Ein Philosophieprofessor wollte in einer Seminarsitzung mal «Dekadik» sagen. Er vertat sich dabei aber und sagte statt dessen «Dedakik». Sogleich hinwiederum fiel ihm sein Missgeschick auf, er korrigierte sich instantan, um den Schaden zu reparieren, und quakte ein zwar genau so falsches, aber immerhin froschhaft-längliches «Dedaaaakik» heraus. Nachdem auch dieser Versuch als gescheitert zu betrachten und Aussicht auf «Dekadik» nicht zu erkennen war, ließ er es bleiben und verließ das Reich der Zahlen lieber wieder.
Die allgemeine Erheiterung über dieses erquickliche Gequake war – überhaupt nicht zu spüren! Denn nur ich, alle anderen waren zu sehr mit ihrer Vernunft am karteln und teilweise, man konnte das sehen, sogar ins Reich der nackten Kategorien, ins reine Denken hinübertranszendiert, empfand sie überhaupt. Es, d.i. die Philosophie, ist ein ernstes Geschäft.
Autor: Andreas Maria Lugauer
Brauchen
Wenn Du keinen brauchst,
Hängt der Himmel voller Briefkästen.
Aber brauchst du mal einen:
Steig’ in die Hölle hinab!
Kurz notiert (7)
IGeLs of Death Metal
***
Expresskrankenkasse (für Leute mit 5 Krankheiten und weniger)
***
Privatsphäreeinstellung «Nur Freunde»: die Paywall der kleinen Leute
***
Wasser. Einfach unverwässerlich!
***
Berufsschul-Banknachbar Hubert erfand mal ein Mashup aus Die Flippers und Slipknot: Flipknot (d.h. Slipknot mit Delfinmasken)
***
Über das Einkaufen
Erst auf den letzten Drücker einkaufen zu gehen, hat den Vorteil, dass man sich tagsüber von dieser unangenehmen Aufgabe verschont, und den Nachteil, dass es im Supermarkt dann am meisten zugeht.
Sich bei der allerlangsamsten Kassiererin anzustellen, hat den Nachteil, dass einem die vielen anderen Wartenden durch ihre bloße Präsenz im Unterarmlängenbereich bis zur Weißglut auf die Nerven gehen (als Vordermann einen Eastpak-Rucksack lässig nur an einem Riemen schultern! Als Hintermann einem ins Genick schnaufen und die Einkaufstasche in einer Tour in die Kniekehlen rumpeln!) – was man sich tunlichst nicht anmerken lässt, weil man den Leuten ihren Frieden lassen möchte –, und den Vorteil, dass einem die Kassiererin so himmlisch viel Zeit lässt, seine Sachen in den Wagen zu tun, und man sich nicht durch berührungslose Unerbittlichkeit aus dem Laden gedrängt fühlt.
Ach!, ich würd’ alles wieder genau so machen!
Kurz notiert (6)
Bierproduzent_innen grüßen sich traditionell mit der Brau Fist.
***
Gesellschaftskritik, aber als Kritik für vergnügliche Abende unter Freund/innen
***
Bauernverbandspräsident – mein liebstes Ährenamt!
***
«wälzeln» (Eckhard Henscheid beim Auskundschafteln der dt. Sprache)
***
Neuerwerbungen in der Bibliothek, aber mit Manuel Neuer als Testimonial
(Zusatzspaß, wo ich schon dabei bin: Heute, 14.30 Uhr, Fantreffen mit Manuel Neuer an der Ausleihbar)
***
Max Goldt zum Sechzigsten
Gestern wurde der Dichter Max Goldt 60 Jahre alt. Anlässlich seiner letztjährigen Nürnberger Lesung am 29.12.17 hatte ich hier eine kleine Hommage an Goldt veröffentlicht. Darin hatte ich unter anderem angemerkt, Goldt jährlich ‹zwischen den Jahren› lesen zu sehen, sei «mittlerweile zur süßen Gewohnheit geworden wie der alljährliche grippale Infekt nach den Weihnachtsfeiertagen – der dieses Jahr allerdings, ‹toi toi toi›, erfreulicherweise ausblieb.» Leider jedoch hatte das «toi, toi, toi» überhaupt nicht geholfen, und so war ich wenige Tage später von einem solchen Infekt heimgesucht worden– und nicht nur von einem! In der Folgezeit «war ich so erkältungsanfällig [gewesen], daß ich manchmal sogar die Schnittmenge zweier Erkältungen erlebt [hatte] – die Nachwirkungen der gerade zurückliegenden [hatten] sich mit den Vorboten einer kommenden [überlappt].» (Max Goldt: Über kaltes Duschen)
Was ich nach überstandenem Erkältungsquartal jedoch nicht getan hatte, war, mir ganzjähriges kaltes Duschen anzugewöhnen, wie Goldt es im zitierten Text aus Gesundheits- wie aus Energiespargründen empfiehlt. Freilich ist es sommers ganz und gar erquickend, sich während Hitzeperioden morgens und abends und auch mal dazwischen eiskalt abzubrausen, aber im hiesigen Badezimmer ist es zur Winterreifenzeit von O bis O, d.h. von Oktober bis Ostern, so ungemütlich, ich müsste schon strenggläubig sein, um mich der Selbstkasteiung ausschließlich kalten Duschens auszusetzen.
Aber man muss Goldt, so wohlbegründet seine Empfehlung sein mag, ja auch nicht alles nachmachen. Wie man ihm, wenngleich er ein Autor mit vergleichsweise sehr hohem Volumenanteil wahren, zustimmungswürdigen Inhalts ist, auch nicht immer alles zu glauben braucht. So etwa die Behauptung am Ende des zitierten Textes. Dort schreibt er nach der Bemerkung, wohl habe er gehört, dass Männer mitunter als Warmduscher beschimpft würden, nie aber habe er gehört, dass einer Frau mit dem Schmähwort Warmduscherin «die Lebenszähigkeit» abgesprochen worden sei:
«Wie mancher weiß, bin ich ein Sammler noch nicht breitgetretener Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Hier ist ein neuer, gewissermaßen allerletzter: Ein Mann wechselt mit dem Tode sein Geschlecht. Aus ‹der Mann› wird ‹die Leiche›. Frauen haben nicht unter dieser ungewollten grammatischen Todestranssexualität zu leiden.» (a.a.O.)
Ob Max Goldt bei jeder Lesung dieses Textes schwitzt über der Angst, jemand aus dem Publikum könne diesem Textende lauthals entgegenhalten, «die Frau» erführe diese Todestranssexualität durchaus, indem sie zu «dem Leichnam» werde? Und wenn der Einwand wirklich käme, wäre er ausreichend gewappnet, darauf so etwas zu erwidern wie, man müsse das halt dialektisch betrachten: «die Frau» behielte ihr Geschlecht als «die Leiche» und wechselte es als «der Leichnam», während es sich beim Mann umgekehrt verhalte und sich These und Antithese hie wie da nicht synthetisieren ließen?
Vielleicht plagt ihn diese Sorge bei solchen Gelegenheiten tatsächlich, wird aber von Goldts jahrelanger Kenntnis seines Publikums gemildert, wo nicht verdrängt, da dort kaum rotzfreche, vorlaute Leute rumsitzen, die sich entblöden würden, den «Leichnam»-Einwand auf die Bühne zu plärren. Weswegen Goldtlesungen auch stets so angenehm sind. Obzwar bei der letztjährigen Lesung vor Beginn erstmals Selfie-machende Couples bzw. «Pärchen» (Goldt) zu sehen waren. Ach ach!
Kurz notiert (5)
Condolænce Armstrong – Pressante Beileidsbezeugungen per Rennrad
***
frz. incroyable = nicht mit Buntstiften zu malen
***
Schweiß? Hab’ ich deobonniert!
***
Mit undurchsichtigen Zahnseide-Behältern ist es wie mit dem Leben, plötzlich ist das Ende da.
***
Selbsthaß, der Haß der Narzissten
***
Die Top 3 meiner liebsten Namen aus der Wissenschaft
3. [ist mir jetzt leider entfallen, reiche ich bei Gelegenheit nach]
2. Giorgio Agamben – ich meine hallo?! Ein Nachname, bei dem man in der zweiten Hälfte den Mund kaum mehr aufzumachen braucht (Agambm), was soll das denn?
