
Für den Schneid, Selbstverständlichkeiten wie Siglen- und Literaturverzeichnis als »Service« zu verkaufen, muss eins einem gewissen Wissenschafts- und Schulbuchverlag fast anerkennend auf die Schulter klopfen.
Nachdem der neue Twitter-Chef 50 % der Belegschaft ›abgelegt‹ hat – was freilich einige Leute mehr dazu gebracht hat, sich einen neuen Arbeit›geber‹ zu suchen –, scheint, sehr wahrscheinlich ›bottom‹-›up‹, die Erkenntnis sich durchzusetzen, dass damit das reibungslose Funktionieren dieser nicht unkomplizierten Plattform gefährdet wurde. Nun versuchen sie offenbar, so manche:n Mitarbeiter:in zur Rückkehr zu überreden – »Sorry, champ! That’s on my cap. It wasn’t meant like that. I mean, hey, buddy, don’t we all make mistakes? This here, this was perfect because of you. This is us. Remember Stringer Bell in The Wire? Big String? ›Us, man.‹ We need you here, always did, and always will. So, how ’bout a fresh start? Everything just as perfect as before? Here, grab a beer, and let’s have a chat.«
Warum jetzt auch noch ich mich, hier, über diesen Wannabe-Memelord, der nichts auf der Welt sehnlicher will, denn als lustig wahrgenommen zu werden, es aber einfach nicht ist, und wenn er als reichster Mensch der Welt Tausend mal Tausend Waschbecken in eine Firmenzentrale trüge für einen dümmlichen Wortwitz? Weil mich der ganze Quatsch an diesen alten Beitrag erinnert hat, demzufolge das alles, gewissermaßen nostradamisch, vor 234 Jahren schon geahnt worden war: Bewunderung und Ehrfurcht.
So manche*r las als Kind Wissenswertes über das Weltall, die Dinosaurier, erstaunliche Technologie und anderes in der Kinderbuchreihe WAS IST WAS des Tessloff Verlags. Mir selbst hat sich diese Marke so sehr eingebrannt, dass ich mir beim Anblick des folgenden Tessloff-Kleinkinderbuchs – völlig zurecht, meines Erachtens – die alberne Frage stelle: Warum heißt das nicht WO IST WO?

Zugegeben, der Titel gäbe nicht viel Inhalt her (»Links ist links.«, »Oben ist oben.«, …), außer man behandelte ihn philosophisch. Aber ich habe eine Slightly-offtopic-Anekdote: Im Bachelorstudium der Germanistik besuchte ich ein Hauptseminar namens »Das Motiv des Sterns bei Paul Celan«. Neben Poetologischem, Kabbalistischem und Holocaust- wie Antisemitismusthematisierendem war zentraler Gegenstand des Seminars Celans Beschäftigung mit physikalischen und technologischen Erscheinungen, unter anderem aus den Bereichen Astronomie und Astrologie. Das Referat der Sitzung zu den beiden letztgenannten Themen hielt eine Person, die das Seminar wahrscheinlich aus stundenplanökonomischen Gründen besuchte. Die Quellenliste am Ende ihrer Präsentation zeugte von ausgeprägter Lustlos- und Wurschtigkeit und versprühte das redbullgesättigte Air des »Die ersten drei Google-Treffer für ›Astrologie‹«. Enthielt sie doch u. a. – ich schwöre, ich lüge nicht – eine URL von wasistwas.de. Und zwar bierernst als adäquate Informationsquelle. Jede*r sollte von mir aus mit bestmöglichen Ergebnissen bei geringstmöglichem Aufwand von der Uni abgehen, aber darüber habe ich mich doch geärgert. Ich meine, wasistwas.de, im notabene Lehramtsstudium?! Mit so einer Quelle wirst du in der 8. Klasse Realschule vom Hof gejagt.
Warum heißt es Nordseitenwohnung und nicht Schattenhaushalt
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Warum heißt es Obsthandel GmbH & Co. KG und nicht Fruchtbringende Gesellschaft
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Warum heißt es Kannibalen-Mahlzeit und nicht Leichenschmaus
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Warum heißt es Kletterhallen-IS und nicht Boulder Daesh
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14 oder 15 Jahre war ich alt, da machte ich bei einem riesigen deutschen Automobilhersteller ein Praktikum als Werkstoffprüfer. Diesen Ausbildungsberuf hatte ich zuvor bei einem Tag der offenen Tür mit volksfestartiger Umrahmung für mich auserkoren. Während dieses Praktikums erlebte ich etwas, das ich bis heute für ausgemachten Schmarrn hatte.
