Eine Sozialkundelehrerin wollte einmal «in der Regel» sagen. Was hingegen höchstens approximativ aus ihrem Munde schwappte, war ein amorphes «inner Rejel», wobei das «Rejel» kaum zu verschriftlichen ist, vielleicht noch als «Rey’l» lässt sich’s vermuten, allerdings mit «deutschem» statt «englischem» r; jedenfalls walkte ab «inner» ihr Unterkiefer derart bedrohlich wogenhaft von links nach rechts und zurück (oder umgekehrt; es liegt halt schon Jahre zurück), dass es mich ängstige, er würde aus den Angeln klinken und entweder meschant von einer Wange hängen oder gleich zu Boden eiern. Nichts dergleichen geschah. Wahrscheinlich hatte ’s vorher wieder Schnapps gegeben im Collegium.
Erlebnisbericht
Die gute Geschichte
15.11.2018: Um hier nicht immer nur Topwitze, ausgedacht klingende, aber dennoch von vorne bis hinten stimmende Informativtexte komischer Provenienz und Beschwerposts über die niederziehende Schlechtigkeit der Welt zu posten, auch mal was Gutes einfach:
Heute habe ich die Waschmaschine der WG repariert. Und zwar repariert im Sinne von «vorher drehte sich die Trommel überhaupt nicht mehr und jetzt rotiert sie wieder normal und es kann gewaschen werden, bis die Welt schäumend untergeht».
Als die Trommel der Maschine letztens stillstand, obwohl die Wäsche noch klatschnass war und es aus der geöffneten Türe dampfte, weil 95 °C «gefahren» wurden, stellte ich mich vor die Mibis, erhob den Zeigefinger und sagte mords auskennerisch: «Na, wenn sie sich gar nicht mehr dreht, ist das entweder der Antriebsriemen vom Motor zur Trommel oder die Kohlebürsten vom Elektromotor sind kaputt!»
Die freundliche Frau vom Waschmaschinenreparaturservice beauskunftete mich, dass es, wenn es tatsächlich die Kohlebürsten seien, würde es wohl um die 140 € kosten. «Jössas, dann schmeißen wir das alte Trumm weg und kaufen uns eine neue, weil das rentiert sich ja überhaupt nicht mehr!», sangen wir uno voce. Und schauten dann schonmal rein ins Internet nach Alternativgeräten.
Bis, ja bis wir vom freundlichen Mann der «Elektrostube» den Tipp bekamen, die Maschine einfach mal auf die Seite zu legen und nach den Kohlebürsten zu schauen, denn die könne man selbst auswechseln. Gesagt, Maschine umgelegt, kaputte Bürsten ausgebaut, dem «Elektrostube»-Dude vorbeigebracht, Falschbestellung, Defektbestellung, Lieferverzögerung und den erlösenden Abholbescheid abgewartet, und die Teile dann vorhin eingebaut.
Statt zu explodieren oder ein Wurmloch zu erzeugen, läuft die Waschi nun wieder «rund». Alle sind froh und keine Klamotte stinkt mehr. In der Umwelt steht nun keine kaputte Waschmaschine mehr herum. Und für die Kohlebürsten bezahlten wir nur einen Bruchteil der Kosten des Reparaturservices.
Danke für den Tipp, «Elektrostuben»-Mann! Dein Laden heißt in meinem Gehirn übrigens ElektrosTube.
Happy Birthday, Jesus!
Mit der Ecclesia Neumarkt gingen neulich die religiösen Gefühle durch und benedeiend wünschte sie dem Gesalbten in euphorischer Entrückung: «Happy Birthday Jesus».
Ja bummsnocheins!, da wollte ich freilich auch nicht anstehen und frohlockte engelsgleich: «Wie schön, dass Du geboren bist, wir hätten Dich sonst sehr vermisst!»
Kacke
30.05.2018 – Heute hat mir ein Vogel auf die Hemdknopfleiste gekackt. (Keine Pointe.)
(Zusatzinformation und warum ich das überhaupt poste: Es war Brustkorbhöhe und damit gefährlich mundnah. Und ich mein’, wenn dir mal ein Vogel in’ Mund kackt, dann kannst du zusammenpacken.)
Liegefahrrad
13.09.2018 – Der Rationalist in mir sagt, es gebe freilich auch Liegeradlerinnen, da spräche nix dagegen. Der Empirist in mir hingegen sagt: «Nee, Kumpel, zu so einer ästhetischen Idiotie ließen sich bislang nur Menners herab. Da induzier’ ich bombensicher, dass es nur Liegeradler gibt.» Der Empirist wurde gerade widerlegt: Eben sah ich eine Frau auf einem Liegerad 😥
Ach ach!
