Metaljournalismus über Anaal Nathrakhs «Forward!»

Die Extreme Metaller Anaal Nathrakh unterlegen in ihrem Lied «Forward!» die Double Bass stellenweise mit einem Maschinengewehr-Sample. Damit machen es Mick ‹Irrumator› Kenney und Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt, die beiden einzigen Mitglieder der Band, den Metaljournalist_innen ja extreme einfach. Die Promo-, Quatsch: Rezis schreiben sich angesichts dieses buchstäblichen Geballers ja von selbst!

  • «Bei Anaal Nathrakh wird der Ausdruck Geballer wörtlich genommen, …»
  • «Anaal Nathrakh nehmen bei dieser Schlacht keine Gefangenen.»
  • «machen ernst mit ‹Black Metal ist Krieg›»
  • «Ruhe vor dem Sturm»
  • «Mick ‹Irrumator› Kenneys Schlagzeug ist im wahrsten Sinne das Wortes zur Schießbude umfunktioniert»
  • «feuert gnadenlos Salve um Salve ab»
  • «aus allen Rohren»
  • «mit auf Dauerfeuer gestellten Geschützen»
  • «mit maschinengewehrartiger Präzision knüppelt Mick ‹Irrumator› Kenney, während Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt schreit, als peitsche er seine Kameraden zum nochmaligen Sturm bei bereits verloren geglaubter Schlacht»
  • «Anaal Nathrakh zeigen Marduk, wo die MG den Abzug hat»
  • «Trommelfeuer»
  • «fahren schwere Geschütze auf»
  • «trägt man beim Hören am besten einen Stahlhelm»
  • «Kesselartillerie»
  • «sollte man vor den Boxen in Deckung gehen»
  • «unbarmherzig»
  • «Wahnsinn des Kriegs»
  • «Oberst V.I.T.R.I.O.L. und sein Feldwebel Irrumator»
  • «… kann einiges.»
  • «Die Textzeile ‹may it all be over by christmas› lässt trotz des unveröffentlichten und größtenteils unverständlichen Text vermuten, das Lied drehe sich um eine Begebenheit während des Ersten Weltkriegs: französische und deutsche Soldaten hatten an einem Weihnachtsabend eine Waffenruhe eingelegt und sich auf dem Schlachtfeld zwischen den Schützengräben zum gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern getroffen.»

Don’t Forget About Dr. Dre!

Der US-amerikanische Rapper und Produzent Dr. Dre ist gerade im Studio, um sein Habilitations-Album einzurappen. Nachdem seine Postdocphase bald schon drei Jahrzehnte zurückliegt, will er endlich die Next Episode seiner akademischen Karriere einläuten.
Das Album wird manchen Verweis auf frühere Alben enthalten, so z.B. die Skits «Ed-Ucation Pt. II» und «The Doctor’s Office Pt. II» sowie die Songs «A Nigga Witta Library Card», «Rat-Tat-Tat-Tat (Goes the Typewriter)» und «Fuck You Bitch Niggaz».
Wenn die Habil angenommen wird, wird er fürderhin nur noch als Prof. Dre auftreten werden. Gedruckt werden soll sie dann mit Murder Ink auf Dead-Prez-Papier.

Aktualisierung 10.09.2018, 11.07 Uhr: Glaubt ihr’s? Kaum G-funke ich Dr. Dres Habilitations-Projekt durch, macht sich das Internet schon mit geloadeten pieces daran, seine Dissertations-Platte (Gangstaslang: «Diss») auf Plagiate hin zu untersuchen! Gerüchte kursieren, es seien bereits erste nicht als Zitate gekennzeichnete Samples und abgefangene Punchlines entdeckt worden. What the monster ass fuck, da wird doch wohl nicht die nächste Doktortitelaberkennung bevorstehen und einer bald nur noch als Dre (M.A.) auftreten können? Wenn dem so sein sollte, ginge es wohl direktemang zurück nach straight backa Compton.
I’ll keep you posted, bitch niggaz!

«Die gute Nachricht des Tages» auf Klassik Radio

05.09.2018: Das Klassik Radio ist ein Arschlochradio. Zu Beginn der «guten Nachricht des Tages» vermeldet die Ansagerin, immer mehr Menschen lebten knapp (!) an der Grenze zu Armut. Aber, so die gute Nachricht, die Deutschen hätten ein Herz für einander. Seien im letzten Jahr doch 35 Millionen Euro mehr als sonst für Bedürftige gespendet worden, 35 Millionen Euro mehr (!).

