Die Handausgehobenen

Die FuZo-draußen-only-Filiale vom «Wiener Feinbäcker Heberer» in Nürnberg, bei der man trotz Citytrubel angenehm sitzen kann, legt auf dem Tresen einen Flyer für eine Rabattaktion aus: «Das 11. Brot gratis unserer handausgehobenen Brote geht weiter!» Ich glaube zu wissen, was sie meinen, kapiere jedoch einfach nicht, was sie schreiben. Wo geht’s denn hin, das 11. Brot? Und so drunter und drüber, wie die Worte hier im Satz herumstehen, geht’s hoffentlich in den Broten nicht zu.

Schlägt man den Flyer auf, geht’s ähnlich bizarr weiter: «Geben Sie … Original Kassen-Coupons über 10 Broteinkäufe unserer ‹handausgehobenen›* ab und Sie bekommen ein Brot Ihrer Wahl _gratis!_
*Erkennungszeichen ‹aufgebrachte Metallbrotmarke›.» Ein Schelm, wer sich darunter eine hysterisch gestikulierende Metallmarke vorstellt!

Alles in allem wirkt dieser Flyer fast schon mystisch: Brote, markiert mit Erkennungszeichen, Sätze, gewürzt mit Anführungszeichen, die zu ironisierenden Bunny-ear-Fingern verleiten – ja, war denn der Feinbäcker früher Geheimagent?!

Sendungsverfolgung

06.05.2018 – Kürzlich schickte ich einem Freund per DHL ein Paket. «Ha», dachte ich, «so schnell wie die mittlerweile sind, kommt’s bestimmt, obwohl morgen Feiertag ist, am Mittwoch schon an.» Nicht, dass es irgendwie pressiert hätte; im Paket befanden sich nur Leihgaben, die ich endlich mal zurückgeben wollte.
Höchst erstaunlich, dass das Paket tatsächlich erst am Freitag ankam. Weil’s mich wunderte, was da los gewesen war, tat ich gerade eben etwas, was ich noch nie zuvor getan hatte: Ich warf einen Blick auf die Sendungsverfolgung auf der DHL-Homepage. Was ich dort sah, belustigt mich einesteils und befremdet mich andernteils.

Was mich belustigt, sind folgende Vermerke:
«Mi, 02.05.18 04:16 […], Deutschland: Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.
Mi, 02.05.18 09:05 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Do, 03.05.18 08:34 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Fr, 04.05.18 08:56 Deutschland: Die Sendung wurde falsch vorsortiert und wird nun erneut bearbeitet.
Fr, 04.05.18 15:34: Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.»

Dreimal falsch vorsortieren und erneut bearbeiten müssen, das halte ich für eine Leistung, und die belustigt mich. (Das Paket hatte, wie gesagt, überhaupt keine Dringlichkeit.)

Was mich befremdet: Die Sendungsverfolgung informiert mich nicht nur über die erfolgreiche Zustellung, sondern: Minutiös listet sie auf, wann die Sendung am Freitag nicht zugestellt werden konnte, wann (nämlich 16 Minuten später) sie in welcher (!) DHL-Filiale zur Abholung abgegeben wurde, und wann sie am Samstag von dort abgeholt wurde. Per Google Maps kann ich sehen, dass der Freund, der Arme, 450 m weit laufen musste, wofür er einfach, wenn er ein normaler Geher ist, 6 Minuten braucht; wenn er nicht den Bus genommen hat, der alle 20 Minuten fährt und nur 4 Minuten braucht. Was ich sogar hoffe, dass er es tat, schließlich hatte ich ihm einen Brocken von 3,7 kg geschickt (was er aber leider nicht wissen konnte, schließlich hatte ich die Paketsendung in keiner Weise angekündigt).

