Karaoke

Karaoke heißt auf Deutsch übrigens irgendwas mit Rauke. Genau weiß man’s nicht, weil zwischen allen möglichen deutschen Übersetzungen und der Bedeutung von Karaoke ein uncanny valley liegt.
»Lass uns rauken gehen«, sagten die Leute in Deutschland um 1950, wenn sie in eine Karaokebar gehen wollten. Manch einer verstand das falsch und ließ gleich vor Ort die Fäuste fliegen, denn wozu zum Raufen extra wo hingehen.
Französische Soldaten brachten den Ausdruck rauken nach Frankreich – leicht verfremdet als »raucker« bzw. »le raucke«. Von dort wiederum gelangte er durch britische Soldaten, die auf der Heimreise von Deutschland auf die Inseln gerne ein wenig in Frankreich urlaubten, nach Großbritannien. Wo er jedoch, weil »rauck« kaum jemand korrekt auszusprechen in der Lage noch willens war, kurzerhand zu »rock« umgeschrieben (»Sounds eh like our word for stone!«) und zusehends auf andere musikalische Bereiche denn besoffenes Fremdliedinterpretieren in grotesk bunt ausgeleuchteten Kneipen angewandt wurde.
Und irgendwann schließlich bezeichnete der Ausdruck das, was seit Dezennien als Rock bezeichnet wird – die ausgezuzelte Geschichte davon möge man sich aber in der Musikbuchabteilung einer Rolltreppen-Buch- und Nippeshandlung durchlesen.

Was mir hingegen jetzt noch viel wichtiger wäre: Robert Gernhardt schrieb einmal, wäre der Begriff Rock’n’Roll in Frankreich erfunden worden, er würde gewiss Rauck’n’Raul geschrieben werden. Ich meine, es vor Jahren im Erzählband »Kippfigur« gelesen zu haben, darin fand ich es durchskimmenderweise aber leider nicht wieder. Falls jemand was weiß oder wen kennt, die*der usw.

Milka Luflée

Der Name der Milka-Schokoladensorte Luflée ist übrigens ein Kunstkofferwort aus Luv (windzugewandte Seite eines Berges) und Lee (windabgewandte Seite). Es ist kein reiner Phantasiename, denn die Luft in Luflée-Schokolade ist echte Gebirgsluft. Die Tafeln werden abwechselnd mit Luv- und Leewinden auf- bzw. übergeblasen, bis sie die fluffig-poröse Konsitenz erlangt haben. Dafür werden hohe Transportkosten über und teilweise um die Berge herum auf sich genommen.

Entweder nur Luvwind oder nur Leewind würde aber nicht funktionieren. Denn Luvwind, auch »der Aufbergichte« genannt, richtet die Schokomassen zu faltichten Ungetümen auf, während der Leewind, genannt »der Abschleckichte«, sie wieder niederbügelt, so streng er kann. Jetzt mit nur Luv- oder nur Leewind hättest du entweder Riesenbatzen oder Flachrochen in den Produktregalen der Supermärkte liegen. Die richtige Mischung (?) aus Luv- und Leewind aber lässt unter den Händen der Chocolatiers die lustigen, porichtes Interieur beherbergenden Hubbel entstehen. Wie genau das vor sich geht, weiß nicht einmal Aiman Abdallah (Galileo Mystery). Als sie es in der Sendung eines Tages erklärten, stimmte hinten und vorne nichts! So viel kann ich sagen, hallo.

Luflée – ein Kunstwort! – heißt aber nicht »Luvlee«, weil das zu sehr nach Porno etc. klingt (love, ficken, lovely usw.). Den Accent aigu über dem e fügte Milka hinzu, damit nicht alle fälschlicherweise »Lufflieh« sagen. Klappt auch ganz gut. So, jetzt wisst ihr’s!

Der Seifenrest

Eine in der Generation Flüssigseife womöglich gänzlich in Vergessenheit geratene Kulturtechnik: einen Seifenrest auf einen neuen Seifenblock kleben, um das restlose Aufbrauchen zu erleichtern. Mit aufschnittdünner Seife seift es sich eben schlecht.

