Aussprachehilfen (1)

Most recent nur noch mit mostrezent übersetzen, alle flippen völlig aus, keltern Äpfel und Trauben, vergleichen mit Birnen, tränken jetzt und hier lieber ein Bier und Vögel

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Meanwhile nur noch mit Gemeinwohl übersetzen, alle flippen völlig aus, verhalten sich niederträchtig und übelwollend, tragen schwer an Lämmern, kommen ungeschoren davon, flüchten sich unter die Essen

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soeben nur noch söben aussprechen, alle flippen voellig aus, stoebern nach Buechern, schmoekern darin, kaufen OEM-Software, wuergen eventuell

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Ohne Angst verschieden sein

Berlin, Bahnhof Ostkreuz

»… den besseren Zustand aber denken als den, in dem man ohne Angst verschieden sein kann.« (Adorno, Minima Moralia)

Die EU als dieser »bessere Zustand«, in dem man ohne Angst verschieden sein könne? LOL – Geh’ her, wenn du als Geflüchtete*r nicht schon im Mittelmeer ertrunken bist, stecken wir dich halt unter unmenschlichen Bedingungen in ein Lager und schieben dich um 4 Uhr morgens in ein Kriegsgebiet ab, wo dir, und das wissen wir, aus welchen Gründen auch immer die baldige Ermordung droht. Aber Angst brauchst du keine zu haben!

Wie erklär’ ich’s bloß meinen Eltern?

Liebe FAZ-Rubrik »Wie erklär’ ich’s bloß meinen Eltern?«,

sobald auf einem Sharepic steht »wenn du zustimmst schick das Bild jeden deiner Kontakte«, dann leitet Mutter mir das per WhatsApp weiter. Auch Oster- und Weihnachtsgrüße in Form solcher Bilder bekomme ich weitergeleitet, obwohl ich in der Una Sancta nicht mal mehr Mitglied bin. Ich finde das alles schrecklich, auch wenn’s nur etwa fünfmal im Jahr vorkommt.

Was kann ich tun? Wie äußere ich mein Unbehagen, ja: meinen Unmut, ohne womöglich Traumata auszulösen? Ich wende mich an Dich, denn SZ-Magazin-Moralkapazität Dr. Dr. Dr., Quatsch: Dr. Dr. Rainer Erlinger befasst sich mit den Sorgen und Nöten von uns Kleinen ja nicht mehr. Und seinen »Ersatz« konsultiere ich im Leben nicht.

Liebe Grüße,
Handwerksmeister h.c. mult. Andreas Maria Lugauer

PS: Dass es Dich, liebe FAZ-Rubrik, gar nicht gibt, sondern nur Deinen – gewissermaßen – Sproß, die Rubrik »Wie erkläre ich’s bloß meinem Kind?«, würde ich übrigens auch gerne mit jemandem besprechen.

The Waschmaschinen Incident

25.04.2019 – Als ich Anfang des Jahres auf der Suche nach einer Wohnmöglichkeit für Berlin war, prahlte ich doch damit, in meiner WG schon mehrfach die Waschmaschine repariert zu haben, bzw. ich gab das als einen meiner Vorzüge aus.
Was soll ich sagen: Wo ich in Berlin momentan untergekommen bin, habe ich vorhin die Klospülung repariert. Und zwar das fragile, magische Kunststoffgerümpel eines in der Wand verbauten Spülkastens.
Wer jetzt will, dass ich auch mal bei ihr*ihm wohne: PM. Preise regelt der Markt.

04.05.2019 – In der WG, in der ich die kommenden zwei Wochen wohne, bin ich die ersten drei Tage alleine, weil die Mitbewohnerinnen hier und da und dort sind. Aus der Ferne erreichen mich Nachrichten, ob ich mich schon gut eingelebt hätte. Obzwar es diesen liebevollen und natürlich eher rhetorischen Nachfragen nicht angemessen wäre, möchte ich fast antworten: Freilich, weil wohnen kann ich gut. Denn, um Gerhard Polt aus einem Interview, in dem er unter anderem davon spricht, dass er gerne so vor sich hin schildkrötelt, zu zitieren: »Ich wohne gern.« (Interview: »›Ich sinnlose vor mich hin… und das mit Begeisterung!‹ Gerhard Polt spricht über die Langeweile.«)

