De profundis – das Facebbatical-Tagebuch (3)

02.07., Tag 5: Eine wie traurige Tätigkeit das Verfassen von web.de- oder gmx-Newslettern sein muss. Freut sich eine da zumindest, wenn sie jemandem zu billigerem Strom verhilft?

03.07., Tag 6: Den ganzen Tag von einer Frage umgetrieben: Ob jemand bemerkt, dass es sich beim Titel der Wortspielrubrik meines Blogs «Salon du Fromage», dem «Briegarten», selbst um ein Wortspiel handelt? Oder springt das allen sofort ins Auge? Oder was dazwischen oder so ähnlich? Schwer zu sagen. Abends Schnaps.

04.07., Tag 7: Per U-Bahn-Infoscreen informieren mich die T-Online News, die Polizei habe Videos zur Fahndung nach Ex-RAF-Mitgliedern veröffentlicht. Endlich also widmet man sich von professioneller Seite der Frage: «Wo ist die RAF, wenn man sie mal braucht?»

De profundis – das Facebbatical-Tagebuch (2)

01.07., Tag 4: Freund Josef Vitzthum legt gestern Abend in der Nürnberger Weinerei seine Lieblingshits aus Progressive Rock und Anverwandtem auf. «Der macht ja gar nix!», denke ich, als ich ankomme, die Musik munter läuft, Josef aber vorm Lokal steht, sich unterhält und raucht. Dabei hat der Hundling sich alles einfach vorher schon ausgedacht und zurechtgelegt, will sagen: den Laptop mit der fertigen Playlist eingestöpselt und dann Hände vom Lenkrad. Nur die Nebelmaschine, die muss er von Hand bedienen (und hat sich auch schon überlegt, wann er sie betätigt!). Wegen welcher ich mir beim Eintreten schon wie ins Ministrantische zurückgeworfen vorkomme, wiegt doch der Nebel das Lokal sakral in Weihrauchduft. Derart ins schon Soteriologische entrückt, hätte der scène Slayers «Disciple» gut auf die Register gepasst. (Man möge freilich einwenden: «He! Jetzt rückst du erst die Ministrant_innen ins Bild und jubelst uns dann heimlich mit den Disciples die Jünger unter! Das ist unlautere Textproduktion!» – «Na und? Erstens setze ich die Spatzenkinder der Motive auf die Äste meines Tagebuchstamms, wie ich will, und zweitens: Her mit einem vorspielbaren Lied über/namens ‹Acolytes›!»)

Die Playlist ist jedoch nicht am Sinai in Steintafeln gehauen worden, im Gegenteil: Flexibel und dynamisch reagiert Josef, der von sich selbst behauptet, mit zunehmendem Alter Flexibilität und Dynamik zu verlieren, praktisch seismographisch auf atmosphärische Änderungen («He! Seismographie und Atmosphäre geht gar nicht zusammen!»), die sich per Nebel in Wände und Boden übertragen («Was passt hier nicht?»), und hebt den Songscheibletten ggf. behend Unvorhergesehenes zwischen. Auf meinen während eines Lou Reed-Stücks plötzlich entstandenen und sogleich kundgetanen Bock hin, Faith No Mores «Motherfucker» hören zu wollen, lupft Josef die Tortenböden auseinander, um diese Sahneschicht noch einzustreichen. Vorbildlich! (Im Nachhinein weiß ich allerdings gar nicht mehr, ob er dem Bedürfnis entsprach, da ich nachfolgend einige Zigarettenlängen draußen stand. Aber was zählt, ist ja allein ein guter Wille!) Den Wunsch irgend eines Typen, den überhaupt kein Mensch kennt, hingegen pariert er mit elysisch-erhabenem, Quatsch: Arretiertheit vorspielendem: «Aah, die Playlist steht leider schon fest!» Vorbildlich!

Jetzt breche ich aber ab, gehe, es geht, Black Sabbath grüßen von der letzten Platte, auf 13 Uhr zu, in die Küche und frühstücke Disharmüsli und trinke Kakaophonie.

De profundis – das Facebbatical-Tagebuch (1)

Vom 28.06. bis 21.07. legte ich ein Facebbatical, d.h. eine FB- und Twitterpause, ein. Nicht faul allerdings, führte ich in dieser Zeit Tagebuch, welches ich in den kommenden Tagen peu à peu veröffentliche. (Notabene: Manches, was ich da zusammenschrieb, kapiere ich selber schon nicht mehr vollumfänglich.)