Zusatzinfo: Der englische Ausdruck für Liegefahrrad, recumbent bike, geht etymologisch zurück auf cucumber – und das aus gutem Grund, liegt man doch durchaus gurkenhaft auf so einem Gefährt.
Unterhose
17.09.2018 – Heute fiel mir, als ich gerade meine Wäsche auf die Leine am Balkon hängte, eine Unterhose hinunter. Sie kam aber nicht weit und blieb in der Wäschleine des Balkons eins drunter hängen. «Oh Mist!», dachte ich, «aber naja, sag’ ich Frau S. halt Bescheid oder leg’ ihr ’nen Zettel hin.» Was ich ein paar Augenblicke später sofort wieder vergaß und daher denn auch nicht tat. Wenig später verließ ich die Wohnung, um zum Lektürekreis zu fahren – und sah, dass die Nachbarin die Unterbuchse zwischenzeitlich schon entdeckt und per Wäscheklammer ans Treppenhausgeländer gehängt hatte. Was mir zunächst peinlich war, denn das ist nun wirklich nicht der Ort, wo ich meine Unterwäsche ausgestellt sehen möchte. Dann winkte ich aber innerlich ab und dachte: «Pff…, da geh’ ich jetzt nicht extra nochmal hoch deswegen; die nehm’ ich hernach mit, wenn ich wieder heimkomme. Weiß ja kein Mensch, dass das meine Unterhose ist!» Und so kam es dann auch.
Findige Leser_innen mögen jetzt denken: «Ha!, um dem Andreas seine Unterwäsche sehen zu können, muss ich ihn nicht extra verführen oder bei ihm einbrechen, um in seine Schränke zu luren, oder ihm auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor allen Leuten um 12 Uhr mittags die Hose herunterziehen! Nein, da geh’ ich einfach in den Hinterhof seines Hauses, und zwar just dann, wenn er mal wieder seine Wäsche raushängt. Und dann schaue ich sie mir an!» Diesen Leser_innen kann ich nur sagen: gewiss, gewiss, aber das ist von allen genannten Unterhosensehoptionen die allerallerlangweiligste. Überrascht mich!
Die Handausgehobenen
Die FuZo-draußen-only-Filiale vom «Wiener Feinbäcker Heberer» in Nürnberg, bei der man trotz Citytrubel angenehm sitzen kann, legt auf dem Tresen einen Flyer für eine Rabattaktion aus: «Das 11. Brot gratis unserer handausgehobenen Brote geht weiter!» Ich glaube zu wissen, was sie meinen, kapiere jedoch einfach nicht, was sie schreiben. Wo geht’s denn hin, das 11. Brot? Und so drunter und drüber, wie die Worte hier im Satz herumstehen, geht’s hoffentlich in den Broten nicht zu.
Schlägt man den Flyer auf, geht’s ähnlich bizarr weiter: «Geben Sie … Original Kassen-Coupons über 10 Broteinkäufe unserer ‹handausgehobenen›* ab und Sie bekommen ein Brot Ihrer Wahl _gratis!_
*Erkennungszeichen ‹aufgebrachte Metallbrotmarke›.» Ein Schelm, wer sich darunter eine hysterisch gestikulierende Metallmarke vorstellt!
Alles in allem wirkt dieser Flyer fast schon mystisch: Brote, markiert mit Erkennungszeichen, Sätze, gewürzt mit Anführungszeichen, die zu ironisierenden Bunny-ear-Fingern verleiten – ja, war denn der Feinbäcker früher Geheimagent?!
Sendungsverfolgung
06.05.2018 – Kürzlich schickte ich einem Freund per DHL ein Paket. «Ha», dachte ich, «so schnell wie die mittlerweile sind, kommt’s bestimmt, obwohl morgen Feiertag ist, am Mittwoch schon an.» Nicht, dass es irgendwie pressiert hätte; im Paket befanden sich nur Leihgaben, die ich endlich mal zurückgeben wollte.
Höchst erstaunlich, dass das Paket tatsächlich erst am Freitag ankam. Weil’s mich wunderte, was da los gewesen war, tat ich gerade eben etwas, was ich noch nie zuvor getan hatte: Ich warf einen Blick auf die Sendungsverfolgung auf der DHL-Homepage. Was ich dort sah, belustigt mich einesteils und befremdet mich andernteils.
Was mich belustigt, sind folgende Vermerke:
«Mi, 02.05.18 04:16 […], Deutschland: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
Mi, 02.05.18 09:05 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Do, 03.05.18 08:34 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Fr, 04.05.18 08:56 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Fr, 04.05.18 15:34: Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.»
