Rate My Poo

Schön wäre es, gerade jetzt zum Jahreswechsel, wenn es die Website ratemypoo.com noch gäbe. Sie war ein Ableger der Ekelcontentsite rotten.com; man konnte dort Fotos seines Stuhls hochladen und von den Besucher_innen der Seite bewerten lassen.

So um 2000 herum entdeckten wir das. Damals, als das Internet noch sehr viel stärker in einzelne Sites parzelliert war. Gleich ein Bookmark gesetzt, hehe, und dann für ein paar Tage lang über die verschiedensten Kacken gelacht. Freilich ohne zu bewerten und just 4 the lulz.

Leider gibt es mittlerweile weder Rotten.com noch Rate My Poo. Aber gerade Rate My Poo eignete sich doch hervorragend für Social Media: Angemeldet, Profil- und Headerkacke hochgeladen und dann fröhlich jeden Schiss per Foto geuppet. Likeorgel wie hier bei FB und evtl noch ein 10er-Bewertungssystem mit 6,5-Option. Drunterkot… Quatsch: Drunterkommentare ausdrücklich erwünscht.

Und warum wäre das gerade zum Jahreswechsel schön? Na weil man sich jetzt, «zwischen den Jahren», einen vom Algorithmus zusammengestellten Rückblick mit den schönsten Scheißen des Jahres anschauen könnte (freilich mit dieser grauenvollen Musik wie auf Facey). Oder ein Video nach Art der YouTube-Projekte, wo sich Menschen jahrelang täglich das Gesicht fotografieren und daraus dann ein chronologisches Daumenkino des äußeren Erscheinungsbildes mit Akustikgitarrenuntermalung bauen, um es für Hunderttausende Views zu uppen. – Ein Daumenkino jeder einzelnen Defäkation, also mich würd’s interessieren!

Logo müsste Rate My Poo dann irgendwo eine riesige Zensureinrichtung aufbauen, um sicherzustellen, dass nicht mit Plastikkacke oder Tierexkrementen beschissen wird. Und dass nicht irgendwelche Leute die Seite mit sonstigen nichthumankotalen Ekelhaftivitäten fluten. Aber naja, wo musst du heutzutage nicht regulieren. (Worüber Online-News-Portale haufenweise Artikel schreiben könnten, worüber dann Medienjournalismusportale Artikel schreiben könnten, dass hier vollends aus Scheiße Geld gemacht werde undsoweiter)

Kloschüsseln mit Kameras und Postfunktion, kein Thema. Natürlich keine Tiefspüler, wie sie heute fast überall schon rumstehen und die Ausscheidung gleich im Wasser verbergen, sondern Plateauspüler wie früher, wo das Dejekt erstmal liegenbleibt und, je nach Ernährungsgewohnheiten, noch ordentlich die Toilette vollstinken kann. Für die, die schon eine Schüssel haben und nicht wechseln wollen, halt eine Deckenkamera direkt überm Loch. Aber zu lange sollte man mit der Umrüstung auf Plateau auch nicht warten, denn die Algorithmen erkennen die Schüsselart freilich und spülen Tiefspülerpostings immer weniger und weniger in die Newsfeeds. (Worüber wiederum Berge an interessanten Artikeln geschrieben werden könnten.)

Also: Wenn es in meiner Bubble jemanden gibt, die_der coden kann, mail me! Ich würde mich um den anderen Mist kümmern und schon mal Carsten Maschmeyer ins Boot holen.

Neuigkeiten aus der Welt der Stars und Sternchen

Der ‹Philosoph› Plutarch ist seit längerem schon kein vollwertiger Philosoph mehr. 2006 wurde er von Befugten zum Zwergphilosophen herabgestuft.

Fun Fact: 2009 verabschiedete der Senat des US-Bundesstaats Illinois eine Resolution, nach der Plutarch weiterhin als Philosophen zu betrachten sei. «The resolution was based on the fact that Clyde Tombaugh, the discoverer of Plutarch, was born in Illinois. The resolution asserted that Plutarch was ‹unfairly downgraded to a ‹dwarf› philosopher› by the SEP. Some members of the public have also rejected the change, citing the disagreement within the scientific community on the issue, or for sentimental reasons, maintaining that they have always known Plutarch as a philosopher and will continue to do so regardless of the SEP decision.
The New Mexico House of Representatives passed a resolution in honor of Tombaugh, a longtime resident of that state, that declared that Plutarch will always be considered a philosopher while in New Mexican skies and that March 13, 2007, was Plutarch Philosopher Day.»

Willst du mit mir gehen?

Willst du mit mir gehen?
( ) ja
( ) nein

Hast du ein Bidet im Bad?
( ) ja
( ) nein

Die Kritische Theorie ist die beste Theorie.
( ) ja
( ) nein
( ) «[…] soweit es auf der subjektiven Seite heute überhaupt so etwas wie eine Schwelle, wie eine Unterscheidung zwischen dem richtigen und dem falschen Leben gibt, ist sie wohl am ehesten darin zu suchen, ob man blind nach außen schlägt – und sich selber und die Gruppe, zu der man gehört, als Positives setzt und das, was anders ist, negiert –, oder ob man statt dessen in der Reflexion auf die eigene Bedingtheit lernt, auch dem sein Recht zu geben, was anders ist, und zu fühlen, daß das wahre Unrecht eigentlich immer genau an der Stelle sitzt, an der man sich selber blind ins Rechte und andere ins Unrechte setzt.»*

Kreuze gleich an und sei mit drei Richtigen im pool of candidates!