Was aber auch unter den Älteren kaum mehr bekannt ist, ist der eigentliche Grund dieses Geklebes. Denn der liegt weniger im restlosen Aufbrauchen, als vielmehr darin, dass – ähnlich wie bei der Brotherstellung aus Sauerteig, bei der die Milchsäurekulturen mittels Teigresten weitergegeben werden – die Reinigungskulturen von der alten auf die neue übertragen werden. Wer sich schon mal mit packungsneuer Frischseife ohne aufgeklebten Rest die Hände wusch, weiß: Es schäumt zwar seifig, dass es eine Freude ist wie eh und je, vom Reinigungszauber jedoch keine Spur.

Bei Flüssigseife gibt es dieses Problem nicht. Dafür ist die halt, wie so vieles heutzutage, auch pure »Chemie«.

Nachtrag: Auf Facebook entspann sich unter diesem Posting folgender Trialog:
A: »Übrigens: Lieblingsstellung Brotherstellung (?!)«
J: »ich denk das immer bei Brathering«
A: »Ich bei Wuthering Heights«
J: »mein gott«
S: »Wuthering Heights soeben für immer ruiniert 😳«
J: »f«
Die letzte Äußerung, f, stammt aus der Internet-/Meme-Lingo, ich weiß aber nicht, was es bedeuten soll. Zwar fragte ich schon mal nach und es wurde mir ›erklärt‹, aber ich habe es schon wieder vergessen.

Wie blöd schon mal jemand geheißen hat: Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski

»Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski?! He, so heißt doch niemand, das denkst du dir doch wieder aus!« Aber hallo hat schon mal jemand so geheißen: Hermann Schlagintweit (1826–1882) nämlich. Auf diesen Namen wurde der Sohn eines ordinären Augenarztes zumindest getauft. »Und den restlichen Namensschmarrn hat er sich dann einfach zusammenerheiratet…« Keineswegs, mein Freund, mühsam zusammenklauben musste er sich den:

1859 wurde er in den bayerischen erblichen Adelsstand erhoben (»Hä?«) und konnte seinen Namen von Stund an mit dem vornehmen »von« spreizen. »Ja, dann ist der Rest ja leicht: Eine Frau Sakünlünski geheiratet etc…« Nein!, gerade das ist der eigentliche Hammer: Den Fortsatz »Sakünlünski« hatte er 1855 von der literarischen Societät Kasan (der heutigen Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland) erhalten, weil er Übersteiger des Kunlun, einer Gebirgskette in China gewesen war. »Das heißt, er war Erstbesteiger?« Nein, allem Anschein nach nicht, sondern bloß popeliger Übersteiger; was jene allerdings nicht davon abgehalten hatte, ihn entsprechend ehrenzubenamsen, und was Schlagintweit nicht zu peinlich war, sich fortan damit zu schmücken.

Fürderhin versuchte er also als Hermann von Schlagintweit-Sakünlünski bei den Frauen zu reüssieren. Was ihm scheint’s nicht erfolgreich gelang, denn weder von einer Ehefrau noch von Kindern ist irgendwo die Rede. »Bevor du jetzt in die üblichen Vulgaritäten abgleitetest: Ein Hermann von Schlagintweit-Sakünlünski ist fei noch kein Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski!« Ja, aber dafür müssen die Frauen in die Erklärung gekommen sein: Recht wahrscheinlich weil ihn sein anhaltender amoureuser Misserfolg – in den Blütejahren seines Lebens! – nicht kaltließ und er sich nicht eingestehen wollte, dass sein ständiges Rumgereise und -forsche in Asien keine so recht becircen mochte, ließ er sich 1866 in den Freiherrenstand erheben und promenierte künftig als Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski seinem Liebesglücke entgegen. Weiterhin erfolglos zwar. Ende.

Klima»wandel«? Klimakatastrophe!

»Global heating« statt »global warming«, »climate emergency, crisis or breakdown« statt »climate change« – der britische Guardian empfiehlt seinen Journalist*innen in seinem »house style guide« seit kurzem adäquatere Ausdrücke für die Klimakatastrophe (Artikel: Why the Guardian is changing the language it uses about the environment).

