedingt eine Strafe im juristischen Sinne machen muss, eine »Umstrittene ›Begnadigung‹«. Trump hatte sich ja nicht in einem laufenden Prozess befunden, dessen Urteil noch ausgestanden hätte. Und es hatte, um uns weiters in den juristischen Bildbereich zu zwingen, keine Revision stattgefunden, sondern MMM hatte eine Twitterumfrage zur Entsperrung des Accounts gemacht, die mit ca. 52:48 % Ja-Stimmen etwas deutlicher ausgefallen war als die gewöhnliche Präsidentschaftswahlenzitterpartie in dem so »tief gespaltenen Land« (HAZ, möchte wetten).
Niemand kann von mir erwarten, dieses Blatt zu lesen. Verklagt mich doch!
Mein Alptraum
Die DLF-Presseschau zusammenstellen und dafür Unmengen deutscher Meinungs-, Kommentar- und Leitartikel lesen müssen.
Katachresen-Alarm
Nach langem Weg durch die Wüste fast verdurstet zur Oase gelangen und denken: »Geil, hier muss ich besonders wenig abgeben!« So funktioniert die Metapher »Steueroase«, die deswegen keine ist.
Ab- vs. angehalftert
Das selten und nur fachspezifisch vorkommende Gegenteil des journalistischen Alltagsworts abgehalftert ist übrigens nicht *gehalftert, sondern angehalftert ☝️ »Der angehalfterte Star/Schauspieler/Privatdetektiv/Astronaut/Virologe/Facebooker/Bundespräsident« klingt aber auch nicht besonders nett imo
Ganz hübsch fände und ausnahmsweise gerne läse ich einen Spiegel-Artikel unter der Überschrift: »Benedikt XVI. und Franziskus: Der große Vergleich des abgehalfterten und des angehalfterten Papstes«. Ach, und übrigens, am 20.01. werden Joe Biden und Kamala Harris zu Präsident und Vizepräsidentin der USA angehalftert. Hoffentlich lässt Trump sich schließlich doch wehrlos abhalftern. Dass mit Sandra Ciesek einer Kollegin Christian Drostens das Podcastmikro im Kampf gegen das Virus angehalftert wurde, war auch eine gute Entscheidung, da konnnten die leider immer noch angehalfterten Sexisten vom Spiegel noch so katastrophal schäbig daherinterviewen. Welcher Rechtsradikale nach der Abhalfterung Horst Seehofers als Innenminister angehalftert wird, steht auch noch in den Sternen. Aber auch die dann womöglich angehalfterten Mehrheitseigner Bündnis 90/Die Grünen dürften da, siehe Boris Palmer, keine Anhalfterungsschwierigkeiten haben.



