Der Rauchwarnmelder-Boomer

Zwei von fünf Rauchwarnmeldern sponnen und sandten in einer Tour willkürlich Warntöne, obwohl weit und breit kein Rauch zu detektieren war. Kommt also heute einer von der Rauchwarnmelder-Vermietfirma. Um die 60, durch und durch kartoffeliger Boomer, bestimmt im Schrebergarten gestern sieben Pils bei der Deutschland-Niederlage. Im Wohnzimmer steht er auf der Leiter und fragt: »Hat die Decke ein Maler gestrichen oder Sie selber? Wenn Sie selber, will ich nix sagen.« »Ich selber«, entgegne ich, und freilich interessiert mich, was er denn so brennend nicht sagen wolle: »Warum, sieht sie denn so schlecht aus?« Natürlich hält er es nicht aus und mir sofort einen Vortrag, wie so eine Decke richtig zu streichen sei, damit keine Übergänge zu sehen sind. Das habe er von einem Maler gelernt, »der wollte dann gleich, dass ich bei ihm als Geselle arbeite 😃 Hab ich aber nicht gemacht, weil is‘ nich‘ mein Metier.«
Sein Metier ist offensichtlich auch der Umgang mit Kund*innen nicht. Beurteilst du nämlich eine selbstgestrichene Decke als schlecht, hält dich jemand womöglich (zurecht) für einen Boomer-Wichser.
Auf die Frage nach dem Maler kam er wohl überhaupt erst, weil die Wände so extrem praecise und meisterpreiswürdig schön gestrichen sind. Dass Deckenstreichen meine Hassarbeit ist, bei der ich nach 2 m² keinen Bock mehr habe, weil mir trotz Verlängerung pausenlos der Arm halb abfällt und, ach was: -fault, kann er sich bei seinem vom Himmel gefallenen Gesellenblick doch eigentlich denken.

Schon gewusst? 💡

Wenn es draußen warm ist, ist es für den Körper kälter, als wenn es kalt ist, weil wenn die warme Luft auf den Körper prallt, muss dieser nicht extra die »Heizung« einschalten, um sich zu wärmen, sondern kann bequem alles einfach geschehen und gewähren lassen. Ideal ist daher eine Außentemperatur von 36,5 °C, da kann der Körper dann in die anstrengungslose Homöostasis schalten. ☝🧐💡

Milchglas

FAKT: In jedem Rahmen wächst zunächst das Milchglas. Im Zeitrahmen vom 6. bis 30. Monat fällt das Milchglas komplett aus und wird nach und nach durch das bleibende Glas ersetzt. Ausgeschlagenes, erkranktes oder abgestorbenes bleibendes Glas kann durch Drittglas aus Gold, Keramik, Blei (beliebt in Kirchen) oder Amalgam ersetzt werden. Das Glasfleisch ist auch immer sorgfältig zu pflegen, denn es wächst nicht nach und ist praktisch der Aktionsartikel des Rahmens: wenn weg, dann weg.

Ganz und gar nicht komisch: Die »Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V.« (HIAG)

Im zweiten Band von Marie Marcks’ gezeichneter Autobiografie, Schwarz-weiß und bunt (München: Frauenbuch Verlag 1989), lese ich in ihren Berichten vom USA-Jahresaufenthalt 1957 über Nachrichten aus der BRD: »Die KPD wurde als verfassungsfeindlich verboten, ehemalige SS-Angehörige hingegen schlossen sich legal zur HIAG zusammen. Den Kindern, sonst nett aufgenommen, wurde ab und zu ›Nazi‹ nachgerufen.« HIAG? Davon habe ich ja noch nie gehört. Wikipedia weiß:

»Die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e. V. (HIAG) wurde 1951 als ›Traditionsverband‹ in Deutschland begründet. Die Gründer, Funktionäre und Redner waren verschiedene Offiziere der Waffen-SS. Der Bundesverband löste sich 1992 auf, regionale Organisationen existieren aber vereinzelt weiter. Die HIAG wurde zeitweilig als rechtsextremistisch vom Verfassungsschutz beobachtet und war bei der Bevölkerung und in den Medien ab den 1960er Jahren zunehmend umstritten.« Umstritten sein und Beobachtung durch den VS machen Rechtsextremen das Leben extrem schwer, man kennt es. »Eines der erklärten Ziele der HIAG war die Änderung der gesellschaftlichen und juristischen Wahrnehmung der Angehörigen der Waffen-SS als normale Soldaten.«

Na servus. Außerdem: »Die HIAG hatte von ihrer Gründung bis in die 1970er Jahre nicht nur erheblichen Einfluss im Netzwerk der Soldaten- und Traditionsverbände, sondern pflegte auch intensive Kontakte zu den im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien. Sie erreichte so für die ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS deren ›Rehabilitierung‹ und uneingeschränkte Rentenversorgung, während die Parteien im Gegenzug hofften, durch solche Zugeständnisse die Mitglieder und Anhänger der HIAG in die demokratische Gesellschaft zu integrieren und ihre Wählerstimmen zu gewinnen. Erst in den 1980er Jahren kam es zur Distanzierung: CDU-Bundestagsabgeordnete beendeten ihre Mitarbeit; die SPD beschloss die Unvereinbarkeit, da die HIAG ›dazu beiträgt, nationalsozialistisches Gedankengut zu vertreten bzw. zu verharmlosen‹.« Danke, SPD, dass ihr schon nach 30 Jahren die Unvereinbarkeit mit einem Verein zur Rehabilitierung ehemaliger Waffen-SSler beschließt! Was euer Vorzeigemitglied und Waffen-SS-Mann Günter Grass da wohl gedacht haben mag?

Weiter lese ich, zu den Waffen-SS-Männern gehörte u.a. ein gewisser »Otto Beisheim (Metro-Mitbegründer, Unternehmer): 1. SS-Panzer-Division ›Leibstandarte SS Adolf Hitler‹«. Einleitend weiß dessen Wikipedia-Eintrag: »Otto Beisheim (* 3. Januar 1924 in Vossnacken bei Essen; † 18. Februar 2013 in Rottach-Egern) war ein deutsch-schweizerischer Kaufmann, Unternehmer und Mitgründer des Metro-Konzerns.« Erst unter »Leben« heißt es im Abschnitt »Zweiter Weltkrieg«: »Im Oktober 1942 trat Beisheim freiwillig der Waffen-SS bei und diente zeitweise als SS-Sturmmann (entspricht Gefreiter) in der SS-Division Leibstandarte Adolf Hitler an der Ostfront.« In Berlin steht seit 2004 fröhlich das Beisheim Center, »Otto Beisheim ließ es für 463 Millionen Euro errichten.« Dass der Bauherr und Namensgeber Waffen-SS-Mann war, davon weiß der hübsche Beisheim-Center-Eintrag freilich nichts.

Und nichts davon, aber auch gar nichts, erfährt man z.B. im bayerischen Geschichtsunterricht. Dass die BRD von ihrer Gründung an in Politik, Wirtschaft, Juristerei etc. von Nazis durchsetzt war, denen ein bequemes Auskommen verschafft wurde, während die Überlebenden von Holocaust und Porajmos sowie die Opfer und deren Hinterbliebene nach wie vor menschenunwürdig behandelt wurden, darüber lernt niemand etwas. Stattdessen bekommen die Schüler*innen etwas von »Entnazifizierung« und Wirtschaftswunder unter Adenauer und Erhard vorgelogen. Um etwas vom realen Dreck zu erfahren, musst du konkret o.ä. lesen, oder eben bei Marcks drüberstolpern. Es ist doch alles so verkommen.

Naja, ein bisschen weiterlesen könnte eins hier: https://en.wikipedia.org/wiki/HIAG