06.05.2019 – Scheiße jetzt ist die Waschmaschine in der WG hier tAtSäChLiCh kaputt 😱 und jetzt fragt man freilich gleich mich weil ich mit meinen Reparierkünsten natürlich auch hier mords geprahlt hab aber ich hab keinen blassen Schimmer was es sein könnte 😫 Aber Moment Freunde, noch ist nichts entschieden! Hab erstmal empfohlen: Ausschalten, Netzstecker ziehen und warten weil ich bin Profi hehe
(»Fun« fact: Ich hatte das Reparier-Angeber-Posting vom 25.04. gescreenshottet und in die WG-Telegram-Gruppe (gibt’s, eh klar!) gestellt, weil lol nech. Und jetzt stehe ich da…)

08.05.2019 – Hallo Freunde, die Waschmaschine funktioniert wieder! Das Problem war eine Haarnadel feat. Haargummi, was beides im Flusensieb hing und den Abpumpmotor am abpumpen hinderte. Es war ein bisschen ein Geplätscher, bis das ganze Wasser erstmal rausgelaufen war, aber am Ende des Tages hindert mich kaum etwas an einer vernünftigen Reparatur und mit flinken Fingern habe ich die beiden Racker entfernt. Gerade läuft noch der erste Durchlauf nach ~the incident~, etwaige neuerliche Schwierigkeiten halte ich jedoch für äußerst unwahrscheinlich.
Liebe Grüße,
Handwerksmeister h.c. mult. Andreas Maria Lugauer

08.05.2019 – Update: Der erste Durchlauf verlief – wie erwartet – problemlos und jetzt kann wieder gewaschen werden, dass es sich gewaschen hat (?!)

Kritik am Symposium »Ästhetik nach Adorno«, eine Replik

Na freilich kannst du auf dem Symposium »Ästhetik nach Adorno« (21.–23.6.2019, Berlin, Link zur Website) ein Flugblatt namens »Unter der Ästhetik liegt die Erfahrung – Zum Symposium ›Ästhetik nach Adorno‹« (Link zum PDF) auslegen, in dem du Kritik an der Veranstaltung kundtust. Wenn du deine – stellenweise noch so triftigen – kritischen Äußerungen allerdings zwischen Zitate von Adorno und Benjamin oben sowie deinem nicht angegebenen Namen unten presst und das Flugblatt in unbeobachteten Momenten verhuscht auf die Sitze legst – dann sinkt das samt und sonders von Kritik herab zur blind vorgetragenen Religion, zum apostolischen Eifer. Dann bist du letztlich nichts anderes als etwa die Zeugen Jehovas, die in den Fußgängerzonen dieser Welt mit ihren Aufstellern zum ›Gespräch‹ einladen, worin sie dir dann die alleinige Wahrheit des Überirdischen verkünden werden. Mit dem Unterschied, dass Zeugen Jehovas immer noch persönlich auftreten und ihre Wahrheiten nicht bloß anonym irgendwo hinlegen.

Es mag einer gewissen Empathie geschuldet sein, dass du dich um die studentischen Referentinnen sorgst, die neben Forscherinnen und Doktorandinnen dort vortragen würden, da es letztlich um das hartnäckig waltende blanke Eigeninteresse der Veranstalterinnen ginge. Dabei zu unterschlagen, dass es sich um ein studentisch organisiertes Symposium handelt, ist, nunja: unfein. Denn wo du gravitätisch forderst, »das an Ästhetik interessierte Forschersubjekt« müsse sich auf die Gegenstände »einlassen« und sich ihnen »passivisch anschmiegen«, tust du dem Gegenstand deiner Kritik Gewalt schon durch Unterschlagung an.

Und damit betest du deinem Vorbild zwar ganz und gar folgsam nach, handelst ihm aber – ei wie’s in der Religion halt allemal zugeht – stur zuwider. Der Vorwurf der »akademischen Sprechautomaten«, er darf freilich auch nicht fehlen, schlägt aber doch auf dich zurück. Schau her: Wo du immer von »empathischer Erfahrung« oder vom »empathischen Sinne« schreibst, obwohl es, bei allem Mitgefühl, keinen Sinn ergibt, da steht bei deinem Messias meist »emphatisch« – das h nur zwei Plätzlein woanders und dennoch ein Unterschied um die Welt.

