Was ich am Kauf des neuen Smartphones (vgl. Nr. 5 ist da! und Nr. 5 gewöhnt sich ein!) übrigens am crassesten fand: Auf einer Webseite, die Handys chinesischer Hersteller testet und einen Namen wie aus einer »Bild«-Headline trägt, habe ich einen Testbericht von Nr. 5 gelesen. Und dort war, gar nicht mal so auffällig placiert, ein Affiliate-Link zu einem Versandhändler – mit dem ich sage und schreibe 70 € sparen konnte! Ohne irgendwas weiter zu tun, als auf den Affiliate-Link zu klicken. Bzw. eine weitere Sache musste ich tun: Auf der Produktseite beim Versandhändler war dann ein Coupon-Button, den ich zu drücken hatte. Danach wurde der Rabatt an der Kasse abgezogen. Und der Rabatt betrug ganze 20 %, nur wegen der Handytest-Seite. Ich meine: wtf.
Erlebnisbericht
Fahrvergnügen
Kürzlich las ich beim Kollegen Gaitzsch in einem premortem veröffentlichten Nachruf auf das 9-€-Ticket, in dem von vorne bis hinten alles stimmt (außer vielleicht, dass die Deutsche Bahn meines Wissens jeden Sommer an ihre Grenzen kommt), den schönen Ausdruck »Fahrvergnügen«. Und der bescherte mir eine schöne, lange verborgen gewesene Erinnerung:
Um die Jahrtausendwende betrieb ich mit Freunden das sogenannte Aggressive (Inline) Skating, jene Ausprägung des Rollschuhsports, bei dem eins ähnlich wie beim Skateboarden grindet, springt und über Rampen/in Halfpipes herumdonnert. Wir taten dies bei uns aufm Dorf in den Straßen der Wohnsiedlung auf selbst zusammengedengelten Rails. Einen Skatepark ließ die Gemeinde erst errichten, als wir schon lange kein Interesse an der Grinderei mehr hatten.
Ein Glück, dass Vater auf dem Dachboden für gottweißwelche Reparaturanlässe eine gewisse Menge Alteisen und irgendwelches Holzgebälk vorhielt sowie in der Werkstatt im Keller über einen Elektrodenschweißapparat und anderes halbschweres Werkgerät verfügte. Zwar standen aus den damit gebauten Grind-Möbeln (?) die ein oder andere Schraube und vielleicht ein Nagel oder zwei heraus, weswegen wir nicht gänzlich bedenkenlos über die Rohre und Kanteisen sliden konnten, aber was anderes hatten wir halt nicht. Unsere Philosophie war
Auch eine Rampe hatten wir. Das heißt zwei Bierkästen, denen je ein Holzbrett angelegt wurde, so dass uns das eine Brett als Startrampe in die Luft erhob und das andere als Landebahn wieder empfing. Das machten wir einen Nachmittag lang, bis einer von uns mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen wurde, weil er beim Landen auf dem schrägen Brett nach hinten weggekippt war und sich beim Aufprall eine Elle oder Speiche gebrochen hatte. Halt, stop: Langweiligerweise wurde er mit dem ebenfalls schnell wie die Feuerwehr herbeigeeilt gekommenen Krankenwagen abtransportiert und der Hubschrauber flog so leer davon, wie er angebrüllt gekommen war.
Ich selbst rutschte einmal bei einem Grind, den ich noch nie zuvor ›gestanden‹ hatte, so unglücklich weg und knallte mit dem Steißbein derart schmerzhaft aufs Eisenrohr, dass ein Freund sich vor Lachen nicht mehr einbekam, weil ich nur noch gotterbarmenswürdig klagen konnte. Der versuchte, fast super vollführte Grind hieß Shifty. Wie fast alle Grinds hatte auch er einen englischen Namen. Aber einer der Grinds – und jetzt bekommt dieser Beitrag seinen Sinn – hieß, auch im englischen Sprachgebrauch: Fahrvergnügen! Den konnte ich aber, wie die meisten anderen Grinds, leider nicht. So sieht er aus: https://youtu.be/FDHXz84OmjE. Der erwähnte Shifty ist, wenn ich mich recht erinnere, der gleiche Grind, nur dass die Füße in die andere Richtung abgewinkelt werden.
