Kennst du niederbayerische Diözesen?

Am stolzesten beim Aiwanger-Telefonterror in TITANIC 09/2021 bin ich übrigens hierüber: Im Gespräch mit Theo Waigel jubilierte ich auf seine Frage, in welcher Diözese denn Aiwangers Wohnort läge, nach etwa drei Sekunden Schockstarre »… das ist Freising bei uns« ins Telefon.

Bei dieser Frage dachte ich im ersten Moment, jetzt wäre es vorüber und Waigel »hätte« mich. Aber weil Aiwangers Wohnort meines Wissens irgendwo in der Nähe von Landshut liegt, versuchte ich es aufs Geratewohl mit dem nächstgelegenen Ort, der Zentrum einer Diözese sein k ö n n t e . Und traf ins Schwarze, ha!

Wie ich nachträglich nachgeschlagen habe, stimmt Freising zwar gar nicht – Aiwanger gehört zur Diözese Regensburg –, aber auf bayerische Diözesen musst du erstmal kommen, selbst wenn du in der Diözese Regensburg aufgewachsen bist und bis 16 Ministrant warst.

Di_ch

Endlich ist die niedersächsische Kommunalwahl vorbei. Jetzt verschwinden endlich all die SPD-Plakate mit dem so unvorteilhaft gesetzten »dich«. Normale, die daran vorbeimüssen, martern die doch nur immerzu mit der Frage, ob da nicht eigentlich »dilch«, »dirch«, »dioch«, »dlech«, »drach« oder sonstwas teilweise Kopfverdecktes steht.

Vom ewiggestrigen Klaue

»Anders als heutige Jungakademiker glauben, die diese Satiren als Verspottung eines gedrechselten Jargons goutieren, handelt es sich bei dieser Überzeichnung um eine Würdigung, um die Reverenz an Menschen, die von gestern und eben deshalb dem Heute überlegen sind.« (Magnus Klaue: »Einer von gestern. 80. Geburtstag von Eckhard Henscheid«, tagesspiegel.de vom 14.09.2021)

Von Profi- bzw. Alt- resp. Superakademiker Magnus Klaue geburnt – meint er mich, dann habe ich wohl alles richtig gemacht. Wenn er tatsächlich glaubt, diese Menschen »von gestern« seien »dem Heute überlegen«, geht es letztlich doch wieder nur um ihn selbst. Er weiß eben noch, wie man gestern spazieren ging, um nicht zu sagen ergebnisoffen flanierte, und latscht nicht einfach dumm herum wie die Heutigen. Genau solche Selbstglorifizierung qua Sich-gleich-Machen mit den Säulenheiligen griff Henscheid – der etwa Adornos Schriften immer sowohl affirmierte als auch angriff – mit seiner Kritische-Theorie-Rezeption stets an. Klaue wird das bei mir halt nicht lesen oder hören wollen.

Der ((un)aufhaltsame) Aufstieg des Arturo Ui

Heißt Brechts Faschismus- und Gemüsegangster-Stück jetzt »Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui« oder »Der unaufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui«, zefix. Anscheinend und ausweislich zahlreicher Forschungstextbelege wird es auch in der Gelehrtenwelt zu genau gleichen Teilen falsch und richtig gewusst, letztlich kann niemand mehr sagen, wie es objektiv heißt.

Suhrkamp zieht sich ›elegant‹ aus der Affaire:

The silent »…, übernehmen Sie!«

Wenn bei Star Trek jemand einen Posten auf der Brücke verlässt – wegen Brotzeit, Schichtende, Anschiss im Ready Room von Cpt. Janeway, oder weil was Besseres und/oder Spannenderes zu tun ist –, kommt sofort jemand und übernimmt. Und zwar ohne, dass expressis verbis ein Befehl zu erfolgen hätte.

Geschähe Gleiches doch auch, wenn ich mal vom Schreibtisch aufstehe und ein Päuschen einlege. Damit, dass eine Ersatzperson die ganze Zeit wartend im Eckchen stehen müsste, würde ich mit der Zeit schon umzugehen lernen.