Mit diesen Alternativausdrücken zu »Klimawandel« könnt’s aber auch bei hiesigen Lärm- und Krawallmedien wie Spiegel Online klappen:
– Klimapokalypse
– Klimagate
– Klim-Krieg (?)
– Klimargeddon (Bibel und Hollywood!)
– Klimaterloo
– Klimhavarie (mit stummem h aber = schwierig)
– Klima-Kill
– Klima-Koller
– Zum-Kotz-Klima
– Klima-Kacke
– Kill-Klima
– Klimaquark (es ist doch eh schon alles wurscht)
– Klimbumm (hä?)
– Hitlerklima

Unvernutztes Phrasengerümpel betreffend Griechenland

Griechenland, die Wiege der Demoskopie

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Griechenland, die Wiege der Demi Moore

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Griechenland, die Wiege der Demiurgen

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Griechenland, die Liege der Demarkation

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Griechenland, die Wiege des Demokraniel-Pascal Zorn*
(* lies: Sokrates)

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Griechenland, die Wie geht der Demonstranten

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Griechenland, die Biege der Demantoiden* (* gibt’s echt)

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Griechenland, die Stiege der Temparatur

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Griechenland, die Mine der Stenographie

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Nachdem diese kleine Facebook-Postingserie einigen Wirbel aufwirbelte und für Unmut sorgte bis hin zur Ferndiagnose Schlaganfall, hier meine Stellungnahme:

Es handelt sich um ein, mittlerweile erfolgreich abgeschlossenes, Projekt der EU-Komission (🇪🇺!) und des Rechercheverbundes NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Ziel war es, einerseits junge Menschen bzw. Menschen jeden Alters wieder für die Demokratie zu begeistern und andererseits in einer Art Open-Source-Projekt neue Phrasenräume für den zuletzt arg altbackenen Journalismusbetrieb auszukundschaften.

Ersteres hat sehr gut geklappt. Viele Menschen haben positiv auf die Aktion reagiert. Aber auch die Ablehnung und die Wut (bis hin zum Hass?) sind wichtige Reaktionen im Demokratiebildungsprozess. Denn dadurch sehen wir Europäerinnen und Journalistinnen (je w*m), dass Potential vorhanden ist.

Zweiteres, die Phrasenraumerkundung, hat sangwermal zumindest keinen negativen Ertrag gebracht. Aber insgesamt halt gar keinen. Gedacht war das Störfeuer der Aktions-Postings als kreativer Impuls zum Weiter- und Neudenken, zum Boundaries-Pushen. Hier haben sich EU-Komission (🇪🇺!) und der Rechercheverbund WDR, NDR, SZ leider in der Bubble verwählt. Zwar wurde die Zielgruppe (alle Alterstufen) erreicht, aber die berechtigten (!) Kreativerwartungen wurden krachend untererfüllt.

Beide Institutionen schicken jetzt eine cross mixed Arbeitsgruppe in einen Bildungs Campus im Schwarzwald und lassen sich von ihr eine neue Content Strategie entwerfen.

Offenlegung: Ich habe bei der Aktion ordentlich abgesahnt (🇪🇺-Fördertöpfe!), bin aber jetzt raus aus der Nummer.

Abschließend soll ich euch lieb Grüßen von den Institutionen! Andreas

Faktenmagazin Titanic

In der aktuellen Titanic-Ausgabe habe ich von Paula Irmschler und Ella Carina Werner gelernt, dass die Abkürzung WWF für »World Wide Fund for Nature« steht (04/2019, S. 30). Beim Lesen dachte ich: »Ich dachte, es stehe für ›World Wildlife Fund‹!« Ja, logo, ich denke den Konjunktiv freilich mit.

Flugs bei Wikipedia nachgeschaut und natürlich haben Irmschler und Werner recht: Seit 1986 und damit seit meinem Geburtsjahr heißt er statt »World Wildlife Fund« »World Wide Fund for Nature«. All die Jahre – im Unwissen gelebt!, und erst Satirikerinnen Irmschler und Werner entstellen mir die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit!

Tagesschau.de hingegen – und darum dieses Posting – schreibt fröhlich »World Wildlife F o u n d a t i o n « vor sich hin (https://www.tagesschau.de/ausland/wal-plastik-105.html). Aber wen juckt’s, weithin ist doch eh schon alles bummswurscht und vermaledeit vernagelt bis zum Geht-nicht-Mehr.

Immerhin schmunzeln musste ich, erinnerte es mich doch daran, wie ein tm3-Kommentator einst die »World Wrestling Federation« im vollen vom Kampfgeschehen gefluteten Überschwange als »World Wrestling Foundation« bezeichnet hatte – und ich dabei an die »Foundation für Recht und Verfassung« aus der Serie Knight Rider hatte denken müssen, woraus sich freilich sogleich die Vorstellung der »World Wrestling Foundation für Recht und Verfassung« mit Michael Knight als Oberwrestler für die Unterdrückten ergeben hatte.