Ich und die anderen Praktikanten (ja, alle m) sollten irgendwelche kleinen Dinger ganz genau wiegen. Dazu gab es in der Abteilung eine recht genaue Waage mit einem würfelförmigen Plexiglaskasten von wahrscheinlich 15 cm Kantenlänge über der Wiegefläche, dessen obere Fläche als Klappe diente. Wir sollten die kleinen Dinger auf die Waage legen, dabei aber darauf achten, die Klappe oben ganz schnell zu öffnen und ebenso schnell wieder zu schließen. Denn: »Die Luft wiegt auch was!«, wie uns die uns betreuende Auszubildende einschärfte. Worauf ich innerlich mit einer ausgeprägten Finger-um-die-Schläfe-Geste reagiert habe.
Denn mal ehrlich: Das ist doch ausgemachter Schmarrn. Natürlich bin ich kein Luftdruckskeptiker, -kritiker oder gar -leugner (wohl aber Blutdruckleugner) und erkenne an, dass auch Luft was wiegt, obwohl es nur Luft ist, aber: Als könnte eins auf diese Weise das Messergebnis beeinflussen. In Wolkenkuckucksheim vielleicht!
Welche Messgenauigkeit die Waage hatte, weiß ich gar nicht mehr. Recht viel besser als eine Feinwaage zum Espressoabwiegen dürfte sie jetzt auch nicht gewesen sein, also ein Zehntelgramm Messgenauigkeit wahrscheinlich. Und selbst wenn es ein Hundertstelgramm gewesen wäre: Kein Mensch kann durch schnelles Deckelöffnen und ‑schließen eine relevante Menge Luft aus so einer Waagenabdeckhaube draußen halten. Das Teil machte auch keinerlei Eindruck, irgendwie luftdicht zu sein.
Wenn ihr mich fragt: Wäre der Kasten luftdicht gewesen und im Innern die Luft abgesaugt worden, wäre das Ergebnis auf der Anzeige zu merken gewesen. Schließlich wiegen 3,375 l Luft (= Würfel mit 15 cm Kantenlänge) bei einer angenommenen Dichte von 1,293 g/l immerhin 4,363875 g! Dann hätte ich gestaunt, denn das hätte ich mit 14 oder 15 Jahren nun wirklich nicht gedacht. So jedoch habe ich mich damals sehr gewundert und zwei Dekaden später schreibe ich es ins Internet.
Gelernt habe ich dann einen anderen Beruf bei einer anderen Firma.
Im Lied »Lichterkinder« der Gruppe Lichterkinder rappt das Mädchen die Strophen e x a k t im Duktus von Sido (z. B. ab Min. 0:56) – ich kann nicht aufhören, mir vorzustellen, wie Sido dieses Lied, sekundiert von einem Kinderchor, bei einem St.-Martins-Special im Fernsehen performt:
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Die berühmteste Tochter von der Elbe
Ist nach wie vor der Spice Girls’ Mel B.
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Am schönsten in der Alten Mälze
Sang nach wie vor der Spice Girls’ Mel C.
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Am liebsten schlug der Spice Girls’ Emma
Die anderen Girls im Ring bei MMA
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Als liebsten Snack aß Mon Chérie
Das rote Spice Girl, die Geri
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Der Ehemann aus den Hallen von Moria
Sie elfengleich sportlich: Spice Girl Victoria
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»Bitte nehmen Sie den Nachweis zu Ihren Versicherungsunterlagen.« Sehr gerne, aber: Bitte locht die Unterlagen doch, bevor ihr sie verschickt. Lochen konnten sogar manche Kopierer an der geisteswissenschaftlichen Fakultät, an der ich studiert habe (und auch tackern!), das kann für eure riesigen Briefproduktionsmaschinen ja gar kein Problem sein. Oder haltet ihr eure Kund*innen sämtlich für Verwaltungsbeamt*innen, die auch zuhause ihren Papierkram in Hängeregisterschränken aufbewahren statt in, wie es normale Menschen tun, O r d n e r n ?
Gelobt habe ich Nr. 5, mein aktuelles Smartphone, schon oft. Jedes Lob unterschreibe (?) ich nach wie vor. Jetzt, nach zwei Monaten, gibt es Grund zum Tadel.
Diese Woche wurde das Gerät auf Android 12 upgedatet. Viel, viel später erst als Geräte manch anderer Hersteller und während Android 13 bereits draußen ist. Und das, obwohl die Updatepolitik von OnePlus noch vor kurzem, als ich für die Anschaffung recherchiert habe, als außerordentlich flott bezeichnet wurde. Grmpf.
Was das Update im Detail alles bewirkt, vermag ich wie so oft gar nicht zu sagen. Hauptsache, up to date. Eine Neuerung finde ich aber dämlich, um nicht zu sagen: beknackt. Geschuldet dürfte sie dem Zwang des Kapitalismus sein, permanent mit Neuem aufwarten zu müssen, obwohl es gar nicht permanent was Neues gibt/geben kann. Und so entschied OnePlus sich, das gewöhnliche 12h-Ziffernblatt zu ersetzen durch ein 24h-Ziffernblatt:

»Die wissen auch nicht mehr, wie sie spinnen sollen!« (Oma, in anderem Zusammenhang) Die normale Uhr ist noch im 12h-Format. Noch!