Urlaubsbericht

Ah fuck ich bin zurück vom Urlaub und hab kein Strandsonnenuntergangsfoto für WhatsApp etc. gemacht! Dummerweise war ich nicht mal am Meer, und ein Sonnenuntergang am Hamburger Hafen kommt höchstens auf Postkarten cool. (Bei Hamburg glaubt man ja immer nur, es läge am Meer, in echt tut’s das gar nicht.) Mir scheint, nächstes Jahr müsse ich Urlaub neu denken.

Nicht mal erlebt haben wir was. Teurer Freund und Reisebegleitung M. und ich erledigten unser Reisetagebuch in einer Unscheinbarkeit, die vom normalen Alltag kaum zu unterscheiden ist. Zumindest nicht von dem von Leuten ohne Arbeit, aber mit ÖPNV-Ticket und genügend Geld für Kaffee, Pils und Fischbrötchen. Gut, abgesehen vielleicht von der wilden Fahrt in der Güterlore durch die Goldminen, die – kaum jemand weiß das! – ein Gutteil Hamburgs unterkellern, in die wir unversehens stolperten, als wir uns gefragt hatten: «He, geht’s hinter diesem Gitter wohl in die Kanalisation?» Und abgesehen vielleicht von dem Bein, das wir diesem einen jamesbondesquen Geheimagenten in den Docks am Hafen stellten, der daraufhin von acht Vermummten in bayerisch anmutenden Fantasieuniformen per Sturmgewehre und Handgranaten zu Stallfutter für die Almkühe verarbeitet wurde. («Hä, was soll denn der Schmarrn hier, wart ihr nicht in Hamburg?») Und abgesehen vielleicht von den sexi Abenteuern in den überdachten Swimmingpools der Villen an der Elbchaussee. Wie gut, dass die überdacht sind alle! Ich mein, in einen mordsenergieintensiv beheizten Jacuzzi kannst du dich bei 12 °C schon auch noch reinhocken, aber Arschbomben und Bauchplatscher machst du da halt Anfang Oktober nicht mehr. «Macht man in Jacuzzis auch im Sommer nicht, weil die erstens zur Entspannung da sind und zweitens meist eh viel zu klein, so dass du dir nur böse was anhaust, wenn du da wie so ein Grundschüler reinspringst!», mag eins hier einwenden. Und ja, mag sein – über die sexi Abenteuer schweig’ ich mich dennoch aus, hähä. Die übrigens nur zustande kamen, weil wir auf der Fahrt mit der Goldminengüterlore ein stattliches Säckel mit Gold füllen konnten und es den Chefs der Vermummten gefiel, uns mit sexi Poolabenteuern für das gestellte Bein an den Docks zu belohnen. «Hä, aber wenn die Poolabenteuer Belohnung waren, wozu brauchtet ihr dann das Gold?» Ja weil wir die sexi Pooldamen freilich selbst bezahlen mussten. «Sonst noch was? Die bezahlt ihr schon selbst, ihr versoffenen Hafenmaatjes!», hatten uns die finsteren Herren nämlich angeherrscht.

Poren, Bratwürste und Babykatzen

Wer mal wieder die Poren seiner Gesichtshaut erkunden möchte, sich aber kein gehobenes Hotelzimmer leisten kann, in dessen Bad ein Porenspiegel installiert ist, könnte zum Beispiel zu den lieben Matthias und Sonja Warkus nach Jena fahren. In deren Badezimmerspiegel ist nämlich ein solcher Spiegel i n t e g r i e r t ! (Evtl. vorher fragen, ob’s cool geht, dass man zur Porenkontrolle vorbeikommt.) Woher ich das weiß? Weil ich sie von Samstag auf Sonntag besuchte.

Erste Erkenntnis: Es gibt ihn wirklich. Niemand hat sich Matthias ausgedacht oder verstellt sich fürs Internet oder so – ich habe sogar seinen aus Facebookvideos bekannten Morgenmantel gesehen. Als ich nachts um drei im Bad stand, um mich nachtfertig zu machen, erwog ich sogar, für ein Selfie mal reinzuschlüpfen und das dann zu posten. Hab’ ich aber dann doch nicht gemacht; man geht ja schließlich auch nicht zur Queen und setzt sich heimlich ihre Krone auf oder zu Dwayne »The Rock« Johnson und hängt sich seinen WWF-World-Heavyweight-Champion-Gürtel um. Zwar bräche Matthias einem wohl nicht – wie The Rock oder die Queen – gleich das Genick und risse anschließend das ganze Rückgrat bis zum Steiß heraus, dennoch unterließ ich das Bademantelselfie, da es mir unziemlich erschien.