Dreimal falsch vorsortieren und erneut bearbeiten müssen, das halte ich für eine Leistung, und die belustigt mich. (Das Paket hatte, wie gesagt, überhaupt keine Dringlichkeit.)
Was mich befremdet: Die Sendungsverfolgung informiert mich nicht nur über die erfolgreiche Zustellung, sondern: Minutiös listet sie auf, wann die Sendung am Freitag nicht zugestellt werden konnte, wann (nämlich 16 Minuten später) sie in welcher (!) DHL-Filiale zur Abholung abgegeben wurde, und wann sie am Samstag von dort abgeholt wurde. Per Google Maps kann ich sehen, dass der Freund, der Arme, 450 m weit laufen musste, wofür er einfach, wenn er ein normaler Geher ist, 6 Minuten braucht; wenn er nicht den Bus genommen hat, der alle 20 Minuten fährt und nur 4 Minuten braucht. Was ich sogar hoffe, dass er es tat, schließlich hatte ich ihm einen Brocken von 3,7 kg geschickt (was er aber leider nicht wissen konnte, schließlich hatte ich die Paketsendung in keiner Weise angekündigt).
«Und was befremdet dich nun daran?», mag jemand fragen. Na, dass die allermeisten Informationen davon mich eigentlich überhaupt nichts angehen. Der Paketzustellerin, die von Kundin zu Kundin zu Filiale etc. hetzt und noch bei den fußgesundesten Leuten bei der Zustellung bis in den fünften Stock hochbouldern muss («Ich komm’ Ihnen entgegen!», wäre die Zauberformel für die Gegensprechanlage, mit der eins der Zustellerin eine möglichst schnelle und am wenigsten anstrengende Zustellung ermöglichen könnte), dieser Zustellerin also soll doch nicht das nudelholzartig walkende Gefühl im Nacken liegen, dass ich Kundenkönig jederzeit und überall sehen kann, ob und wie schnell sie arbeitet – und wenn mir irgendwas nicht passt, sofort bei ihrer Arbeitgeberin anrufen kann, um mich zu beschweren, was das soll. Und der Freund, der weiß – spätestens, wenn er das hier liest –, dass ich wissen kann, wann er das Paket abgeholt hat (war er wohl tags zuvor saufi-saufi, angesichts der angezeigten Uhrzeit?). Nur: Was geht’s mich an?
«Aber das ist doch saugut, wenn man über solche Sachen Bescheid wissen kann, dann hat man nicht diese Ungewissheit darüber, wann Verschicktes wo ist!»
Ja, wenn du meinst; aber was weißt du dann?
Dialektik zum Muttertag
13.05.2018 – Jedes Jahr dasselbe am Muttertag: ich klage erst mal an. Frage Mutter, warum sie mich in diese Welt gebar. Wo sie sie doch schon ausreichend kennengelernt hatte. Wie sie darauf kam, jemand andrem könnte die Welt sich besser darstellen. (Und selbst wenn es mir eine bessere Welt geworden wäre: «Ich will eigentlich in überhaupt keiner Welt leben.» (Leo Fischer))
Auf Unverständnis gestoßen – wie stets –, füge ich das wohl Schönste, was ein Mensch seiner Mutter sagen kann, an: Dass ich dankbar bin, dass immerhin sie mich gebar und ich es ja weit schlimmer hätte treffen können. Rumreißen kann ich die Stimmung damit jedoch wieder nicht.
Und so sind wir beide stumm traurig. Sie, weil der Sohn schon wieder nichts unbekrittelt lassen kann. Ich, weil Mutter die unauflöslichen Widersprüche nicht anerkennt und es nicht aushielte, sich mit der, weil mehr nicht möglich ist, Synthese zufrieden zu geben und sie für Versöhnung zu nehmen.
Funklöcher
Wär ich DJ in einem Rap-Club (?) und legte Funk Music (?!) auf, ich würd’ zwischendurch mal mitten im Lied pausieren und nach kurzer Pause durchsagen: «Sorry, Funkloch! *lelz*»
Lang wär ich sicherlich nicht angestellt, aber dieser PrankLOLgag wär’s mir wert.
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Kontextualisierung: Bevor jetzt wieder alle sagen «ANDI
🙄
🙄
🙄»: Dieser Post prangert auf humorige Weise Missstände an! Denn er entstand im Funkloch auf der Eisenbahnstrecke Nürnberg–Erlangen. Welche immerhin mitten in der «Europäischen Metropolregion Nürnberg» gelegen ist (was sich ja als ziemlich aufschneiderische Witzbezeichnung herausstellt. Von
🇪🇺 erwarte ich schon mehr als Funklöcher! #2018)