Denke ich an dieses Sportvergnügen zurück, wundere ich mich jedes Mal, wie wenig wir uns dabei verletzt haben. Es muss das Glück der Dummen/Pubertierenden gewesen sein. Schon wie läppisch wir die Skates zugeschnürt/festgezurrt haben, nämlich gar nicht! Denn wir wollten uns, so leicht es eben ging, ›reinlegen‹ können und möglichst lässig aussehen. Wenn ich heutzutage nur daran denke, spannen meine Bänder und Sehnen bis kurz vorm Reißen an.
Was ich mich bei dem Thema stets frage: Kennt überhaupt jemand das Aggressive Skaten? Ich jedenfalls habe bei jeder der äußerst seltenen Erwähnungen das Bedürfnis, diesen Ausdruck/Sport erklären zu müssen, weil ich glaube, niemand kennt das. Schon früher war ich der Meinung: »Skateboarden, klar, kennt jede*r, haben alle schon mal gesehen, können Krethi und Plethi bezeichnen, und selbst Walter Krämer vom Verein Deutsche Sprache dürfte ein Bild von diesem Rollbrettsport vor Augen haben – aber Aggressive Skaten?! Kennt doch kein Mensch!«
Materialien zur Bucheinband-Theorie Suhrkamps Gestaltung zweideutiger Buchtitel
So hübsch die Cover der Reihe suhrkamp taschenbuch wissenschaft auch sind und so hohen Wiedererkennungswert sie mit der immergleichen Schriftart »Times Modern« (Willy Fleckhaus/Rolf Staudt) in den verschiedensten Farben vor schwarzem Hintergrund haben, so sehr kann ihre Idiosynkrasie, Autor und Titel oder Ober- und Untertitel typografisch nicht voneinander abzusetzen, Probleme mit sich bringen. Im vorliegenden Beispiel die Frage: Wie heißt dieses Buch, was ist Ober- und was Untertitel?

Ist es a) Materialien zur ästhetischen Theorie Th. W. Adornos. Konstruktion der Moderne oder ist es b) Materialien zur ästhetischen Theorie. Th. W. Adornos Konstruktion der Moderne? »Ach geh, da schau ich doch schnell beim Verlag nach«, denke ich, und stoße dort auf Lösung b:

Bis ich den Buchrücken sehe! Ihm zufolge ist es eindeutig Lösung a:

Vollends von Antwort a überzeugt mich – philologische Kolleg*innen werden mich sowohl für die anfängliche Internetschauerei als auch den Blick auf den nicht zitierfähigen Einband¹ schelten –, vollends überzeugt mich also der Blick ins Impressum. Dort steht:
»CIP-Kurztitelaufnahme der Deutschen Bibliothek
Materialien zur ästhetischen Theorie
Theodor W. Adornos, Konstruktion der Moderne
hrsg. von Burkhardt Lindner u. W. Martin Lüdke.
1. Aufl. – Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1980.«
Na, da hat sich am Ende alles doch noch geklärt. Erstaunen tut’s mich nicht, ist es schließlich nur ein weiteres Glied in der laaangen Kette von Suhrkamps Sonderbarkeiten wie diesen:
- zwei vertauschte Zeilen in Walter Benjamins Dissertation
- das ›elegante‹ Sich-Entziehen aus einer Affaire
- ein stone cold spoiler auf einer Umschlag-Rückseite
- …
Sollte jemand vom Suhrkamp Verlag diesen Beitrag lesen: Ich würde freilich trotz alledem bei euch publizieren. E-Mail-Postfach ist offen!
