Homer Simpson und die Bibel

Homer Simpson ist wohl gar nicht so dumm und ungebildet, wie alle immer denken! In irgendeiner Folge, es muß eine nach den goldenen ersten elf Staffeln gewesen sein, wird er gegen seinen Willen per Flugzeug irgendwo hingeflogen; ich meine mich zu erinnern, daß er sogar außen am Flieger dranhängt. In seiner Angst und Verzweiflung ruft er höheren Beistand an: «Rette mich, Jebus!»

«Haha, lustig!», lachten darüber alle, «er muß Woche für Woche in die Kirche gehen und weiß trotzdem nicht mal richtig, wie einer der dortigen Drittelchefs mit Vornamen heißt – wie peinlo!» Peinlo aber in Wirklichkeit für alle, die den Serienmacher/innen dergestalt auf den Leim gingen, denn sie kennen das alttestamentliche Buch Deuteronomium nicht. Dort ist in Vers 20,17 Weiterlesen

Lob der Korrektorin

Werbeanzeige Die Korrektorin (für größere Ansicht klicken)

Liebe Korrektorin,

meine wissenschaftliche Arbeit »sollte mit Sprache überzeugen«? Erstens und prinzipiell: Ja womit denn sonst. Zweitens und speziell: »mit Sprache, Stil überzeugen« – schonmal was von »sprachlich« und/oder »stilistisch« gehört?
»12/24 Stunden Express-Auftragsservice«, »Online Plagiatsprüfung«? Some Bindestriche to the rescue!
»Eine Investition in das Korrekturlesen bedeutet gleichzeitig eine bessere Note!« NEI-EN! Schonmal was von »kann … bedeuten« gehört?
»Überlasse nichts dem Zufall« – ja unerhört, was erlaubst Du Dir eigentlich! Glaubst Du, ich würfle aus, wo ich Kommas hinmache, und lasse den Inhalt von Enzensbergers Poesieautomaten zusammenklumpatschen?
»sollte perfekt sein« – Ja Krustifix, muß denn alles und noch der mediokerste Alltagsquatsch immer in allerdeppertster Neon-/Startup-Mindset-/Harmony-lifestyle-Manier »perfekt« sein? Drunter tut ihr’s alle nicht mehr, oder?

Liebe Korrektorin, Deine Werbung für deine Korrektoratsdienste »sollte perfekt sein und mit Sprache, Stil und Layout überzeugen!« Also laß beim nächsten Mal besser jemanden nochmal drüberlesen, bevor Du Deine Reklamezudringlichkeit an die Wand ÜBER DEN URINALEN DER MENSATOILETTEN HÄNGEN LÄẞT, wo mann ihr schutzlos ausgeliefert ist.

Grüßt lektorierend:
Andreas

Tocotronic, ‹Die Unendlichkeit›

Ohne es selbst gelesen haben zu müssen, da ich zu diesen Zeiten noch ein in solchen Dingen unbedarfter Heranwachsender war: Gewiß stand anläßlich der Tocotronic-Platte ‹K.O.O.K.› (1999), spätestens jedoch 2002, angelegentlich des weißen Albums ‹Tocotronic›, in Musikpostillen vielfach folgender Denkfaulheitsunfug zu lesen:

«Tocotronic sind erwachsen geworden.»

Na freilich, man brazzte nicht mehr nur mit Weiterlesen

Henscheid d. J. über Adorno über »Fit« »for« »Fun«

„Ach!, hätte Adorno doch das Erscheinen der Zeitschrift ‹Fit for Fun› noch erleben dürfen, er hätte im Dreieck geschrieben! Elysisch-flirrend-herzumspielend die Vorstellung, wie er, der inneren Logik des Titels folgend, beginnend beim Stahlbad »Fun« über das zwecklerische »for« zum die Autosuppression indizierenden »Fit« sich, hihi, vorarbeitend Kaskade um Kaskade, stetig komplexer werdend wie stets, in die Schreibmaschine meißelt – freilich ohne Weiterlesen