Und warum ist das Klassik Radio nun ein Arschlochradio? Weil es in der «guten Nachricht des Tages» keine Sekunde um die, die knapp (!) über der Armutsgrenze leben, geht – und schon gar nicht um das Geschmeiß, das tatsächlich arm ist. Sondern es geht ausschließlich um die edlen Spender_innen, aus denen ein Gutteil des Klassik-Radio-Publikums bestehen dürfte. Sie sollen sich gut fühlen in ihrer Spenderei, ihnen pudert man hier den Hintern für ihre Freigiebigkeit. Daran, dass sich je etwas änderte an den Verhältnissen, die so viel Armut bzw. so viele Leben knapp (! – man sorgt schließlich dafür, dass die Lohnabhängigen gerade so über die Runden kommen) über der Armutsgrenze hervorbringen, kann hier niemand ernstlich ein Interesse haben. Und das weiß man auch beim Klientelsender Klassik Radio.

«Nur, weil ich Milliardär bin, heißt das nicht, daß ich nicht Kommunist sein kann, aber es wäre halt echt schön blöd 😀» (Valentin Witt)

Früher war alles ausgeleiert

28.08.18: «Kinder heutzutage», vermeldet die Ansagerin im Klassik Radio bereits um 6:52 Uhr, «wissen ja gar nicht mehr, was sie mit einem Bleistift und einer Kassette machen sollen.» Ich ehrlich gesagt grad auch nicht, und ich bin ein Kind von immerhin ein bisschen früher. «Was war das für ein Drama, wenn das Band einer meiner Bibi-Blocksberg-Kassette ausgeleiert war!», reminiscirt sie fort, und schon schnackelt’s auch bei mir. Nachdem sie das Thema Kassetten und Bibi Blocksberg noch ein wenig ausgeleiert hat – ich höre wegen der Müslivorbereitungen nur mit halbem Ohr hin, manches überhöre ich auch wegen des aufbrandenden Wassers im Kocher –, schließt sie mit den Worten: «Und manchmal, wenn es mir ganz schlecht, höre ich immer noch eine Kassette von damals.» Oh je, denke ich, hoffentlich geht es Ihnen nicht zu oft schlecht, aber zefix DAS GLAUBST DU DOCH SELBST NICHT was du da verzapfst! Da wette ich 100 Sesterzen, dass sie überhaupt kein Kassettendeck und keinen Kassettenkram mehr hat, und wenn doch, dann hört sie damit keinesfalls die alten Blocksbergkassetten, sondern NIX. Und außerdem: Warum in Gottes Namen sollte ein Kind heutzutage wissen, was man mit einem Bleistift und einer Kassette macht bzw. wie man ein ausgeleiertes Kassettenband wieder aufwickelt! Menschenskinder, ab morgen höre ich zum Frühstück Death-Metal-Radio. Da versteht man wenigstens nichts.

HR Giger

1 Milliarde Bilder von HR Giger sind übrigens 1 HR-Gigerbyte. Und das Vornamenskürzel HR – für die, die’s noch nicht wissen – steht für Hessischer Rundfunk (in schweizerischer Aussprache: Hessischrr Rundfunkch). Diese Kränkung seitens seiner Eltern verwand der Schweizer Maler nie und malte zeit seines Lebens daher ausschließlich Bilder, für die sich Mama und Papa in Grund und Boden schämen sollten. Den Namen kürzte er ab, und wer ihn dennoch aussprach, die/den operierte er zur Strafe mit allerhand Implantaten und Schläuchen zum grotesken Maschinenmenschen um, wovon er freilich Bilder anfertigte, mit denen er dann einen Haufen Geld verdiente. (Er schuf 2,5 HR-Gigerbyte.)

Programmvorschau

Gestern habe ich bei der Literaturradiosendung Eisenbart & Meisendraht – Magazin für Eigenart (EBMD) auf Radio Z einen Text eingereicht. In der Ausgabe vom 23. September legen sie ihn auf den Äther. Thema der Sendung ist «Bett», daher schrieb ich eine widerwärtige kleine Bettgeschichte.

Wer mich kennt: An Tagen nach Biertrink-Abenden habe ich immer so eine erotische Stimme und würde am liebsten allen Leuten WhatsApp-Sprachis schicken. Das geht aber nicht, und auf Facebook kann man bedauerlicherweise keine Sprachnachrichten posten. Daher werde ich mir am Tag vor der Aufnahme ordentlich einen ansaufen und den Text dann derart erotisch-rauh ins Mikrophon hauchen, dass bei euch daheim die Luft flirren wird. Also: 23.09., 16 Uhr, Radio Z – kurbelt euch rein!

Links:
Podcasts der bisherigen EBMD-Sendungen
EBMD-Autor*innenportraits

“Missbrauchˮ

25.08.18: Schönes Verwendungsbeispiel zum Thema “Anführungsstricheˮ:

Tagesschau_Kath-Missbrauch

Screenshot: tagesschau.de-Startseite, 25.08.18

Eine Frau nahm übrigens, um den Hl. Vat. zu sehen, das hier auf sich:

Aber bei wem in allen drei (!) Namensbestandteilen ein christlicher Bezug steckt, ist das ja auch kein, höhö, Wunder.