Ach, eine Sache zu einem der Herausgeber noch, weil eine Freundin sich neulich fragte, ob Theodor W. Adorno in Literaturverzeichnissen statt unter A wie Adorno nicht vielmehr unter W wie W. Adorno eingeordnet werden müsse, da sein Mittelinitial W. nicht für einen abgekürzten Vornamen steht, sondern für Wiesengrund, seinen ›abgelegten‹ Geburtsnamen väterlicherseits (Adorno hatte seine Mutter geheißen)², sei hier gefragt: Ob der eine Herausgeber des obigen Bandes, W. Martin Lüdke, in voller Länge Wiesengrund Martin Lüdke heißt?
Herzliche Grüße W. A. Maria Lugauer
¹ Schon im ersten Semester schärfte mir ein Linguist ein, zitierfähig sei erst die Titelseite nach dem Schmutztitel eines Buches, die sich i. d. R. auf S. 3 des Buchblocks befindet. Denn alles andere könne ja abgerissen/verschmutzt werden.
² Auweia, meine auf Twitter diesbezüglich geäußerte launige Bemerkung brachte mir den heiligen, barsch und unwirsch geäußerten Zorn eines alten Leiters des FAZ-Geisteswissenschaftsressorts ein!
Updates: Zahnarzt
Vor zwei Wochen erzählte ich, meine Zahnarztpraxis riefe mich bei vor längerer Zeit vereinbarten Terminen ca. 2 Tage vorher an und fragte, ob ich den Termin noch auf dem Schirm hätte. Update 1: Weder hat sie mich angerufen. Update 2: Noch habe ich sie, wie im verlinkten Beitrag großspurig herausposaunt, diesmal vorher angerufen, um ihr zuvorzukommen. Update 1 hat mich einigermaßen traurig gemacht. Aber auch wieder nicht, denn anscheinend hat die Praxis mich der Patientengruppe »besonders zuverlässig« zugeordnet.
Update 3: 69 Minuten vor dem vereinbarten Termin wurde ich aus der Praxis angerufen, habe den Anruf aber verpasst. Sofort eilte ich nach der Handybenachrichtigung zum Kalender, um zu kucken, ob ich nicht schon auf dem Behandlungsstuhl sitzen müsste (vgl. die Beschreibung im verlinkten Beitrag). Hätte ich nicht gemusst, denn ich hatte mir den Termin richtig notiert! Stellt sich bei meinem Rückruf raus: Die behandelnde Zahnmedizinische Fachangestellte war 20 Minuten im Verzug, ob ich auch 20 Minuten später noch könne. »Aber natürlich!«, jodelte ich konziliant in den Hörer.
Und das ist doch der Hammer! Bei der Ankunft habe ich mich freilich für den Anruf bedankt. Keine andere Zahnarztpraxis würde wegen so etwas die Patient*innen anrufen, überall hätte eins die Verzugszeit im Wartezimmer abzufristen, ja nicht einmal an der Rezeption (heißt das in medizinischen Praxen so? »Empfang« klänge auch unpassend und zu sehr nach Hotel, »Patientenannahme« hingegen zu sehr nach Klinik), nicht einmal an der Rezeption also gäbe es einen Bescheid, dass es 20 Minuten später werden würde. Denn alle kommen zwar immer pünktlich zum Termin, wissen aber von vorneherein, dass gleich ca. 30 Minuten Handyzeit oder, bei leerem Akku, Müllzeit mit dem Illustriertenschund vom Lesezirkel (Bunte, Stern, Gala, Spiegel, …) zu absolvieren sind. Nicht so in meiner Zahnarztpraxis: Wie im verlinkten Beitrag erwähnt, wartet man hier praktisch nie länger als 5 Minuten bis nach der vereinbarten Uhrzeit.
Und deswegen habe ich beschlossen, etwas zu tun, was ich noch nie zuvor getan habe: Ich schreibe meiner Zahnarztpraxis eine Google-Bewertung! Und vielleicht auch welche bei diesen Praxis-Bewertungsportalen, bei denen sich die Leute ja üblicherweise nur beschweren.
Nr. 5 gewöhnt sich ein!
Kürzlich erzählte ich, neue Smartphones könnten nichts, was mich nach der Anschaffung groß vom Hocker reißen würde. Das stimmt auch für Nr. 5, mein neuestes Gerät. Doch gefällt es mir wegen ein paar Komfortkleinigkeiten nicht unwesentlich besser als Nr. 4.
Wie im oben verlinkten Text erwähnt, finde ich die 4500 mAh des Akkus prima, aktuell läuft das Gerät unter heavy use 1,5–2 Tage. Der Vorgänger hatte 5000 mAh und konnte da locker mithalten. Aber: Nr. 5 verfügt über eine Schnellladetechnik, die ich noch nicht gesehen habe! Heute habe ich, weil ich es kaum glauben kann, mal mitgestoppt: Das Ladegerät blies Strom von anfänglich 23 auf 99 % in sage und schreibe nur 21:37 Minuten in den Akkumulator. Keine Ahnung, ob das heutzutage nicht noch schneller geht, aber ganz ehrlich: mir reicht’s. In den online verfügbaren Testberichten zu den Mittelklasse-Smartphones, die für mich infrage kommen, wird oft gemosert, dass die Testtelefone kein wireless charging beherrschten. Das scheint mir einfach den 800+-€-Boliden vorbehalten zu sein. But call me old-fashioned: Was juckt’s mich, ob beim Laden jetzt ein Kabel drinsteckt oder ob das Ding auf einer (haha) Ladefläche liegt? Solange das keine Unter-5-Minuten-Ladegeschwindigkeit mit sich bringt, brauche ich das Air des kabellosen Ladens nicht. Mit dem Kabelsalat-Argument braucht mir niemand zu kommen. Gleich nach dem Aufladen stecke ich den Adapter stets aus, rolle das Kabel sorgfältig auf und verräume beides in der dafür vorgesehenen Schublade, oder unterwegs halt im Koffer bzw. in der Tasche. Aber halt, ich merke, wie ich wegen dieses unnötigen Features geladen werde. Daher zurück zu den Dingen, die mir an Nr. 5 sehr gut gefallen:
Da wäre bspw. der kleine dreistufige Schiebeschalter auf der rechten Geräteseite über dem Unlock-Button. Mit diesem kann ich umschalten zwischen »laut«, »Vibration« und »lautlos«. Nennt mich altmodisch, aber ich finde das super. Tatsächlich kommt es mir des Öfteren ganz zupass, in der Hosentasche die Benachrichtigungseinstellung zu wechseln, ohne den Bildschirm entsperren und umständlich darauf herumziehen, -wischen und/oder drücken zu müssen.
Sehr gefällt mir auch der Zen-Mode. Ist dieser aktiviert, sind sämtliche Benachrichtigungen für eine voreingestellte Dauer deaktiviert, man kann höchstens angerufen werden (aber wer ruft eine*n schon an) oder Notrufe tätigen (aber wann muss eins schon Notrufe tätigen, wenn’s konzentriert am Schreibtisch sitzt). Und das Außerordentliche daran: Selbstbeschiss ist nicht möglich, weil der Zen-Mode, einmal gestartet, vorab nicht zu beenden ist. App-Kram wie »Digital Wellbeing« öffnet dem Selbstbetrug ja Tür und Tor und sämtliche neun Pforten der Hölle, indem es bspw. beim Klick auf eine gerade inaktivierte App fragt, ob man sie fünf Minuten lang benutzen möchte, bevor sie wieder inaktiviert wird. Was für ein Witz. So wurstelt eins sich App für App, fünf Minuten für fünf Minuten durch irgendwelche Social-Media-Kanäle, und Essig ist’s mit der Konzentration durch Nichtablenkung. Mir schon klar, dass der Firmenkomplex hinter den Smartphones kein Interesse an Nichtbenutzung hat, aber »Digital Wellbeing« ist schon ein höchst alberner und lachhaft dämlicher Versuch so zu tun, als interessiere man sich für die Kundenbedürfnisse statt nur für die eigenen monetären. (Bevor es jemand einwirft: Dass es ohnehin »kein richtiges Leben im falschen« gibt, ist mir bekannt.)