Als Mitbringsel bringselte ich ihnen eine Dose Nürnberger Rostbratwürste (10 St., bereits gegrillt, man muss sie nur noch erwärmen!) und eine Dose Sauerkraut (ebenfalls im Nürnberg-Design, bereits vorgekocht, je nach Bock ggf. mit Speckwürfeln oder Kümmel verfeinerbar) mit. «Poah, wie meeega unoriginell!», mag man nun einwenden. Worauf ich nur unerbittlich erwidern könnte: «Joa, aber wat willste machn, wennste aus Nürnberg kommst…» Gedacht war es eigentlich als romantische Zwischenmahlzeit für die beiden: flugs alles auf Genusstemperatur gebracht und dann schön auf der Couch jeder fünf und eine Hälfte Kraut bei Kerzenschein und Wein (im Weinviertel Jena-Winzerla haben Wasserhähne übrigens die Stufen «kalt», «warm» und «Wein». Daher gibt’s dort deutschlandexklusiv in Baumärkten nur Zweihebel-Mischbatterien, wobei einen der zweite Mischhebel zwischen Weiß- und Rotwein wählen lässt. Theoretisch könnte man sich also z.B. eine warme Rotweinschorle ohne Kohlensäure genehmigen).

Dann kam es jedoch ganz anders: Auch Matthias und Sonja hatten Bratwürste vorbereitet, und das nicht zu knapp. Neben Thüringern gab’s auch welche aus Matthias’ Herkunftsregion, der Pfalz, und, obwohl die nicht aus dieser Pfalz, sondern der ostbayrischen Oberpfalz stammen, sogar Pfälzer (ist ja wurscht, dass die ‹nur so heißen›, auf den Effekt kommt’s an). Als ob diese nicht schon genügt hätten, sagten sich die beiden beim Metzger: «Och, wo wir schon hier sind: Frankfurter und Wiener nehm’ wa auch noch!»
Aus dieser Selektion feinster Brätspezialitäten zauberten sie dann ein Gedicht, wie man es sonst nur von Konfekt- und Pralinendarbietungen gewohnt ist. Erlesene Häppchen, garniert mit Sauerkraut, das an Rankenornamente des Jugendstils erinnerte. Freilich geschah dann, was geschehen musste: Beim Anrichten ließen wir die Teller für einen kurzen Moment aus den Augen – und blickten im nächsten Moment auf leere Teller und die zufriedenen Mäuler der beiden Babykatzen Fluse und Chewie. Natürlich konnten wir den beiden süßen Fellknäueln nicht böse sein und lachten alle herzlich, wobei wir uns leicht die Bäuche hielten (teils vor Lachen, teils vor Hunger). Dennoch kam anschließend, was kommen musste: Die österreichische Nachwuchs- und Skandalautorin Stefanie Sargnagel trat die Wohnungstür ein, um dieser einen anderen österreichischen Nachwuchsautorin Zutritt zu verschaffen, welche dann mit Schmackes und Genuss wie gewohnt Babykatzen trat. Diesmal zwar nicht ohne Grund, aber dennoch eine ziemlich danebene Aktion. Die Kommentarspalten-Suderanten waren außer sich! (Offenlegung: Dieser ganze Abschnitt ist komplett ausgedacht. Sonja und Matthias kochen allerdings sehr lecker! Es stimmt einzig, dass ich Fluse und Chewie im Kampf gegen das Verbrechen erlebte, aber dazu ein andermal.)

