Anlehnung

Hat eigentlich Chuck D (Public Enemy) seinen Künstlernamen in Anlehnung an Jacques Derrida gewählt?

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(So wie sich Thea Dorn ja auch nach THEodor w. ADORNo benannt hat *eyeroll* Hier die komplett idiotische Begründung aus dem SPIEGEL SPECIAL-Artikel «Mord auf dem Campus. Kesses [!] Debüt einer examinierten Philosophin» (10/1995): «Als eingefleischter Adornitin blieb mir doch kaum eine andere Wahl, als mich so bei Theo für seine erhellenden Geistesblitze zu bedanken.» h/t Matthias Warkus)

E-Werk, Lesung

Vor einiger Zeit habe ich zum ersten Mal auf einer Bühne vor Publikum gelesen, in der Clubbühne im E-Werk Erlangen. Leider nichts eigenes, sondern einen in Zusammenarbeit mit zwei lieben Freundinnen verfremdeten Text des diesjährigen Erlanger Poetikdozenten Friedrich von Borries. In dem, das war die wesentliche Transformation des Ausgangstextes, 5% der Wörter aus «Schwanz» bestanden. (In Borries’ Text geht es an dieser Stelle im Rahmen einer Turnschuh-Produktpräsentation um eine Schuhsohle.)

Was soll ich sagen? Vor unserem Auftritt war ich erstaunlich – für meine Verhältnisse gar bemerkenswert – unaufgeregt, nur kurz vorher kickte die gewöhnliche Nervosität rein. Als ich las, hatte ich jedoch praktisch sofort eine Mordsgaudi. Wie man sie haben kann, wenn man sleazy-lasziv einen Schwanz präsentiert. Erstaunt, um nicht zu sagen pikiert, aber zugleich amüsiert, schauten mich die Leute an, die ich bei jedem «Schwanz», obwohl ich angesichts des Gegenlichts kaum jemand erkennen konnte, in den Blick nahm. Leider war unser Auftritt recht kurz und mein Part hatte, wenn man den Anteil der beiden Freundinnen als Schaft des Textes betrachtet, nur in etwa Eichellänge. Bock hatte ich jedoch voll und ich hätte auch noch viel länger gewollt! («Andreas 🙄🙄🙄 !») Aber was will man machen.

(Was ich in jedem Fall machen will: Wieder lesen. Und zwar gerne was eigenes, d.h. etwas von den Sachen, die ich bislang auf meinem Blog veröffentlicht habe. Einschränkung: keine Poetry Slams. Und die Leute müssen halt Komik abkönnen können. Falls wer was weiß: gerne Email/PM)

Studio Braun/Gereon Klug: Kunst, Verzweiflung und Humor

Gereon Klug, u.a. Tourmanager von Studion Braun (Heinz Strunk, Jacques Palminger, Rocko Schamoni), las letztes Jahr im Erlanger E-Werk an einem Donnerstagabend aus dem von ihm herausgegebenen Studio-Braun-Buch «Drei Farben Braun». Außer mir waren vor Lesungsbeginn noch zwei andere Gäste da, junge Männer von vielleicht 17 Jahren (beide hatten, wie sich während der Pause herausstellte, weder Klug noch Studio Braun gekannt, aber einer von beiden hätte die Tickets halt von einer Tante zum Geburtstag bekommen. Gute Tante!).

Klug war, als er sich an seinen Lesungstisch setzte, zwar nicht begeistert, aber doch amüsiert. «Es gilt», meinte er dann gleich eingangs, «die alte Künstlerregel: Wenn mehr Leute im Publikum sitzen als auf der Bühne, wird die Show durchgezogen». Was er dann auch tat. Und auch ganz so, als hätten 50 Leute auf den Rängen gesessen (die kleinste E-Werk-Bühne hat Ränge). Nach ca. 15 Minuten schraubten zwei zusätzliche Gäste, die sich offensichtlich nicht nur ins angrenzende Bistro verirrt hatten, die Zahl der Anwesenden auf astronomische fünf.

Klug indes feuerte unbeirrt, und ohne für kommende Lesungen etwas aufzusparen, alles raus, was er vorbereitet hatte: Texte, Audio, Video und Zwischendurchanekdoten ohne Ablesen. Dass ich meist der einzige war (Publikum rein männlich), der lauthals lachte, war mir wurscht. Nach der Lesung ließ Klug sich noch herab und kam die Ränge herauf, woraus sich noch eine stattliche Unterhaltung ergab.

Kurzum: Gereon Klug für Studio Braun im Dienste von Kunst, Verzweiflung und Humor, ganz ohne sonstige Scheiße. 9/10