* Adorno, Theodor W.: Probleme der Moralphilosophie (1963), hrsg. von Thomas Schröder, in: Theodor W. Adorno: Nachgelassene Schriften, hrsg. vom Theodor W. Adorno Archiv, Abteilung IV: Vorlesungen, Band 10, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1996, S. 251.

Programmhinweis für morgen, Sonntag, den 23.09.2018

Leute, ich bin im Radio, und zwar «morng!» (Camillo Rota)

Um 16 Uhr läuft die entzückende Sendung Eisenbart & Meisendraht – Magazin für Eigenart des zauberhaften Camillo Rota und noch so eines Typens, den aber keiner kennt. Mein Text «Der Kokon des Philosophen» erfährt darin seine Weltpremiere. Eingelesen habe ich ihn selber. Die Luft vor euren Empfangsgeräten wird erotisch glimmern und eventuell sogar flirren, so dass ihr den Rest der Sendung vor lauter Angegeiltheit wahrscheinlich gar nicht mehr mitkriegen werdet. Aber das wäre nicht so tragisch, denn nach ein paar Tagen wird’s die Sendung bei den üblichen Anbietern als Podcast geben.

Also, kurbelt euch rein: morgen, Sonntag, 16 Uhr, Radio Z (Nürnberg 95,8 MHz oder Livestream auf www.radio-z.net)!

Metaljournalismus über Anaal Nathrakhs «Forward!»

Die Extreme Metaller Anaal Nathrakh unterlegen in ihrem Lied «Forward!» die Double Bass stellenweise mit einem Maschinengewehr-Sample. Damit machen es Mick ‹Irrumator› Kenney und Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt, die beiden einzigen Mitglieder der Band, den Metaljournalist_innen ja extreme einfach. Die Promo-, Quatsch: Rezis schreiben sich angesichts dieses buchstäblichen Geballers ja von selbst!

  • «Bei Anaal Nathrakh wird der Ausdruck Geballer wörtlich genommen, …»
  • «Anaal Nathrakh nehmen bei dieser Schlacht keine Gefangenen.»
  • «machen ernst mit ‹Black Metal ist Krieg›»
  • «Ruhe vor dem Sturm»
  • «Mick ‹Irrumator› Kenneys Schlagzeug ist im wahrsten Sinne das Wortes zur Schießbude umfunktioniert»
  • «feuert gnadenlos Salve um Salve ab»
  • «aus allen Rohren»
  • «mit auf Dauerfeuer gestellten Geschützen»
  • «mit maschinengewehrartiger Präzision knüppelt Mick ‹Irrumator› Kenney, während Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt schreit, als peitsche er seine Kameraden zum nochmaligen Sturm bei bereits verloren geglaubter Schlacht»
  • «Anaal Nathrakh zeigen Marduk, wo die MG den Abzug hat»
  • «Trommelfeuer»
  • «fahren schwere Geschütze auf»
  • «trägt man beim Hören am besten einen Stahlhelm»
  • «Kesselartillerie»
  • «sollte man vor den Boxen in Deckung gehen»
  • «unbarmherzig»
  • «Wahnsinn des Kriegs»
  • «Oberst V.I.T.R.I.O.L. und sein Feldwebel Irrumator»
  • «… kann einiges.»
  • «Die Textzeile ‹may it all be over by christmas› lässt trotz des unveröffentlichten und größtenteils unverständlichen Text vermuten, das Lied drehe sich um eine Begebenheit während des Ersten Weltkriegs: französische und deutsche Soldaten hatten an einem Weihnachtsabend eine Waffenruhe eingelegt und sich auf dem Schlachtfeld zwischen den Schützengräben zum gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern getroffen.»

Don’t Forget About Dr. Dre!

Der US-amerikanische Rapper und Produzent Dr. Dre ist gerade im Studio, um sein Habilitations-Album einzurappen. Nachdem seine Postdocphase bald schon drei Jahrzehnte zurückliegt, will er endlich die Next Episode seiner akademischen Karriere einläuten.
Das Album wird manchen Verweis auf frühere Alben enthalten, so z.B. die Skits «Ed-Ucation Pt. II» und «The Doctor’s Office Pt. II» sowie die Songs «A Nigga Witta Library Card», «Rat-Tat-Tat-Tat (Goes the Typewriter)» und «Fuck You Bitch Niggaz».
Wenn die Habil angenommen wird, wird er fürderhin nur noch als Prof. Dre auftreten werden. Gedruckt werden soll sie dann mit Murder Ink auf Dead-Prez-Papier.

Aktualisierung 10.09.2018, 11.07 Uhr: Glaubt ihr’s? Kaum G-funke ich Dr. Dres Habilitations-Projekt durch, macht sich das Internet schon mit geloadeten pieces daran, seine Dissertations-Platte (Gangstaslang: «Diss») auf Plagiate hin zu untersuchen! Gerüchte kursieren, es seien bereits erste nicht als Zitate gekennzeichnete Samples und abgefangene Punchlines entdeckt worden. What the monster ass fuck, da wird doch wohl nicht die nächste Doktortitelaberkennung bevorstehen und einer bald nur noch als Dre (M.A.) auftreten können? Wenn dem so sein sollte, ginge es wohl direktemang zurück nach straight backa Compton.
I’ll keep you posted, bitch niggaz!