Heilsamer ‹Rauch›

Das gefällt mir: Apotheker, die auf dem Boden geblieben sind, für die sich der Kontakt zum Volk nicht auf das Entgegennehmen riesiger Geldscheine über die Apothekentheke hinweg beschränkt.
«Schrauben Sie sie», gemeint ist die Großtube der Salbe, die ätherische Öle enthält, «halt immer fest zu, damit sie», gemeint ist die Salbe, «nicht ausraucht.» Dieser Apotecarius popularis macht sich also nicht nur Sorgen, daß das wertvolle Zeug meine Investition nicht vollständig lohnt, sondern vermittelt mir das auch noch auf für mich unmißverständliche Weise. Welch schillernde, gar irisierende, doch für mich Laien womöglich nebulöse pharmazeutische Fachausdrücke er hätte verwenden können, aber nein!, er entscheidet sich für das bäuerlich-bodenständig-ordinäre «ausrauchen», das ‹unsereins› für alles verwendet, dem Aroma innewohnt, das bei unsachgemäßer Lagerung mit Verduftung droht.
Und wie nebenbei hatte der Down-to-earth-Apotheker noch meine nur zart-maskulinen Hände im Blick und mit ebendiesen, daß ich nicht zu denjenigen Personen gehören kann, die beim Hinweis darauf, man möge etwas fest zudrehen, hergehen und mit ihren klodeckelgroßen und currywurstdick befingerten Grobianpranken so fest herumschrauben, daß das Gewinde ächzend über- und schließlich durchdreht; womit der heilsame ‹Rauch› der Salbe denn auch fröhlich vor der Zeit und ungenutzt entweichen könnte.
Danke, Apothekenmann! Wenn die Salbe in einigen Jahren aufgebraucht ist, kauf’ ich wieder bei Dir!

Danke für nichts

Es folgt ein Ernst-Beitrag aus dem Salon de Critique:

Deutsche Serienübersetzer/innen, was ist nur los mit euch? Erfreut ihr euch so sehr am spoilern oder glaubt ihr, euer Publikum ist in der Mehrheit grenzdebil und ihr könnt auf es herunterspucken?
Es gibt da eine Folge der Sopranos, die heißt im Original ›Proshai, Livushka‹. (Wer The Sopranos noch nicht gesehen hat: SPOILER ALERT.) Bei diesem Titel fragen sich nicht nur die deutschsprachigen, sondern auch die anglophonen Zuschauer/innen sofort: »Ja Menschenskind, Weiterlesen

Ein halbes Dezennium Goldt

Heute sehe ich zum fünften Mal in Folge Max Goldt, den (man verzeihe mir den eigentlich unpassenden, aber zum Zwecke der Alliteration verwendeten Ausdruck Doyen) Doyen der Digression, ‹zwischen den Jahren› im Nürnberger Hubertussaal. Das ist mittlerweile zur süßen Gewohnheit geworden wie der alljährliche grippale Infekt nach den Weihnachtsfeiertagen – der dieses Jahr allerdings, «toi toi toi», erfreulicherweise ausblieb.

‹Zwischen den Jahren›, das sagen die Leute, weil ihnen als «Jahr» nur die Zeit ehrlicher Hände Arbeit gilt, was recht hübsch auch durch das Gegensatzpaar «unter der Woche» für die Werk- und «Wochenende» für die arbeitsfreien Tage Sams- und Sonntag illustriert wird. Denn ‹zwischen den Jahren›, Weiterlesen

Metal News

London: Die britische Heavy Metal-Band Iron Maiden läßt sich ab 2018 von Google sponsern. Das Bandmaskottchen Eddie the Head wird fortan Edward »Eddie« the Head heißen, allerdings in der Google-konformen Schreibweise Adword »Addie« the Head. Das bandeigene Flugzeug Ed Force One (Boeing 747-400) wird umgetauft in Ad Force One.

Dies alles wird, wie man sich in Metalzeitschriftenkreisen einig ist, unter den Fans erwartungsgemäß zu Verwirrung (»Wie spricht man ’n Eddies Namen nu’ aus? Edwörd?«) und Verärgerung führen (»Was für eine Kommerzkacke! Bis 2017 waren Maiden noch trve Heavy Metal von Arbeitern für Arbeiter! Wo sich andere Bands von Anfang an im Tourbus durch die Gegend kutschieren lassen, setzt sich Bruce Dickinson bis heute selbst ans Steuer ihres Flugzeugs! Wahrscheinlich kosten die Tickets bald nicht mehr nur über 100, sondern über 200 Euro – aber dann können die mich sauber am Arsch lecken und hundertmal auf Tour ausschließlich die guten Sachen aus den 80ern spielen, da komm’ ich nicht mehr!«). Merkliche Gewinneinbußen befürchtet die bandeigene Firma Iron Maiden Holdings Ltd. (kein Witz) auf Nachfrage hin jedoch nicht.