Alumni

»Als Alumni sind Sie ein wertvoller Teil unserer großen […]-Familie – halten Sie den Kontakt zu ehemaligen Mitstudierenden und Lehrenden aufrecht.«

*zieht den Verantwortlichen dieser E-Mail die Ohrwascheln lang* » W i e  lautet der Nominativ Singular von ›Alumni‹?!«

»Alumnus! Alumnus!«

*lässt ein wenig lockerer* »Und  w a n n  benennt ihr euch gendersensibel um in ›Alumni/-ae/-a-Verein‹?«

»Hä wa…«

*zieht die Ohrwascheln wieder stärker an*

Kartentisch

In Lissabon wurde ich mal, in hochsommerlicher schwüler Hitze allein an so einem Vierertisch sitzend und Reisetagebuch schreibend, von Einheimischen auf Portugiesisch »weggebeten«, weil der Tisch im Schatten war und sie Karten spielen wollten. Ich kann außer Galão und obrigado/obrigada kein Wort Portugiesisch und verstand erst, was sie wollten, als sie sagten: Carta … 🤌
 carta … 🤌. Na, was lief mir an meinem Tisch in der Sonne dann die sopa (port. ›Suppe‹) runter!

Overseating

Der stählerne Wind der Digitalisierung muss noch schneller, noch erbarmungsloser durch alle Lebensbereiche fegen. Alles Denken und Fühlen möge der Zweiwertigkeit untergeordnet werden. Im algorithmusgestützt übersetzten User Manual der neuen Bluetooth-Earbuds heißt es u. a. »Erhöhen Sie das Volumen«, »Muster der Anzeigelampen für den Ladefall« und »Die Anklageerhebung« (i. Eng., man käme kaum drauf: »To charge the charging case: …«). Beim »charging case« braucht’s Dusel, damit es mal mit »Ladegehäuse« übersetzt wird, meist errechnen die Maschinen »Ladekoffer«.

Ein hübsches Gem hält auch ein Android-Equalizer vor, wenn man ihn beenden will:

Was in der FAZ imo passieren soll

Hoffentlich überlebt die FAZ lange genug, dass in ihrer Leserbriefrubrik »imo«, »imho«, »afaik« und gar »imao« die Anachronismen – wo nicht dinosaurierartigen Ungetüme! – »meines Erachtens« und »meines Wissens« verdrängen können. Und hoffentlich muss der Verein Deutsche Sprache das auch noch erleben! Den dorthinnigen Ein- bzw. Siegeszug von »tbh« fände ich auch schön tbh

Kastengeneral

Der Bürgermeister meiner Herkunftsgemeinde konnte in seinen wilden Jahren angeblich an einem Abend einen ganzen Kasten Bier alleine austrinken. Wer das schaffte, war in seinen Kreisen ein sogenannter »Kastengeneral«. Der Saufkumpan dieses Gemeindeoberhaupts, der diese Geschichte bei jeder Saufgelegenheit allen in die Ohren stopfte, jubilierte nach dieser Info stets: »Do hamma sogoa Ausweis‘ ghabt!« (»Da hatten wir sogar Ausweise!«) Die sie sich selbst ausstellten bzw. bastelten.

Ganz hübsch fände ich es, wenn im Gemeindeanzeiger über dem Bürgermeister-Editorial nicht nur stünde: »X Y, Erster Bürgermeister«, sondern auch: »Kastengeneral a. D.«

Eis

Klimakatastrophe, Schmimakatastrophe … Bis vor 20 Jahren haben wir uns um den Jahreswechsel auf dem Eisweiher beim Eishockey spielen halb umgebracht. Dann kamen am Nachmittag die Bauern und scheuchten uns fort, um sich beim Eisstockschießen halbtot zu saufen und ihre Latschschneisen in die Eisdecke zu schlurpfen. Aber es hatte ja wohl 16 °C. Das können die jungen Frechwürschtel von Fridays for Future gar nicht mehr wissen.

Großstadtfeuerwerk

Da bin ich aus ursprünglich der niederbayerischen Provinz in die Nobelstadt Hannover gezogen, aber das Feuerwerk, das hier beim Herbstrummel am Schützenplatz jeden Freitagabend gegen 22 Uhr abgefackelt wird, ist das Hintlerwäldlerischste, das ich je gehört hab (sie schießen nicht hoch genug, als dass ich es vom 2. Stock aus sehen könnte). »Hauptsach vui!«, scheint man sich zu denken und lässt drittelstundenlang eine stahlorgelnde Artillerie im Maschinengewehrstakkato rattern, wie sie sonst nur als Großmännischkeit camouflierte bajuwarische Minderwertigkeitskomplexe hervorzubringen imstande sind.

Bayerische »Sommer«ferien

In Bayern finden die Sommerferien stets von Ende Juli bis Mitte September statt. Den schönsten Teil des Sommers hocken die Schüler*innen noch in der Schule, es ist schon Notenschluss gewesen, es werden nur noch Filme gekuckt, demütigende Sport»feste« abgehalten, niemand scheißt sich mehr was und nach vier Stunden ist hitzefrei; vorher schwitzen alle die Schule voll, dass die Wände feucht werden.

Warum das so ist? Damit die Schüler*innen im Agrar- und Bauernfreistaat Bayern im August bei der Ernte helfen können. »Aber für die Ernte schickt der Landwirt seine Fahrzeuge und Maschinen doch mittlerweile vom Bett aus per iPad auf die Felder, da brauchen doch keine Kinder mehr einen Pflug zu ziehen oder sich mit Dreschflegeln zu verprügeln!«

Als ein Großteil der Kultusminister, in deren Bundesländern die Sommerferien in gegenseitiger Abstimmung jedes Jahr wann anders stattfinden, letztes Jahr darauf drängten, Bayern solle sich an diesem flexiblen Sommerferienterminsystem beteiligen, beschied sie der bayerische Landesvater Markus Söder mit ca. den fränkelnden Worten: »Des ham wir scho immer so gmocht. Des basst scho und des bleibt etzadla auch so.«

Merwürdig, dass aus so vielen Schüler*innen irgendwann doch CSU-Wähler*innen werden. Naja, dann weiterhin viel Spaß im Freibad bei wechselhaften 19 °C und ab Ende August gar nicht mehr.