Nürnberg Ice Tigers vs. Kölner Haie

Disclaimer: Auch wenn ich gleich mit Eishockey-Fachwissen brillieren werde, ich habe Null Komma Josef Ahnung von Eishockey und war in meinem schon achteinviertel Legislaturperioden langen Leben vielleicht viermal «im Stadion».

Sonntag, 18.03.2018, Arena Nürnberger Versicherung, