It’s trve: In meiner Jugend hab ich ein bisschen die (damals noch) Black-Metal-Band Darkthrone gehört. 2003 legte ich in der Drogeriekette Müller die gerade erschienene CD »Hate Them« in den CD-Player und lauschte ganz ehrfürchtig und evil-struck. 2004 dann gefiel mir auf einer Beilage-CD des Metalmagazins Legacy der Track »Sacrificing to the God of Doubt«. Über die Jahre las ich immer mal wieder gern was über diese immer obskurer und (selbst)parodistischer werdende Band, deren Anfänge in den frühen 1990ern mit mindestens Koketterie mit rechtsextremen Inhalten ihr immer um die Ohren zu hauen ist.
Immer unernster wurde die Band so ab 2007, als auf dem Album »F.O.A.D.« (›Fuck Off And Die‹) etwa das Lied »Canadian Metal« zu hören war, eine Art ironischer Kommentar auf die seltsamen Blüten von Metalsubgenriesierungen. Musikalisch machten Darkthrone auch mehr und mehr punkigen Thrash Metal statt von Trvness-Wächtern sanktionierten Black Metal, was sich in Titeln wie »Hiking Metal Punks« niederschlug – echte Black-Metaller gehen doch nicht sportiv wandern und machen schon gar keine Thrash-Songs darüber, in denen sie im Refrain »Hiking Metal Punks« jodeln.
Als mir kürzlich ein Bekannter schreibt, online kämen die trven Fans der Band mit dem neuesten Album »Pre-Historic Metal« so gar nicht klar, weil kaum auszumachen sei, ob es jetzt ernst oder (Selbst)Parodie sei, falle ich in ein kleines Darkthrone-Hole. Im Fitnessstudio höre ich die Platte »Sardonic Wrath«, der der o. g. Song »Sacrificing to the God of Doubt« entstammt – mit Audiokommentar der zwei und seit langem einzigen Bandmitglieder Ted »Nocturno Culto« Skjellum und Gylve »Fenriz« Nagell. Song für Song wechseln die beiden einander ab und erzählen mehr oder weniger Interessantes bzw. Wissenswertes zum jeweiligen Lied.
Warum heißt es Encyclopaedia Metallum: The Metal Archives und nicht Fenriz?
Bei Fenriz merkt man bei den Tracks, die er kommentiert, dass er Radio macht, er kann unterhaltsam labern. Der Audiokommentar zum 2004er Album stammt aus 2014, Fenriz weiß jedoch noch zu erstaunlich vielen Riffs die Referenz anzugeben – meist unbekannte Kleinstbands der 70er und 80er, die mal ein halbes Demo aufgenommen haben –; zu überprüfen ist das freilich kaum, kennt doch außer Fenriz niemand die jeweiligen Platten. (Warum heißt es Encyclopaedia Metallum: The Metal Archives und nicht Fenriz?) Nocturno Culto hingegen ist fehl am Kommentarmikro und weiß das auch. Seine Kommentare sind derart lustlos und uninspiriert, dass es schon ärgerlich ist (nach einer Pause erzählt er an einer Stelle unvermittelt und zusammenhanglos: »Also there are bears around my house. Of course, this has nothing to do with the album.«)
Wirklich interessant ist’s eigentlich nur an einer Stelle: Da erzählt N. C., er sei nach Abschluss der Aufnahmen den langen Weg von Oslo nach Hause gefahren und hätte, nach nicht mal 24 Stunden zuhause, einen Anruf bekommen vom Chef des Labels Moonfog, Satyr (auch bekannt als Chef der Band Satyricon). Das Album wäre ja nicht mal 30 Minuten lang, das sei aber schon zu kurz, also mehr als ’ne halbe Stunde sollt’s schon dauern, so könne man das nicht veröffentlichen. Also ruft N. C. in Oslo an, sagt, das Equipment im Studio dürfe keinesfalls abgebaut werden, weil sie noch ein Lied machen müssten, fährt ›postwendend‹ zurück nach Oslo, sie schreiben sonntags das Stück »Rawness Obsolete« und spielen es montags ein. Dann ist aber gut und die CD dauert angemessene 34 Minuten! Fenriz erzählt das im Kommentar zu dem Stück noch ausführlicher: https://www.youtube.com/watch?v=qSuGADZPKIE [Link führt auf YouTube]. Gut, so interessant ist das nun auch wieder nicht.