28.06., Tag 1:
Vormittags Besuch der Filiale des Nürnberger Bäckers, von der ich letztens den Toilettencode auf Facebook teilte. Heute frage ich gar nicht danach; erstens muss ich nicht, zweitens kann ich, Altruist der ich bin, ihn nicht in den sozialen Medien teilen.

29.06., Tag 2: Ein Mibi dreht Leuchtstoffröhren bzw. «Leuchtstäbe», wenn sie nicht mehr richtig zünden, erstmal in der Fassung um, «vielleicht gehen sie dann ja nochmal ein bisschen besser!» Solches Technikverständnis finde ich süß, nachgerade putzig, und ich komme mir als in solchen Fällen eisenhart-gnadenlosem Rausschraub-und-Wegschmeißer grob und unwirsch vor.

30.06., Tag 3: Der lokale Veranstaltungsanzeiger vermeldet: «14.00 Opernhaus: Sonderführung ‹Hitler im Opernhaus›, zur Ausstellung ‹Hitler.Macht.Oper› im Doku-Zentrum Reichsparteitagsgelände». Floris Biskamp hätte wohl seine Freude dran (keineswegs doch die, welche AfDlern und sonstigen Nazis enttäuscht wird, wenn’s nun eben nicht wieder ein Opernhüttl, unweit notabene neben dem Hotel Deutscher Hof, wo NSeinerzeit Soldaten von Hitlers «Führung» (Opernhaus) am balkonierenden Führer höchstselbst vorbeiparadierten, gibt) – ach, von vorn: Floris Biskamp hätte da und dort und hier seine Freude gehabt, im Opernhaus, im Doku-Zentrum, vor allem aber und inniglichst am Ausstellungstitel. Und wie ich ihm den drunterkommentiert hätte, heissa!, da wär’ wieder was losgewesen! Ich hingegenlichst bescheide mich mit hiesiger Niederschrift.

Vorübergehende Schließung

Liebe Leser_innen, mit einigem Bedauern schließe ich den Salon du Fromage zum 25.05. vorübergehend. Grund ist das Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU am 25.05.
Ich weiß so gut wie nichts über die DSGVO. Seit etwa einem Monat verfolge ich beiläufig, wie Leute in der professionellen WordPress-Welt, d.h. Betreiber_innen/Verwalter_innen von WordPressseiten für die Geschäftswelt, halb wahnsinnig werdend versuchen, den DSGVO-Richtlinien bis zum 25.05. gerecht zu werden. Was niemandem zu gelingen scheint. Es geht dabei wohl darum, für jegliches Einholen bzw. Verarbeiten von personenbezogenen Daten das Einverständnis der Webseiten-Nutzer_innen einzuholen. Und da personenbezogene Daten mitunter auf die abwegigsten und unvorhergesehensten Arten eingeholt werden können (irgendwelche Cookies, Plugins etc.), versuchen sich die Leute nun hermetisch dagegen abzudichten oder den Nutzer_innen so detailreiche Einverständniserklärungen wie möglich anzubieten.
Ich wüsste nicht, in welcher Form ich personenbezogene Daten einhole/verarbeite. WordPress nutze ich seit je über den Browser (obwohl das WordPress-Programm offenbar durch allerhand Sperenzchen-Plugins mehr Möglichkeiten böte; welche das sind: keine Ahnung). Die einzigen nutzerbezogenen Daten, die mir zugänglich sind: WordPress zeigt über ein Statistik-Tool an, dass jemand meinen Blog besucht hat, welche Beiträge sie/er sich anschaute und aus welchem Land der Zugriff erfolgte. Besuchen mehrere Leute an einem Tag den Blog, kann ich nicht mehr zuordnen, wer welchen Beitrag aus welchem Land aufrief. Abgesehen von der nackten Anzahl der Besucher_innen ist mir das alles auch wurscht (aufgrund der Rückmeldung, dass ich gelesen werde, betreibe ich den Blog überhaupt). Der Salon du Fromage ist für mich nur ein Medium, meine komischen Texte chronologisch festhalten und veröffentlichen zu können – um damit euch Leser_innen zu unterhalten; schließlich lebe ich, um zu unterhalten. Da ich jedoch weder Lust noch Zeit habe, mich einzulesen, wie ich den Salon du Fromage DSGVO-sicher abdichte, damit kein_e Abmahnanwält_in per Abmahnbescheid Recht über mich sprechen könnte (vgl. die Abmahnspezialist_innen, die das Internet nach impressumlosen Seiten durchsuchten, um Impressumlosen per Abmahnbescheid mit Klage zu drohen), schließe ich den Salon, bis ich ihn wieder ohne Aufwand und Aufhebens betreiben kann.