Irgendwas gefällt mir an Nr. 5 noch sehr gut, aber das will mir partout nicht beifallen gerade. Und weil’s ohnehin schon so ein langer Riemen ist – im Kopf schwebte mir ein ca. fünfzeiliger Listicle vor – endet dieser Beitrag hier. (Ach ja, ich glaube, es war die AI-Bildoptimierung der Kamera.)
Nr. 5 ist da!
Da radle ich also am Sonntag in ein von mir bis dahin unbesuchtes Freibad in einem Stadtteil, in dem ich noch nicht war, und lasse mich von Google Maps, das Handy an der Lenkerhalterung, hinnavigieren. Kurz vor der Kasse merke ich, dass ich es nicht bei mir habe. Zurück beim Rad – ich bin ganze 50–70 Sekunden weg – ist es – futsch! Mein erstes geklautes Handy.
Von der Polizei hat sich auf meine Onlineanzeige hin bis heute niemand gemeldet. Nicht dass ich mir große Hoffnung auf ein Wiedersehen machen würde; aber wenn man etwas anzeigt, möchte man doch immerhin ein wenig Aufmerksamkeit bzw. eine mündliche Anzeigeneingangsbestätigung (der betreffende Cop dürfte meinetwegen am Telefon auch die Augen wegen Aussichtslosigkeit verdrehen bis nach Australien).
Mein sehr guter Mobilfunkanbieter (dessen Name ich nicht nenne, aber der mit der klaviertastenweiß bezahnten Visage eines Dieter B. wirbt) hingegen hat mir aus Kulanz wegen des dreisten Schnelldiebstahls kostenlos eine neue SIM-Karte geschickt. Für die er ansonsten ganze 24,95 € haben wollen würde. Beim Herausbrechen der Nano-SIM fiel mir auf, was für riesige Oschis die normalen SIM-Karten waren. Die waren ja halb so groß wie bspw. ein Nokia 8210 oder eines dieser anderen Winzhandys von um die Jahrtausendwende! (Hahaha, wie ich gerade recherchiere, von wann das 8210 ist – 1999 –, lese ich eine Meldung vom 12.07.2022: Handy-Klassiker: Das Nokia 8210 kehrt zurück.)
Ein neues Handy habe ich seit gestern auch. Ein »China-Handy« von einem mir bis kürzlich unbekannten Hersteller. Nach Nokia (haha, ja, mein erstes Smartphone war ein Nokia), Samsung, Samsung und Motorola nun also Gerät Nr. 5: OnePlus. Aber wie unaufregend die Anschaffung eines solchen neuen Geräts heute ist. Hat mich das erste Samsung damals noch vom Hocker gehauen (»ein kleiner Laptop für die Hosentasche«, hat es ein befreundeter Informationstechnologe genannt), umflorte schon das zweite keine besondere Future-Aura mehr. Die Einrichtung eines Folgegeräts dauert ja keinen halben Tag mehr, sondern geht über Google-Umzugsfunktionen in Windeseile. Beim neuen habe ich bislang nur zwei Apps installieren müssen, den Rest stallierte die Backup-Routine nach Maßgabe des – wohlgemerkt geklauten – Vorgängers in. Zauberei!