»[A]ls bestünde nicht ein bis in die Form eines jeden Satzes sedimentierter Erfahrungsgehalt seines [i.e. Adornos] Denkens in der Kritik abstrakter, den Sachen bloß übergebügelter Methode« – es soll alles ganz so wirken, als wären deine Ausführungen nicht bloß der dir selbst aufgebügelten Methode geschuldet; als wäre die Rede vom »bis in die Form eines jeden Satzes sedimentierten Erfahrungsgehalt seines Denkens« nicht schamlos sowohl bei Adorno selbst als auch bei der Sekundärliteratur über ihn zusammengeklaubt.

Wie das hier: »Gerade an Adorno aber, der das subjektivistische Zeitalter antizipierend und in immer neuen Wendungen kritisierte« – ob es direkt ausm Lexikon abgeschrieben oder doch paraphrasiert ist, ich mag es gar nicht nachschauen – »könnte man sich heute diese schier unendliche Neigung sich selbst absolut zu setzen, bewusst machen, sich also selbst in der Erfahrung einholen.« Vom Kommafehler abgesehen: Die »unendliche Neigung« hast du dir, ganz »an Ästhetik interessiertes Forschersubjekt«, bei den Poeten abgeschaut, gell? Sagen, was du meinst, würdest du jedoch mit »unbezwingliche Neigung«; bitteschön.

Kondensat deiner Adorno-Lektüre dürfte dann dies sein: »Indem sich das einzelne Individuum im Kunstwerk selbst verliert, kann es seinen [sic] Allmachtsphantasien innewerden und sich selbst zurücknehmen. Allein darin liegt die allzu leicht gezückte Wendung von der Kunst als Statthalter des Nicht-Identischen.« Allein darin. Basta! Schön aufgesagt (fast möchte ich dir ein Gutzettelchen ausstellen). Wie auch die Statthalter der autonomen Kunst: Wo die ästhetischen Schriften deines großen Vorbilds auch die Frage der Möglichkeit von autonomer Kunst sind, da deklarierst du Beckett, Celan und Georg Kreisler (haha) umstandslos zur »bürgerlich-autonomen Kunst«. Wie Heiligenfiguren, die in Kirchen herumstehen. Was es aber mit der Autonomie der Kunst auf sich hat, scheint dir wurscht zu sein.

Zu den eingangs erwähnten autoritär vorgetragenen Zitaten Adornos und Benjamins kommt am Ende freilich noch eine weitere Autorität hinzu: »Kritiker[] Magnus Klaue«, selbst Vortragender auf dem Symposium. Wolle man in Zukunft die Finanzierung solcher Veranstaltungen nicht gefährden, solle man Leute wie ihn besser nicht einladen, habe doch wegen ihm »die queerfeministische Querfront [gut zusammengeklaubt, sogar mit Alliteration!] des StuPa der HU die monetäre Unterstützung verweigert«. Schließlich, so insinuierst du hier, gelänge es heute kaum mehr, sich nicht von queerfeministischer Scheiße das kritische Geschäft versauen zu lassen.

Das notabene o b j e k t i v e kritische Geschäft, wie du es zu betreiben vorgibst. Darin dürfte denn auch begründet sein, dass du das alles im Schutze der Anonymität vorträgst. Spricht hier doch die an die Objekte angeschmiegte Subjektivität, die sich, wo sie jene tingiert, ihrer selbst bewusst ist und jene selbstbewusst reinigt. Und wo’s derart objektiv zugeht, da braucht’s die Angabe des Urhebers freilich nicht mehr. (»tingieren« habe ich bei Adorno schon öfter gelesen und es passt hier ganz gut.)

Gelesen und ausgelegt sei Theodor W. Adorno, Amen.

PS: Man trennt »A-dor-no«, nicht »Ad-or-no«. Aber du liest dir deinen Schamott ja scheint’s nicht mal mehr durch vorm Austeilen. Hauptsache es sind exakt 2 DIN-A4-Seiten kritisch klingenden Gesuders.


Ich selbst war auf diesem Symposium Vortragender, siehe hier.