PS: Einzige Hürde vor der Schließung: Ich suche noch den Button, mit dem ich den Salon offline nehmen kann, so dass nicht einfach alles gelöscht wird und ich, wenn das DSGVO-Brimborium abgeklungen sein wird, unverändert wieder ans Netz gehen kann.

PPS: Wer auf meinen Käse nicht verzichten mag, kann gerne bei Facebook abonnieren oder reinfrienden.

MythBuster (2)

In Zahnseidebhältern befindet sich, entgegen der stadtlandflussläufigen Auffassung, keine Spule, auf der das Zahnnylon (!) aufgewickelt wäre. Sondern die Moiren, die drei Schicksalsgöttinnen Klotho, Lachesis und Atropos, sitzen drin! Klotho nun spinnt den Nylonfaden, Lachesis bemisst ihn und Atropos schneidet ihn auf Lachesis’ Befehl hin durch. Weil Lachesis recht launig ist, kann die Zahn“seide“ zu den merkwürdigsten, mitunter abwegigsten Zeiten plötzlich app sein (z.B. bereits 7 oder erst 3000 Tage nach Neukauf, oder wenn man vorm Schmusen dummerweise vorne was zwischen den Zähnen hat). Und da machste nix!
Wer jetzt daherschlaumeiert: «Ja abba bei duichsichtichn Behälldan, do siecht ma’s ja, wie sich die Spuuln drinna drejht!», hat erstens noch nie in so einen Behälter reingeschaut, und zweitens keine Ahnung von der Macht der Moiren. Eine läppische optische Illusion von einer Nylonspule werden die ja wohl leicht hinkriegen. Reinzuschauen würd ich jetzt aber auch keinem empfehlen, weil, entfesselte Moiren, da heißt’s schnell: schnipp-schnapp, Faden app!
(Btw: Ist wer bei Wikipedia und kann den Eintrag /wiki/zahnseide entsprechend berichtigen?)

Halbschuh NG

Ladies and Gentlemen, der Spätkapitalismus präsentiert seine neueste Kreation: den Halbschuh NG! (NG = Next Generation)

In Anlehnung an Zersägte-Herzchen-Liebeskettchen kaufen sich Paare zwei solche Halbschuhe NG. Jede/r Partner/in trägt einen davon, so dass beide ein «Match» ergeben. Die Matches sind individuell, da die Schnittkante zweier Halbschuhe NG je individuell handcrafted ist! Bei längerem Tragen richtet der Halbschuh NG die Wirbelsäule der Träger/innen zu – aber das ist erwünscht, schließlich biegt’s eine/n gen Partner/in.

Im Bild ein verwaister Halbschuh NG im Schuhladenregal. Da hofft wohl jemand, dass ihr/ihm das Halbschuh NG-Match irgendwann auf der Straße entgegenlaufen wird ;–)

Kurz notiert (4)

Ich mach mit dem Fatbike eine Tour durch die Butterberge und die Fatwheels federn alle Unebenheiten cremig-zart weg!

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»Hast du eigentlich noch mit Peter Wackel Kontakt?«
Fragen, die ich hoffentlich nie gestellt bekommen werde (1)

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Ortsnamen, die ebenso gute Fischnamen abgeben würden (1):
Plattling

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Bei Computerviren: Grippostad C++

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Uraltschall, der Schall von vorvorgestern

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Zahnzwischenräume

Wenn er während der Arbeit vor dem Gang ums Pausenbrot von jemandem gebeten wird, ihr/ihm vom Bäcker eine Semmel mitzubringen, nimmt der Bekannte einer Bekannten immer eine Mohnsemmel. Die Leute hätten dann immer Mohnkörner so lustig zwischen den Zähnen, sagt er, und selbst wenn sie es bemerkten: rauskriegen täte die mangels Zahnstocher/-seide o. ä. kaum jemand. Diejenigen, die diesen «Prank» schon kennen, verbieten ihm daher, Mohnsemmeln mitzubringen.
Backhandwerk, jetzt bist du gefragt: Wann legst du endlich Spinatsemmeln vor?

Kurz notiert (3)

Der Witz und das Unbewußte haben ihren Beziehungsstatus geändert: Es ist kompliziert.

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Schnäppchen macht das Krokodil
An Kairos Badestrand am Nil.

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Profiteroles
>> Amateurteroles
> Contrafiteroles
>>>>> Verlusteroles

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Meine neue Ultra-HD-Zahnbürste hat sogar einen Zahnrufbeantworter!

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Sepultura-Fan Sepp hatte im September eine Sepsis wegen seines Septum-Piercings – ja sapperlot, bzw.: aua!

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