Richtig, via Google mache ich das alles. War ich beim ersten Samsung noch auf der Datenschutz-Hut und versuchte, dem Internetgiganten Daten vorzuenthalten, wo es ging, ist mir diesbezüglich seit 3–4 Jahren alles wurscht. Für jede Date, die irgendjemand schützt, gebe ich drei. Kontenverknüpfungen und wasweißich, Hauptsache, es macht das Handyleben komfortabler. Nichts mehr mit Open Street Maps statt Google Maps, kein PlayStore-Verzicht, kein Root + gemoddetes Betriebssystem mehr (den Android-Mod »CyanogenMod« hat mir damals besagter Informationstechnologe aufm ersten Samsung eingerichtet, was ganz schön aufregend war, weil das das ganze Gerät zerstören kann), sondern überall der Standard und das Bequemste und das heißt bei so vielem: Google. Dann habe ich halt keinen systemweiten Adblocker und keine Firewall, um Apps nach Gusto mobile Daten und/oder WLAN zu verweigern. Und der »systemweite Equalizer«, was auch immer das war, war eh Mist.
Was neue Handys mittlerweile imo so unaufregend macht: Genau wie die gängigen Displaygrößen sich bei um die 6,4” eingependelt haben, ist Android an einem gewissen Funktionalitäts-Peak angelangt. Recht viel größer als 6,4” ist einfach zu groß, schon weil in puncto Handgrößen- und Fingerlängenevolution keine Entwicklungen passieren. Und selbst mit meinen großen Händen war mir mein 6,7”-Ziegel von zuletzt zu unhandlich, die Icon-Leiste oben konnte ich mit dem Daumen der Handyhaltehand kaum runterziehen. Und recht viel kleiner als 6,4” ist inzwischen einfach zu klein, etwa Gesurfe ist dann viel frickeliger. Und ebenso ist bei Android nicht mehr klar, was noch groß an Quantensprüngen passieren soll. Keine meiner drei letzten Neuanschaffungen konnte Wesentliches, was die Vorgänger noch nicht gekonnt hatten.
Positiv hervorzuheben seien immerhin die gesteigerten Akkukapazitäten – 5000 mAh beim geklauten, 4500 mAh beim neuen, aber die hängen ja nicht von Android ab – und … ach, das war’s eigentlich schon, stelle ich arroganterweise einfach meine Nachdenkerei ein.
»Ich bin ein Zahnarzt / und ich bin cool drauf«
Die sehr gute Zahnarztpraxis, deren Patient ich bin, hat den besten Service aller Zeiten. Die Mitarbeiter*innen an der Rezeption sind außergewöhnlich freundlich, hilfsbereit und entgegenkommend. Wartezeiten gibt es fast nie: Eins kann eine Minute vor dem vereinbarten Termin im Wartezimmer sitzen und wird dann maximal drei, wenn’s hochkommt: vier Minuten später in eines der zahlreichen Behandlungszimmer gebeten. Was ich in anderen Praxen schon herumgesessen habe! Zahnärzt*innen wie zahnmedizinische Fachangestellte führen, bevor sie die Untersuchung/Behandlung vornehmen, erst einmal ein, zwei Minuten Smalltalk der angenehmsten, weil unaufdringlichsten Sorte und eins darf etwa Auskunft geben, wie es denn so ginge, und zwar nicht nur Mundraum-related, sondern auch im Leben und im Beruf. Alle, wirklich alle scheinen irgendwie Kommunikations-gecoacht, aber wholesome und nicht auf die dumm-leere Business- und Coworking-Art.
