Noch mal HAZ

Neulich beschwerte ich mich über Käseblätter im Allgemeinen und die Hannoversche Allgemeine Zeitung im Besonderen. Diese Zeitung hätte ich bei einer sich bietenden Gelegenheit nur aus dem Grund probeabonniert, um was für unten in den Biomüll rein zu haben. Eins mag mich dafür schelten und das für eine viel zu grobe und ungerechtfertigte Schelte für diese Regionalzeitung und allgemein für solche Käseblätter halten. Doch will ich sie verteidigen. Denn zwei, drei Tage später nehme ich einen Bogen der Zeitung ab, um ihn in den Biomüll unten rein zu tun, da fällt mir folgende Überschrift in die Augen:

Artikel-Ausschnitt aus der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung mit der Überschrift »Musk kündigt Amnestie für Twitter an«
Hannoversche Allgemeine Zeitung, im November 2022

Wie schon beim neulich angeführten und bei 100 Milliarden anderen Beispielen stimmt die Überschrift bis höchstens um Haaresbreite. Schließlich hatte Musk entweder auf Twitter Amnestien angekündigt oder Amnestien für Twitteraccounts. Eine »Amnestie für Twitter« jedenfalls hatte er nicht angekündigt.

Meine Hoffnung ist, dass ich nicht irgendwann werde wie solche Sprachpäpste wie Wolf Schneider (requiescat trotz allem freilich in pace), Walter Krämer, Bastian Sick oder wie so hängengebliebene verbittert-verbiestert-verhärmte alte Linksintellektuelle, die sich Arthur Schopenhauer, Karl Kraus und Hermann L. Gremliza als sakrosankte Haushalbgötter halten und für sie mit der spitzen Feder ins Weißfeld ziehen wie weiland die Kreuzzügler für Jesus Christus.

Under a FIFA Moon

Keine Sekunde Aufmerksamkeit sei der Männerfußballweltmeisterschaft in Katar geschenkt, bloß den Unmenschlichkeiten, die den Menschen dort angetan wurden/werden. Und die FIFA gehört verboten und eingesperrt (?).

So denkt’s in mir und wohl auch in manch anderen. Nicht so in den beiden Misanthropen, die das Black-Metal-Duo Darkthrone bilden – die ergötzen sich genrepflichtgemäß am Leid und krächzen momentan die böse lange Nacht lang den »Qatarian Life Code«.

Sisyphosarbeit¹ Bildredaktion

Meine Güte, wie lange muss in der armen Bildredaktion von tagesschau.de jemand nach einem Foto von Shinzō Abe (eigentlich: Abe Shinzō) mit langem Schatten gesucht haben? Um dann nur eins zu finden, dem doch wieder jemand den Vorwurf der Text-Bild-Schere machen kann?

Bzw. macht, denn tatsächlich hat Abe auf dem Bild drei lange Schatten.

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¹ Wenn die Medien ständig mit solchen cool klingenden, aber um mindestens Haaresbreite unpassenden Ausdrücken hantieren, werde ich das ja wohl auch mal dürfen. Verklagt mich doch!

Quatschgefahr

Mein guter Freund M. und ich: Wir kennen uns seit elf Jahren, vor neun Jahren verschlug es ihn studienbedingt von N. nach D., während ich in N. verblieb, vor drei Jahren übersiedelte ich nach H. und begann vor einem Jahr, in W. zu arbeiten, vor wiederum zwei Monaten nahm er eine Arbeit in – wundersamerweise – W. auf, und seitdem waren wir des Öfteren abends aus, wenn ich unter der Woche in W. bin.

Also angesichts dieser Vorgeschichte und zumal dieser letzthinnigen wirkungsortverschmelzenden Kulmination – also da müssen wir aufpassen, dass wir nicht plötzlich einen Podcast machen.

Backerbsen

Kennt ihr Backerbsen? Also ich schon. (Falls jemand nicht: s’il vous plait.) Jedenfalls wollte ich diese leckere Suppeneinlage kürzlich haben, wurde aber von den Märkten enttäuscht. Discounter N. und Discounter P. hatten sie nicht im Sortiment. Supermarkt R. ebenfalls nicht, doch dort wurde wurde ich zu allem Überfluss auf meine Nachfrage bei einer Regalkraft hin angeschaut wie ein Auto und sah mich in der misslichen Lage, urplötzlich erklären zu müssen, was Backerbsen überhaupt sind. Bei Discounter L. wüsste ich blind, wo sie stehen (beim Suppenkram auf den Tiefkühltruhen), aber da kam ich nicht hin.

Naja, dass die Märkte nicht mehr so stabil regeln wie gewohnt, daran müssen wir uns in diesen Zeiten wohl gewöhnen.

Confessiones (I)

Neulich bestellte ich zum ersten Mal etwas bei der Onlineversandsparte eines Discounters. Um mich für künftige Bestellungen warmzuhalten, bot er mir kurz vorm Kaufabschluss – oder kurz danach? – ein Geschenk an. Was alles angeboten war, weiß ich nicht mehr, ich habe mich sehr schnell für ein kostenloses 14-Tage-Probeabo des lokalen Käseblattes Hannoversche Allgemeine Zeitung entschieden, das nach Ablauf der 14 Tage automatisch endet. Und ich gestehe: Keine Millisekunde, ja nicht mal eine Tausendstelsekunde dachte ich daran, die Zeitung zu lesen. Der Entscheidungsgrund war – ich gestehe –, kein anderer, als dass ich Papier für unten in den Biomülleimer rein brauchte.

Zu meiner Verteidigung: Ich kannte die HAZ schon. Und solche Käseblätter und ich, wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ein Beispiel, das mich am vergangenen Montag am Postkasten begrüßte:

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21.11.2022, S. 1

Und was soll ich sagen: Was Möchtegern-Memelord Musk mit Faschisten-Trumps Twitteraccount gemacht hatte, ist eben kein »Umstrittener ›Freispruch‹«. Es ist vielmehr, wenn man schon auf das depperte umstritten nicht verzichten will kann und aus der Accountsperre bildlich unbedingt eine Strafe im juristischen Sinne machen muss, eine »Umstrittene ›Begnadigung‹«. Trump hatte sich ja nicht in einem laufenden Prozess befunden, dessen Urteil noch ausgestanden hätte. Und es hatte, um uns weiters in den juristischen Bildbereich zu zwingen, keine Revision stattgefunden, sondern MMM hatte eine Twitterumfrage zur Entsperrung des Accounts gemacht, die mit ca. 52:48 % Ja-Stimmen etwas deutlicher ausgefallen war als die gewöhnliche Präsidentschaftswahlenzitterpartie in dem so »tief gespaltenen Land« (HAZ, möchte wetten).

Niemand kann von mir erwarten, dieses Blatt zu lesen. Verklagt mich doch!