«Und was befremdet dich nun daran?», mag jemand fragen. Na, dass die allermeisten Informationen davon mich eigentlich überhaupt nichts angehen. Der Paketzustellerin, die von Kundin zu Kundin zu Filiale etc. hetzt und noch bei den fußgesundesten Leuten bei der Zustellung bis in den fünften Stock hochbouldern muss («Ich komm’ Ihnen entgegen!», wäre die Zauberformel für die Gegensprechanlage, mit der eins der Zustellerin eine möglichst schnelle und am wenigsten anstrengende Zustellung ermöglichen könnte), dieser Zustellerin also soll doch nicht das nudelholzartig walkende Gefühl im Nacken liegen, dass ich Kundenkönig jederzeit und überall sehen kann, ob und wie schnell sie arbeitet – und wenn mir irgendwas nicht passt, sofort bei ihrer Arbeitgeberin anrufen kann, um mich zu beschweren, was das soll. Und der Freund, der weiß – spätestens, wenn er das hier liest –, dass ich wissen kann, wann er das Paket abgeholt hat (war er wohl tags zuvor saufi-saufi, angesichts der angezeigten Uhrzeit?). Nur: Was geht’s mich an?

«Aber das ist doch saugut, wenn man über solche Sachen Bescheid wissen kann, dann hat man nicht diese Ungewissheit darüber, wann Verschicktes wo ist!»
Ja, wenn du meinst; aber was weißt du dann?

Dialektik zum Muttertag

13.05.2018 – Jedes Jahr dasselbe am Muttertag: ich klage erst mal an. Frage Mutter, warum sie mich in diese Welt gebar. Wo sie sie doch schon ausreichend kennengelernt hatte. Wie sie darauf kam, jemand andrem könnte die Welt sich besser darstellen. (Und selbst wenn es mir eine bessere Welt geworden wäre: «Ich will eigentlich in überhaupt keiner Welt leben.» (Leo Fischer))
Auf Unverständnis gestoßen – wie stets –, füge ich das wohl Schönste, was ein Mensch seiner Mutter sagen kann, an: Dass ich dankbar bin, dass immerhin sie mich gebar und ich es ja weit schlimmer hätte treffen können. Rumreißen kann ich die Stimmung damit jedoch wieder nicht.
Und so sind wir beide stumm traurig. Sie, weil der Sohn schon wieder nichts unbekrittelt lassen kann. Ich, weil Mutter die unauflöslichen Widersprüche nicht anerkennt und es nicht aushielte, sich mit der, weil mehr nicht möglich ist, Synthese zufrieden zu geben und sie für Versöhnung zu nehmen.

Funklöcher

Wär ich DJ in einem Rap-Club (?) und legte Funk Music (?!) auf, ich würd’ zwischendurch mal mitten im Lied pausieren und nach kurzer Pause durchsagen: «Sorry, Funkloch! *lelz*»
Lang wär ich sicherlich nicht angestellt, aber dieser PrankLOLgag wär’s mir wert.

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Kontextualisierung: Bevor jetzt wieder alle sagen «ANDI 🙄🙄🙄»: Dieser Post prangert auf humorige Weise Missstände an! Denn er entstand im Funkloch auf der Eisenbahnstrecke Nürnberg–Erlangen. Welche immerhin mitten in der «Europäischen Metropolregion Nürnberg» gelegen ist (was sich ja als ziemlich aufschneiderische Witzbezeichnung herausstellt. Von 🇪🇺 erwarte ich schon mehr als Funklöcher! #2018)

Eisenbahngschichtn (2)

Auf der Eisenbahnstrecke Neumarkt-Regensburg hält die Regionalbahn Agilis u.a. in Seubersdorf in der Oberpfalz. Die Gemeinde Seubersdorf ist ca. 5000 Einwohner stark. Das Stärkste an Seubersdorf ist ein Graffito am Bahnhofsgebäude: «Rap is back!» Das ist sehr schön, ohne Rap war es bestimmt recht fad in Seubersdorf. Es fragt sich allerdings: Warum war der Rap weg aus Seubersdorf? Und wenn er Seubersdorf schonmal verlassen hatte, warum kam er wieder zurück?
Seubersdorf!, behandle Deinen Rap in Zukunft gefälligst gut, damit er Dir nicht wieder abhaut!

Eisenbahngschichtn (1)

Auf der Eisenbahnstrecke Neumarkt-Regensburg hält die Regionalbahn Agilis u.a. in Batzhausen. Die Stimme aus dem Lautsprecher vermeldet kurz vor dem Halt freundlich: «Nächster Halt: BATZhausen». Ich muss dann immer an den ehemaligen Fußballtorwart Sepp Maier denken, weil der hatte mal einen Hund, der Batzenhofer hieß. Und wer nennt seinen Hund schon Batzenhofer.