Was ich besonders prima finde: Zwei oder drei Tage vor einem Termin, dessen Vereinbarung schon eine Weile zurückliegt, schellt das Telefon, es meldet sich eine Mitarbeiterin der Praxis und die sofort von der Hüfte aus wirbelsäulenmang zum Nacken und in den unteren Hinterkopf wallende Panik, ich müsse jetzt in diesem Moment eigentlich im Behandlungsstuhl sitzen und werde wegen dieser Säumnis bei Strafe des Untergangs auf ewig aus der Praxis verbannt, verfliegt, alsbald die Mitarbeiterin freundlichst gefragt hat, ob ich des bevorstehenden Termines gewahr sei. [Beim Lesen vor dem Veröffentlichen fällt mir auf, dass ich fast die Pointe dieses Beitrags vergessen hätte. Sie kommt jetzt.] Na, die werden schauen, wenn dieses Mal ich vorher anrufe und Bescheid gebe, dass ich den Termin aufm Schirm hätte!
Ein bisserl nervig ist nur der eine Zahnarzt, der, meist im Anschluss an die hochqualitativ durchgeführte Behandlung, ein wenig zu sehr ins Reden kommt. Und zwar eher in Richtung von Gegenstandsbereichen, die tiefsinnigen Tresengesprächen mit Freund*innen in irgendwelchen dunklen Spelunken vorbehalten sind. Gern gebe ich vor der Behandlung Kurzauskunft, was so abgeht; dass der Dentalfried selbst Späteinsteiger ist und erst nach Krankenwagenfahrerzeit u. ä. seinen Beruf zur Berufung, Quatsch: seine Berufung zum Beruf gemacht hat, mit derlei ellenlangen, bremsenden Ausführungen möge man mich verschonen und mich fröhlich »tschüsselnd« (Polt) heimfahren lassen.
(Für die, zugegeben, hermetische Überschrift vgl. den Beitrag »Kinderlieder, die auch von Rammstein sein könnten«.)
Zelteln
Bin froh, dass ich in meinem Leben wahrscheinlich nie wieder zelteln muss. Hab das früher manchmal im Garten, auf Festivals und mitunter im Urlaub gemacht und frage mich jetzt, warum ich mir das angetan habe. Was mich am Zelteln aufregt: (1) Dass es so ur unbequem ist, (2) das Zusammenrollen der Selbstaufblasbaren, das Stopfen des Schlafsacks, (3) das Einpacken des Zelts in den viel zu kleinen Tragesack, in den sie das Zelt in der Fabrik mit Maschinen mit Tausend Zentnertonnen Kraft reingepresst haben, (4) dass ich praktisch nie ein Kissen dabei hatte und immer einen Kapu o.ä. nehmen musste, (5) dass ich nie ein Zelt mit Tür vorne und hinten hatte und es in der Früh 1000 °C hat, weil man nicht auf Durchzug schalten kann, (6) das Geräusch, wenn jemand den Reißverschluss des Zelteingangs öffnet/schließt, (7) dass man ein Zelt nie so richtig sauber kriegt und innen immer irgend ein Dreck und Insekten ewig mitgeschleppt werden, (8) verbogene Heringe, (9) beim Eintrieb verbiegende Heringe, weil im „Erd“reich ein Stein kommt, (9) fehlende Heringe, (10) über Zeltschnüre stolpern, (11) dass das Außenzelt zumeist nicht ganz bündig auf dem Innenzelt liegt und es so leicht unsauber/nachlässig aufgebaut aussieht, (12) dass im Fußraum immer Kram rumliegt, (13) ich war nach keiner einzigen Zeltelnacht ausgeschlafen und/oder erholt,
Hinweis: zelten = niederbairisch zaitln (mit ai wie in engl. way)
Arbeitszeugnis
»Das automatische Sonnenschutzrollo war stets bemüht und hat seine Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erledigt. Wir bedanken uns für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.«
Kinderstimmen
In den Bussen des Würzburger ÖPNV wurden die Stationsankündigungen von Kindern eingesprochen. Verstehen kann man zwar überhaupt nichts, weil sie erstens viel zu leise eingestellt sind und zweitens die zarten Kinderstimmchen viel zu dünn sind für handfeste Informationen, aber [schreckt vom Handy hoch] HALT STOPP ICH MUSS HIER AUCH NOCH RAUS !!!