Vor langer Zeit hatte ich an der Uni ein Referat über die Hymnen Goethes zu halten (‹Prometheus› etc.).
Als kleinen Witz hätte ich dabei gerne «Goethes Hymen» als Überschrift aufs Handout gedruckt (Hymen ist griechisch für Jungfernhäutchen). Aber das traute ich mich dann nicht; auch wenn Goethe hinsichtlich Hymen bzw. Defloration kein unbeschriebenes Blatt gewesen sein dürfte und es insofern sogar eine gewisse Berechtigung gehabt hätte, zumal das Seminar sich ausschließlich mit dem Werk des jungen Goethe beschäftigte. Bis heute ärgere ich mich darüber, diesen Witz ausgelassen zu haben.
Nicht schlecht staunte ich nun, wie der Lyriker Stefan George dieses Problem 1922 bei seinem Gedichtband ‹Hymnen – Pilgerfahrten – Algabal› gelöst hatte. Der alte Hammel.
Lyrik
Weiße Elefanten
Spalter
Sollt’ das Geld im Alter langen
Und er eine Alt’ erlangen
Zieht er mal nach: Alterlangen Frankreich.
Frühling für Hitler
(Das folgende Gedicht ist eine Variation des Gedichts ›Veronika!‹ – Denn freilich: Wenn die völkisch-nationalistische AfD in einem Akt faschistoider Regressivität Museen, Orchester und Theater verpflichten möchte, einen positiven Bezug zur Heimat zu fördern, ordne ich mich dem selbstverständlich in vorauseilendem Gehorsam unter.) Weiterlesen
Veronika!
Der Frühling legt sein blaues Band
Sachte um den Hals dem Land,
Würgt es, bis es nicht mehr kann –
Rot, grün, blau all’s leuchtet dann!
(Frei und ungelenk nach Eduard Mörike)