Übrigens: Batzenhofer, benannt nach einer Berliner Gastwirtschaft namens «Zum Batzenhofer» und 2007 bester Hund Bayerns, musste leider im November 2012 eingeschläfert werden. Wenn Sepp Maier einmal gestorben sein wird (ad multos annos, Sepp!), wird man Kindern auf die Frage, wo Sepp Maier jetzt sei, antworten können: «Zum Batzenhofer.»

8

Als Kind brauchte jeder neben einer Lieblingsfarbe eine Lieblingszahl. Letztere war bei mir die 8. Beim Fußball (E-Jugend) wollte ich die unbedingt als Rückennummer haben. Ein anderer wollte sie auch, so dass der Trainer durch Hölzchenziehen entscheiden ließ. Ich weiß nicht mehr, ob das längere oder kürzere hätte gewinnen sollen; ich zog jedenfalls das falsche. Weil aber ein Freund für Verwirrung sorgte, welches denn nun das Gewinnerhölzchen sei, ergab es sich, dass ich die 8 schließlich doch tragen durfte. Obwohl ich klar das verkehrte gezogen hatte. Mitleid mit dem anderen Buben empfand ich keines.
Oft war ich froh darüber, Auswechselspieler zu sein, denn dann konnte man mit den anderen ‹Ergänzungsspielern› Unfug anstellen, z.B. mit dem Eisspray Sachen einfrieren oder die Pausengetränke in der Gegend herumschütten. Hauptsache, die 8 aufm Rücken.

Runtastic

12.06.2018: Heute frühmorgendliche Laufrunde: 5.09 Uhr Sonnenaufgang, 5.15 Uhr aus dem Haus, dann 6 km unter diesigen Wolken – motiviert wie Heinz Strunk! Dabei begegneten mir:
1 Hase
1 Spatz
1 Fußgänger
1 Pfandflaschensammler
2 Nordic Walker (beides ältere glatzköpfige Herren)
5 Jogger_innen (1 davon 2mal, an sportblauer Funktionsjacke wiedererkannt)
8 Fahrradfahrer (alle m)

Ausgestattet war ich mit T-Shirt (schwarz, Puma, geschenkt, aber vermutl. 19 €), kurzer Sporthose (schwarz, Adidas, wahrscheinlich 25 €), Laufschuhen (weiß mit dezenten blauen Akzenten, Adidas, um die 110 €, vor ca. 14 Jahren im Adidas-Outlet Herzogenaurach erworben), Sneakersocken (schwarz, No-Name, Größe 43–46, Preis unbekannt, aber gewiss niedrig) und 2 Papiertaschentüchern (in eins wickle ich die beiden Schlüssel ein, damit sie nicht so scheppern, das zweite, falls ich unterwegs schnäuzen müsste, was ich aber nie muss; Marke: Floralys (LIDL), Preis könnte leicht ausgerechnet werden (z.B. Ökonomie-Erstsemester), aber ich weiß gerade den Gesamtpackungspreis nicht).

Mein Geheimrezept für so frühes Joggen: Nach dem Aufstehen 2 Gläser Wasser (Leitungswasser, aktivkohlegefiltert, keine Kohlensäure) und 1 Banane (Supermarkt normal; bio kann, muss aber nicht).

Danach kalte Dusche wie Max Goldt, Wasser dabei angenehm kalt, nicht so unverschämt lauwarm trotz kältester Mischhebeleinstellung wie sonst oft. Liegt’s am Morgen?

Schließlich Beerenfrühstück (wie Heinz Strunk!), allerdings anders als bei Heinz Strunk mit Haferflocken (~guter~ Säurebildner!) und Quark (nach wie vor 3,8% Fett, trotz beginnender Alterswampe/-hüfte). Danach dynamisch und agil in den Tag. Ich zeige das aber nicht und unterdrücke die Ausstrahlung bewusst, weil solchen ostentativen Morgensportabsolventen will man ja immer eine reinhauen, auch und vor allem ich.
Jetzt am Abend allerdings setzt der Muskelkater ein; ob das Treppensteigen morgen noch schlimmer wird?

Update 22.11.2018: Seit einiger Zeit Magerquark.