Manieren sind die Marinade des sozialen Umgangs.
Kurz notiert (11)
Die Zukunft der Schreibwaren: Schreibwerdensein.
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Am liebsten aßen Suffragetten
Schachtelweise Trumpf-Schogetten.
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Wenn ich meine Lieblingspizza gegessen habe, habe ich zwar ein Verdauungstief, aber gleichzeitig ein Vierkäsepizzahoch.
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Jever Stahlbad (dialektisch-herb)
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Bauernverbandspräsident – mein liebstes Ährenamt!
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Bei besonderen Anlässen gibt’s bei Satanistens immer Baphometigel!
Der Junge und der Aufkleber
In der U-Bahn stand mir vor einiger Zeit am Mittag ein Schulbub gegenüber, wohl 12 Jahre alt, einen mordsschweren Schulrucksack im Flecktarndesign auf dem Rücken, Turnbeutel in der Hand, gekleidet in eine kindlich-ungestalte Kapuzenjacke, patchbewehrtes Shirt, Jeans, alles irgendwie in dunkelblau, unter dem Käppi stieben die Haare ringsum hervor, zwar noch nicht zu lang, aber dennoch sollt’s mal wieder zum Friseur gehen. Als er sich etwas zur Seite dreht, fällt mir der Aufkleber auf, der auf seinem Rücken klebt.
Kein Patch wie auf dem Shirt, der gehört da nicht hin. Ich beuge mich rüber, tippe ihn an und sage: »Du hast da einen Aufkleber aufm Rücken!« »Was?«, will er wissen, weil ich red’ manchmal so undeutlich und für den öffentlichen Raum zu leise. Bevor ich’s ihm nochmal sag’, zieh’ ich ihm den Aufkleber vom Pulli und gebe ihn ihm. Er stöhnt genervt und rollt die Augen an die U-Bahndecke. Ham sie es also mal wieder geschafft diese Hurensohn-Scheißewichser denen hau’ ich so eine rein, und ihm, dem plumpen Pausbackenjungen, eins aufgeklebt, Quatsch: ausgewischt. Voll peinlo scheise, so was in der Art wird er denken. Ich lehn’ schon wieder gegenüber, bei der nächsten Haltestelle fällt ihm ein, »Danke!« vergessen zu haben und ruft’s zwischen den Aussteigenden hindurch. Mein »Gerne!«, ich fürchte, er hört’s nicht.
Gerne – gern würd’ ich ihm auch sagen, es sei gar nicht tragisch, er brauche sich nicht zu genieren wegen des Aufklebers, keine normale Passantin würde ihn deswegen für einen Trottel halten, könne er ja nix dafür, auch nicht dafür, dass er aufm Rücken keine Augen hat; das komme halt mal vor und seine Zeit vielleicht auch noch. Gerne – aber heute bin ich einer der coolen Erwachsenen, der hilfsbereiten, der milden, gutherzigen, aber schweigenden. Von denen er nur zu wissen braucht, dass es sie auch noch gibt.
Alfred J. Kwacques
Von StudiVZ hab ich mich damals abgemeldet, weil ich das falsche Komma in dem Gruppennamen «Alfred J. Kwak ist hundert pro, manisch-depressiv» nicht mehr ausgehalten habe.
Wäre StudiVZ heute noch «a thing», ich würde in diese Gruppe nicht wieder eintreten, aber eine namens «Alfred J. Kwacques Derrida ist hundert pro manisch-dekonstruktiv» gründen.
Theweleit
Setze Nachruf auf Klaus Theweleit auf (Schublade): «Zum letzten Gheweleit»
Selbstauferlegung
«Mit Zitaten vom Kaliber ‹Goethe an Eckermann, 4.7.1827› oder ‹Benn an Oelze, 1.6.1952› werde ich wohl noch warten, bis ich die Vierzig überschritten habe; davor nimmt einen doch niemand für voll.» (Goethe an Benn, Quatsch: Lugauer an Internet, 10.11.2018)
Creme
Daß man an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg (WiSo) ist und nicht an der Philosophischen Fakultät in Erlangen, merkte man auch, wenn man blind wäre, weil an den Türgriffen in der WiSo immer Handcreme dran ist.
Aber die Frage lautet: Ist das so, w e i l die Leute mit übercremeten Händen an die Griffe langen, oder d a m i t die Leute nach dem Hinlangen an die Griffe eingecremete Hände haben – sozusagen als Creme-Service (im Wirtschaftler-Jargon: Cremium-Service) für die trockenen Wirtschaftlerhände, damit die Buchstaben auf den Computertastaturen der WiSo länger drauf bleiben und nicht vor der Zeit von rauhen Kratzhänden abgeschmirgelt werden –?
Kurz notiert (10)
Bin im Museum und das Auge ist mit.
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Zapfsäule, oder wie ich sie nenne: Tankstele
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Bauarbeiter – die Halbgötter in Schweiß
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Pflegemittelserie Anti-Fa – der frische rote Duft gegen 1000jährig’n Muff
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E-Zigarette vs. U-Zigarette
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Unser neues Digitalklo darf man, damit man’s nicht verkratzt, nur mit einem eBimsstein reinigen.
Vorlesungsverzeichnis
Am Institut für Historische Tontechnik gibt’s jedes Semester eine Ringvorlesung, in der man sich mit elektrischen Klingeln und Telefongeläute aus vorpolyphoner Zeit beschäftigt. Kann man sich mal anhören!
Kurz notiert (9)
Wenn Sigmund Freud ein Verhältnis mit dem einstmaligen SPD-Politiker Carl Leid gehabt hätte – dann hätten Freud und Leid manchmal dicht beieinanderliegen können!
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Platzreife, aber als Überreife von Obst, das es jeden Moment zerreißt
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Meine Sneakersocken bezahl’ ich immer mit extra gesparten Sneakersocken!
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Buffy Summers ist die Slaywall von Sunnydale
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Lieblingsauto im Kulturbetrieb: VW PhϾton
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Rohbaucop der Zollcyborg
(Netflix-Big-Budget über Schwarzarbeit am Bau – mutig!)
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Aus der wunderbaren Welt der Agrarlehrfilme: «Dung und Dünger»