»Ich bin ein Zahnarzt / und ich bin cool drauf«

Die sehr gute Zahnarztpraxis, deren Patient ich bin, hat den besten Service aller Zeiten. Die Mitarbeiter*innen an der Rezeption sind außergewöhnlich freundlich, hilfsbereit und entgegenkommend. Wartezeiten gibt es fast nie: Eins kann eine Minute vor dem vereinbarten Termin im Wartezimmer sitzen und wird dann maximal drei, wenn’s hochkommt: vier Minuten später in eines der zahlreichen Behandlungszimmer gebeten. Was ich in anderen Praxen schon herumgesessen habe! Zahnärzt*innen wie zahnmedizinische Fachangestellte führen, bevor sie die Untersuchung/Behandlung vornehmen, erst einmal ein, zwei Minuten Smalltalk der angenehmsten, weil unaufdringlichsten Sorte und eins darf etwa Auskunft geben, wie es denn so ginge, und zwar nicht nur Mundraum-related, sondern auch im Leben und im Beruf. Alle, wirklich alle scheinen irgendwie Kommunikations-gecoacht, aber wholesome und nicht auf die dumm-leere Business- und Coworking-Art.

Was ich besonders prima finde: Zwei oder drei Tage vor einem Termin, dessen Vereinbarung schon eine Weile zurückliegt, schellt das Telefon, es meldet sich eine Mitarbeiterin der Praxis und die sofort von der Hüfte aus wirbelsäulenmang zum Nacken und in den unteren Hinterkopf wallende Panik, ich müsse jetzt in diesem Moment eigentlich im Behandlungsstuhl sitzen und werde wegen dieser Säumnis bei Strafe des Untergangs auf ewig aus der Praxis verbannt, verfliegt, alsbald die Mitarbeiterin freundlichst gefragt hat, ob ich des bevorstehenden Termines gewahr sei. [Beim Lesen vor dem Veröffentlichen fällt mir auf, dass ich fast die Pointe dieses Beitrags vergessen hätte. Sie kommt jetzt.] Na, die werden schauen, wenn dieses Mal ich vorher anrufe und Bescheid gebe, dass ich den Termin aufm Schirm hätte!

Ein bisserl nervig ist nur der eine Zahnarzt, der, meist im Anschluss an die hochqualitativ durchgeführte Behandlung, ein wenig zu sehr ins Reden kommt. Und zwar eher in Richtung von Gegenstandsbereichen, die tiefsinnigen Tresengesprächen mit Freund*innen in irgendwelchen dunklen Spelunken vorbehalten sind. Gern gebe ich vor der Behandlung Kurzauskunft, was so abgeht; dass der Dentalfried selbst Späteinsteiger ist und erst nach Krankenwagenfahrerzeit u. ä. seinen Beruf zur Berufung, Quatsch: seine Berufung zum Beruf gemacht hat, mit derlei ellenlangen, bremsenden Ausführungen möge man mich verschonen und mich fröhlich »tschüsselnd« (Polt) heimfahren lassen.

(Für die, zugegeben, hermetische Überschrift vgl. den Beitrag »Kinderlieder, die auch von Rammstein sein könnten«.)

+++ Blog Exclusives +++ Blog Exclusives +++ Blog Exclusives

Auf diesem Blog wird es in nächster Zeit neben der üblichen Zweit»verwertung« beziehungsweise recht eigentlich: Archivierung meiner Social-Media-Posts – die Überschrift deutet es bereits an – blog exclusives geben. Denn meine Social-Media-Accounts pausieren momentan. Hintergrund resp. Grund: Nicht etwa Sperrung wegen unbotmäßigen Verhaltens Verstoßes gegen die willkürlichen »Gemeinschaftsstandards« der absolutistischen Betreiberfirmen, sondern Flucht ins Idyll des Reichs der Selbstherrschaft über den eigenen Dopaminhaushalt. Der ungelenken Zeitungssprachpersiflage kurzer Sinn: O’bloggt is’!

Kennst du niederbayerische Diözesen?

Am stolzesten beim Aiwanger-Telefonterror in TITANIC 09/2021 bin ich übrigens hierüber: Im Gespräch mit Theo Waigel jubilierte ich auf seine Frage, in welcher Diözese denn Aiwangers Wohnort läge, nach etwa drei Sekunden Schockstarre »… das ist Freising bei uns« ins Telefon.

Bei dieser Frage dachte ich im ersten Moment, jetzt wäre es vorüber und Waigel »hätte« mich. Aber weil Aiwangers Wohnort meines Wissens irgendwo in der Nähe von Landshut liegt, versuchte ich es aufs Geratewohl mit dem nächstgelegenen Ort, der Zentrum einer Diözese sein k ö n n t e . Und traf ins Schwarze, ha!

Wie ich nachträglich nachgeschlagen habe, stimmt Freising zwar gar nicht – Aiwanger gehört zur Diözese Regensburg –, aber auf bayerische Diözesen musst du erstmal kommen, selbst wenn du in der Diözese Regensburg aufgewachsen bist und bis 16 Ministrant warst.