1. Tycho Brahe (1546–1601, dänischer Adeliger und einer der bedeutendsten Astronomen): Wohlklang ist ja wohl was andres, Freunde! Ein Name, dessen Bestandteile ab den Initialkonsonanten jeweils nichts sind als hässliche Vokale, bei denen man den Mund entweder spitzen muss wie ein Maulwurf (y, o) oder grotesk auseinanderzerren wie ein Frosch (a, e), sowie fragil-gehauchte „Konsonanten“, die so instabil sind wie diese japanischen Papiertüren, durch die Homer Simpson einfach durchlatscht. Bzw. das «h» in Brahe: spricht man das überhaupt? Sagt man [braa-hä]? Oder doch, wie ich seit Jahren: [braaää]? Hätte man sich das «he» ohnehin nicht lieber schenken sollen, und lieber «Tycho Bra» heißen? Dann hätte man immerhin einen Fernsehkommissar-kompatiblen Nachnamen aus zweisilbigem Vor- und einsilbigem Nachnamen. Allerdings immer noch «Tycho» als Vornamen! Und wer dächte dabei nicht immer unfreiwillig an all jene, die «Psychologie» nicht aussprechen können und statt dessen «Tsychologie» sagen! Aber nun gut: Tycho Brahe also; verdruckstes Halbgeständnis der Eltern, dass man am liebsten gar keinen Namen vergeben hätte, Krächzstumpen, die der Wind durchs Holztürl des Schuppens besser faucht, Vokal-Ender, die signalisieren, dass die Zeit nach dem aufgezwungenen Beginn der Existenz sich quälend endlos hinziehen kann wie spätestens das [äää] am Endä Braaäääs. Musste sich jemand mit einem solchen Namen unbedingt in die Annalen der Wissenschaft einschreiben? Ich meine: nein.
Musiktipp
Ettalica (klostereigene Coverband)
bisherige Veröffentlichungen:
– Bruder of Puppets
– …and Jesus for All
– Lourdes
– ReLourdes
– St. Schindanger
– Hardwired…to Kirchenbank
– Some Kind of Prämonstratenser (Kinofilm)
Metaljournalismus über Anaal Nathrakhs «Forward!»
Die Extreme Metaller Anaal Nathrakh unterlegen in ihrem Lied «Forward!» die Double Bass stellenweise mit einem Maschinengewehr-Sample. Damit machen es Mick ‹Irrumator› Kenney und Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt, die beiden einzigen Mitglieder der Band, den Metaljournalist_innen ja extreme einfach. Die Promo-, Quatsch: Rezis schreiben sich angesichts dieses buchstäblichen Geballers ja von selbst!
- «Bei Anaal Nathrakh wird der Ausdruck Geballer wörtlich genommen, …»
- «Anaal Nathrakh nehmen bei dieser Schlacht keine Gefangenen.»
- «machen ernst mit ‹Black Metal ist Krieg›»
- «Ruhe vor dem Sturm»
- «Mick ‹Irrumator› Kenneys Schlagzeug ist im wahrsten Sinne das Wortes zur Schießbude umfunktioniert»
- «feuert gnadenlos Salve um Salve ab»
- «aus allen Rohren»
- «mit auf Dauerfeuer gestellten Geschützen»
- «mit maschinengewehrartiger Präzision knüppelt Mick ‹Irrumator› Kenney, während Dave ‹V.I.T.R.I.O.L.› Hunt schreit, als peitsche er seine Kameraden zum nochmaligen Sturm bei bereits verloren geglaubter Schlacht»
- «Anaal Nathrakh zeigen Marduk, wo die MG den Abzug hat»
- «Trommelfeuer»
- «fahren schwere Geschütze auf»
- «trägt man beim Hören am besten einen Stahlhelm»
- «Kesselartillerie»
- «sollte man vor den Boxen in Deckung gehen»
- «unbarmherzig»
- «Wahnsinn des Kriegs»
- «Oberst V.I.T.R.I.O.L. und sein Feldwebel Irrumator»
- «… kann einiges.»
- «Die Textzeile ‹may it all be over by christmas› lässt trotz des unveröffentlichten und größtenteils unverständlichen Text vermuten, das Lied drehe sich um eine Begebenheit während des Ersten Weltkriegs: französische und deutsche Soldaten hatten an einem Weihnachtsabend eine Waffenruhe eingelegt und sich auf dem Schlachtfeld zwischen den Schützengräben zum gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern getroffen.»