Runtastic

12.06.2018: Heute frühmorgendliche Laufrunde: 5.09 Uhr Sonnenaufgang, 5.15 Uhr aus dem Haus, dann 6 km unter diesigen Wolken – motiviert wie Heinz Strunk! Dabei begegneten mir:
1 Hase
1 Spatz
1 Fußgänger
1 Pfandflaschensammler
2 Nordic Walker (beides ältere glatzköpfige Herren)
5 Jogger_innen (1 davon 2mal, an sportblauer Funktionsjacke wiedererkannt)
8 Fahrradfahrer (alle m)

Ausgestattet war ich mit T-Shirt (schwarz, Puma, geschenkt, aber vermutl. 19 €), kurzer Sporthose (schwarz, Adidas, wahrscheinlich 25 €), Laufschuhen (weiß mit dezenten blauen Akzenten, Adidas, um die 110 €, vor ca. 14 Jahren im Adidas-Outlet Herzogenaurach erworben), Sneakersocken (schwarz, No-Name, Größe 43–46, Preis unbekannt, aber gewiss niedrig) und 2 Papiertaschentüchern (in eins wickle ich die beiden Schlüssel ein, damit sie nicht so scheppern, das zweite, falls ich unterwegs schnäuzen müsste, was ich aber nie muss; Marke: Floralys (LIDL), Preis könnte leicht ausgerechnet werden (z.B. Ökonomie-Erstsemester), aber ich weiß gerade den Gesamtpackungspreis nicht).

Mein Geheimrezept für so frühes Joggen: Nach dem Aufstehen 2 Gläser Wasser (Leitungswasser, aktivkohlegefiltert, keine Kohlensäure) und 1 Banane (Supermarkt normal; bio kann, muss aber nicht).

Danach kalte Dusche wie Max Goldt, Wasser dabei angenehm kalt, nicht so unverschämt lauwarm trotz kältester Mischhebeleinstellung wie sonst oft. Liegt’s am Morgen?

Schließlich Beerenfrühstück (wie Heinz Strunk!), allerdings anders als bei Heinz Strunk mit Haferflocken (~guter~ Säurebildner!) und Quark (nach wie vor 3,8% Fett, trotz beginnender Alterswampe/-hüfte). Danach dynamisch und agil in den Tag. Ich zeige das aber nicht und unterdrücke die Ausstrahlung bewusst, weil solchen ostentativen Morgensportabsolventen will man ja immer eine reinhauen, auch und vor allem ich.
Jetzt am Abend allerdings setzt der Muskelkater ein; ob das Treppensteigen morgen noch schlimmer wird?

Update 22.11.2018: Seit einiger Zeit Magerquark.

E-Werk, Lesung

Vor einiger Zeit habe ich zum ersten Mal auf einer Bühne vor Publikum gelesen, in der Clubbühne im E-Werk Erlangen. Leider nichts eigenes, sondern einen in Zusammenarbeit mit zwei lieben Freundinnen verfremdeten Text des diesjährigen Erlanger Poetikdozenten Friedrich von Borries. In dem, das war die wesentliche Transformation des Ausgangstextes, 5% der Wörter aus «Schwanz» bestanden. (In Borries’ Text geht es an dieser Stelle im Rahmen einer Turnschuh-Produktpräsentation um eine Schuhsohle.)

Was soll ich sagen? Vor unserem Auftritt war ich erstaunlich – für meine Verhältnisse gar bemerkenswert – unaufgeregt, nur kurz vorher kickte die gewöhnliche Nervosität rein. Als ich las, hatte ich jedoch praktisch sofort eine Mordsgaudi. Wie man sie haben kann, wenn man sleazy-lasziv einen Schwanz präsentiert. Erstaunt, um nicht zu sagen pikiert, aber zugleich amüsiert, schauten mich die Leute an, die ich bei jedem «Schwanz», obwohl ich angesichts des Gegenlichts kaum jemand erkennen konnte, in den Blick nahm. Leider war unser Auftritt recht kurz und mein Part hatte, wenn man den Anteil der beiden Freundinnen als Schaft des Textes betrachtet, nur in etwa Eichellänge. Bock hatte ich jedoch voll und ich hätte auch noch viel länger gewollt! («Andreas 🙄🙄🙄 !») Aber was will man machen.

(Was ich in jedem Fall machen will: Wieder lesen. Und zwar gerne was eigenes, d.h. etwas von den Sachen, die ich bislang auf meinem Blog veröffentlicht habe. Einschränkung: keine Poetry Slams. Und die Leute müssen halt Komik abkönnen können. Falls wer was weiß: gerne Email/PM)

Studio Braun/Gereon Klug: Kunst, Verzweiflung und Humor

Gereon Klug, u.a. Tourmanager von Studion Braun (Heinz Strunk, Jacques Palminger, Rocko Schamoni), las letztes Jahr im Erlanger E-Werk an einem Donnerstagabend aus dem von ihm herausgegebenen Studio-Braun-Buch «Drei Farben Braun». Außer mir waren vor Lesungsbeginn noch zwei andere Gäste da, junge Männer von vielleicht 17 Jahren (beide hatten, wie sich während der Pause herausstellte, weder Klug noch Studio Braun gekannt, aber einer von beiden hätte die Tickets halt von einer Tante zum Geburtstag bekommen. Gute Tante!).