Komikkritik (2)

Kylo-Ren-Darth-Vader

Kylo Ren unterschreibt auf einer Karte für seine Mutter natürlich mit «Kylo Ren». Durch die distanzierte Ernsthaftigkeit des vollen Namens wirkt die Nachricht denn auch gleich derart unglaubwürdig, dass der Witz gar nicht mehr lustig ist (warum schreibt «Kylo Ren» dann nicht auch gleich «Han Solo» statt «Dad»?). Wie ich die Ernsthaftigkeit dieses KK-Häppchens ebenso gut unterlaufen könnte, indem ich es beendete mit:
Tschausn-Popausn, Euer Candy-Andi!

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Tweet-Quelle des Screenshots: https://twitter.com/DepressedDarth/status/863806259056844801

Der Flaneur

Pegnitz-Flaneure

bitte mit extremer Heinz-Strunk-Wüterichstimme lesen: SAGT MAL, LEST IHR EUCH DIE SCHEIßE ÜBERHAUPT DURCH, NACHDEM IHR SIE IN EUREM HARMONY-LIFESTYLE-SCHRIFT-DURCHEINANDER MIT ZEHN VERSCHIEDENEN, ‹INDIVIDUELLEN› SCHRIFTARTEN AUF DIE SCHIEFERTAFELN EURER NORMIERTEN IN-LOKALE GESCHRIEBEN HABT? EIN «Flaneur» IST JA WOHL KEINE «Gemächliche Fortbewegung»! *wüt* *schnaub* *schläfenaderplatz*

Tagtraum

Auf dem Nürnberger Hauptmarkt, wo sich Touristengruppe um Touristengruppe am «Schönen» Brunnen versammelt, um sich von Tourist Guides historische Fakten über Nürnberg erzählen zu lassen, stelle ich mich neben einen solchen, der gerade auf Englisch von der ersten urkundlichen Erwähnung Nürnbergs im Jahre 1050 erzählt, und verkünde wie eine Möchtegernreinkarnation Jesu Christi: «This is NOT TRUE! Nuremberg was founded in 2004 – by >>ME<< *deutet mit beiden Daumen auf sich selbst*
Before, this land was without form, and void, and darkness was upon the face of the deep…! *zieht Wörter in die Länge, als wäre er narrator einer Edgar-Allan-Poe-Gruselgeschichte*» (Geheimnisvoll, aber dramatisch ab.)

Programmhinweis für morgen, Sonntag, den 23.09.2018

Leute, ich bin im Radio, und zwar «morng!» (Camillo Rota)

Um 16 Uhr läuft die entzückende Sendung Eisenbart & Meisendraht – Magazin für Eigenart des zauberhaften Camillo Rota und noch so eines Typens, den aber keiner kennt. Mein Text «Der Kokon des Philosophen» erfährt darin seine Weltpremiere. Eingelesen habe ich ihn selber. Die Luft vor euren Empfangsgeräten wird erotisch glimmern und eventuell sogar flirren, so dass ihr den Rest der Sendung vor lauter Angegeiltheit wahrscheinlich gar nicht mehr mitkriegen werdet. Aber das wäre nicht so tragisch, denn nach ein paar Tagen wird’s die Sendung bei den üblichen Anbietern als Podcast geben.

Also, kurbelt euch rein: morgen, Sonntag, 16 Uhr, Radio Z (Nürnberg 95,8 MHz oder Livestream auf www.radio-z.net)!

Dekadik

Ein Philosophieprofessor wollte in einer Seminarsitzung mal «Dekadik» sagen. Er vertat sich dabei aber und sagte statt dessen «Dedakik». Sogleich hinwiederum fiel ihm sein Missgeschick auf, er korrigierte sich instantan, um den Schaden zu reparieren, und quakte ein zwar genau so falsches, aber immerhin froschhaft-längliches «Dedaaaakik» heraus. Nachdem auch dieser Versuch als gescheitert zu betrachten und Aussicht auf «Dekadik» nicht zu erkennen war, ließ er es bleiben und verließ das Reich der Zahlen lieber wieder.
Die allgemeine Erheiterung über dieses erquickliche Gequake war – überhaupt nicht zu spüren! Denn nur ich, alle anderen waren zu sehr mit ihrer Vernunft am karteln und teilweise, man konnte das sehen, sogar ins Reich der nackten Kategorien, ins reine Denken hinübertranszendiert, empfand sie überhaupt. Es, d.i. die Philosophie, ist ein ernstes Geschäft.