Fahre ich in meine Herkunftsgegend in Niederbayern, bin ich gezwungen, es per Pkw zu tun. Die Verwandten wohnen in verschiedenen Dörfern und völlig abseits der einzigen Regionalbahnstrecke. ÖPNV-Katastrophe ländlicher Raum, wie üblich im Land der Heiligen Automobilindustrie Deutscher Nation.
Die Hiesigen habe ich in Erinnerung als eher zügige Autofahrer*innen bzw. als gewohnheitsmäßig mit überhöhter Geschwindigkeit fahrende Bauernfünfer. Mit 65–70 km/h durch Ortschaften, mit 110 km/h durch 70er-Zonen und mit Zehntausend über die Autobahn. Aber immer, wenn ich hier rumfahre: Die SCHLEICHEN alle über die Straßen, das kann sich niemand vorstellen! Mit 42 km/h durch die 50er-Zone innerorts und mit 78 km/h über die 100er-Landstraße. Man verstehe mich nicht falsch: Wenn’s nach mir ginge, gälte innerorts überall 30 km/h, auf Landstraßen 80 und auf Autobahnen 120 (um die FDP noch mehr zur Weißglut zu treiben, nicht 130, hehe). Aber diese permanente overachievende Geschwindigkeitsunterschreitung, die macht mich kirre.
Na, kuck: Da schreibe ich neulich ca., die Netflixserie 1899 sei zwar quälend zerdehnt zu lang geraten, hätte mich aber auf dem letzten Meter mit einem Plottwist doch noch an den Haken zum Reinschauen in eine kommende und von den Showrunnern bereits angedeutete zweite Staffel gekriegt. Da meldet Der Spiegel gestern, die Serie werde nicht fortgesetzt. Er munkelt, es läge an zu geringen Abrufzahlen. Mich würde es nicht wundern. Begeisterte Empfehlungen wie bei Dark dürfte es nicht gerade gehagelt haben. Was die Showrunner Jantje Friese und Baran bo Odar wohl als nächstes vorlegen?
»Alarmiert durch die Berichterstattung über Biometrie-Geräte in den Händen der Taliban begannen Matthias Marx, snoopy, starbug, md und weitere CCC-Mitglieder, sich Informationen über diese Geräte zu beschaffen. Dabei stießen sie auf mehrere Angebote bei einem Online-Auktionshaus.« Wenn sich dein Sicherheitsleck-Bericht liest wie ein Krimi-Hörspiel für Kinder: CCC erbeutet¹ Biometrie-Datenbank des US-Militärs.
Eine Hausbewohnerin, deren Handynummer ich eingespeichert habe, hat in ihrer WhatsApp-Story einen Link geteilt. Logisch, dass ich da draufklicke. Führen tut er zur Webseite einer Kartenlegerin. Dass jene Bewohnerin etwas esoterisch angehaucht ist, wusste ich, aber das überrascht mich dennoch. Freilich lese ich mir den Internetauftritt durch. Er enthält nichts, was mich als Gaudibesucher der Messe »Spiritualität und Heilen 2019« befremden könnte. Dort waren u. a. ein »Feinstoffchirurg« zu Werke, der live eine Frau von ihrem ewigwährenden Kopfschmerz »heilte« – ausschließlich mit feinstofflichen Mitteln, und ein Typ mit »schützenden« Pappschachteln gegen allerhand schädliche Strahlung wie 5G. Doch will ich da jetzt gar nicht nachtaroten nachtarocken, gleichwohl da auch gefährlicher Unsinn verbreitet wird.
Über ein Detail muss ich schmunzeln: Die Übersicht über die Esoterikkartensammlung der Wahrsagerin. Denn sie enthält neben allerhand einschlägigen Decks auch: »Tarock bayerische Schafkopf-Karten von F.X.«, und damit das stinknormale Kartenset, mit dem in bayerischen Wirtshäusern schafgekopft, gewattet und Neunerln gespielt wird.
Wie es so oft ist, ist das nicht ganz so abwegig und albern, wie’s auf den ersten Blick scheint. Denn, und das wusste ich nicht: »Die Tarotkarten gehören zur Familie der Tarock-Spielkarten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts ist ihre Entwicklung identisch. Danach erhielten Tarot-Kartensätze zunehmend symbolische Inhalte, da sie seitdem explizit als Deutungswerkzeuge verwendet werden. In mehreren Sprachen (u. a. Französisch, Englisch, Spanisch) wird das Wort Tarot sowohl für die Wahrsage- wie auch für die Tarockspielkarten benutzt.« (Wikipedia)
Weil allerdings auch »Skat Wahrsagekarten« zum Werkzeugsortiment der Wahrsagerin gehören: Warum nicht auch gleich UNO, Skip-Bo, Phase 10, das Glücksrad von Spiel des Lebens und der Flugzeugrotator von Looping Louie?
Letzte Stunde Kunstunterricht am Tag vor den Ferien. Einige Schüler*innen haben an dem Tag nur diese Unterrichtseinheit auf dem Stundenplan. Die Lehrkraft malt sich aus, dass von den 20 eingeschriebenen keine 5 Leute aufkreuzen werden – Oberstufe eben. Also setzt sie sich, es sind noch zwei Stunden bis zum Beginn der Stunde, ans Onlineportal der Schule und schreibt an alle Kursteilnehmer*innen: »Liebe SuS, falls Sie heute noch etwas vorhaben: Vergessen Sie nicht, dass wir heute eine praktische Einheit zur Malerei unter LSD-Einfluss machen. Und kommen Sie bitte keinesfalls mit dem Auto oder Rad. Bis nachher!« »Und wo sind jetzt die Pieces, die wir einwerfen können?!«, klagjohlt eine Minute dreißig nach Stundenbeginn ein auf dem Schoß eines der anderen 32 Anwesenden sitzender Schüler. »Pieces … einwerfen …?«, pariert die Lehrkraft sichtlich irritiert. »Hä Sie ham doch gmajlt mir nemma heid LSD und mol’n dann a Buidl! Hom Sie uns ebba o’gschissn, zefix?!«, belfern die zuagroast’n aus Zwiesel zugezogenen Zwillinge Severin und Genoveva durcheinander. »Nein, warum?«, wehrt die Lehrkraft ab, »und achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl, Herr und Frau Aiwanger.« »Aber hier steht’s doch:«, hält ihm die halbe Klasse das Smartphone mit geöffneter E-Mail* entgegen: »Vergessen Sie nicht, dass wir heute eine praktische Einheit zur Malerei unter LSD-Einfluss machen«, zitieren ihn triumphesforsch 18 Kehlen unisono. »Ach, hab ich LSD geschrieben?«, lacht die Lehrkraft, die sich gespielt auf die Stirn klatscht, mit so einer ultranervigen Gespieltheit, die kecke Lehrkräfte zeigen, wenn sie die SuS mit irgendwas ›drangekriegt‹ haben. Aus dem Materialraum wiederkehrt die Lehrkraft, mit zwei riesigen Lichtpanels unter den Armen: »Ich meinte natürlich LED-Einfluss, weil solche LED-Lampen doch so anstrengendes Licht machen«, grinst sie, was die SuS nur mit dem Clownsemoji wiedergeben würden, den Rest lassen sie die KI erledigen. Eines Tages war Josef K. verleumdet worden.
* Bei einem Schüler ist’s versehentlich eine Pornoseite, sogar eine mit justiziablen Inhalten.