Klug war, als er sich an seinen Lesungstisch setzte, zwar nicht begeistert, aber doch amüsiert. «Es gilt», meinte er dann gleich eingangs, «die alte Künstlerregel: Wenn mehr Leute im Publikum sitzen als auf der Bühne, wird die Show durchgezogen». Was er dann auch tat. Und auch ganz so, als hätten 50 Leute auf den Rängen gesessen (die kleinste E-Werk-Bühne hat Ränge). Nach ca. 15 Minuten schraubten zwei zusätzliche Gäste, die sich offensichtlich nicht nur ins angrenzende Bistro verirrt hatten, die Zahl der Anwesenden auf astronomische fünf.

Klug indes feuerte unbeirrt, und ohne für kommende Lesungen etwas aufzusparen, alles raus, was er vorbereitet hatte: Texte, Audio, Video und Zwischendurchanekdoten ohne Ablesen. Dass ich meist der einzige war (Publikum rein männlich), der lauthals lachte, war mir wurscht. Nach der Lesung ließ Klug sich noch herab und kam die Ränge herauf, woraus sich noch eine stattliche Unterhaltung ergab.

Kurzum: Gereon Klug für Studio Braun im Dienste von Kunst, Verzweiflung und Humor, ganz ohne sonstige Scheiße. 9/10

Radlerkoma

18.06.2018:
20-Radler

Sich mit Radler wegschießen, bis man ein Einhorn ist – wer kennt’s nicht!

Seid’s mir nicht böse, aber angesichts dieser Reklame für die AOK-/adfc-Kampagne «Mit dem Rad zur Uni», die mich zumal am Urinal mit ihrem Krampf behelligt, denke ich über die Anschaffung eines Coal Rollers nach. Also eines auf US-amerikanischen Redneck-Irrsinn zurückgehenden Pick-Up-Trucks, der dergestalt modifiziert ist, dass er Treibstoffabgase möglichst stark rußend aus den Auspuffrohren bläst. Damit fahre ich dann den ganzen Tag lang vor den Uni-Gebäuden umher und ruße die Gesundheitsradlerinnen (m_w) ein, daß sie im Hörsaal ankommen wie Rußlands Rauchfangkehrerinnen nach der Schicht (die eine oder andere Aktionsteilnehmerin wird dann schon dabei sein). Und mittem Ratt werd’ ich bis Aktionsende ~nicht~ mehr fahren.
Pah!, wie unverschämt sie immer die Urinalwände zuplakatieren.

Kurz notiert (11)

Die Zukunft der Schreibwaren: Schreibwerdensein.

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Am liebsten aßen Suffragetten
Schachtelweise Trumpf-Schogetten.

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Wenn ich meine Lieblingspizza gegessen habe, habe ich zwar ein Verdauungstief, aber gleichzeitig ein Vierkäsepizzahoch.

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Jever Stahlbad (dialektisch-herb)

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Bauernverbandspräsident – mein liebstes Ährenamt!

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Bei besonderen Anlässen gibt’s bei Satanistens immer Baphometigel!


Kategorie: Kurz notiert

Der Junge und der Aufkleber

In der U-Bahn stand mir vor einiger Zeit am Mittag ein Schulbub gegenüber, wohl 12 Jahre alt, einen mordsschweren Schulrucksack im Flecktarndesign auf dem Rücken, Turnbeutel in der Hand, gekleidet in eine kindlich-ungestalte Kapuzenjacke, patchbewehrtes Shirt, Jeans, alles irgendwie in dunkelblau, unter dem Käppi stieben die Haare ringsum hervor, zwar noch nicht zu lang, aber dennoch sollt’s mal wieder zum Friseur gehen. Als er sich etwas zur Seite dreht, fällt mir der Aufkleber auf, der auf seinem Rücken klebt.

Kein Patch wie auf dem Shirt, der gehört da nicht hin. Ich beuge mich rüber, tippe ihn an und sage: »Du hast da einen Aufkleber aufm Rücken!« »Was?«, will er wissen, weil ich red’ manchmal so undeutlich und für den öffentlichen Raum zu leise. Bevor ich’s ihm nochmal sag’, zieh’ ich ihm den Aufkleber vom Pulli und gebe ihn ihm. Er stöhnt genervt und rollt die Augen an die U-Bahndecke. Ham sie es also mal wieder geschafft diese Hurensohn-Scheißewichser denen hau’ ich so eine rein, und ihm, dem plumpen Pausbackenjungen, eins aufgeklebt, Quatsch: ausgewischt. Voll peinlo scheise, so was in der Art wird er denken. Ich lehn’ schon wieder gegenüber, bei der nächsten Haltestelle fällt ihm ein, »Danke!« vergessen zu haben und ruft’s zwischen den Aussteigenden hindurch. Mein »Gerne!«, ich fürchte, er hört’s nicht.

Gerne – gern würd’ ich ihm auch sagen, es sei gar nicht tragisch, er brauche sich nicht zu genieren wegen des Aufklebers, keine normale Passantin würde ihn deswegen für einen Trottel halten, könne er ja nix dafür, auch nicht dafür, dass er aufm Rücken keine Augen hat; das komme halt mal vor und seine Zeit vielleicht auch noch. Gerne – aber heute bin ich einer der coolen Erwachsenen, der hilfsbereiten, der milden, gutherzigen, aber schweigenden. Von denen er nur zu wissen braucht, dass es sie auch noch gibt.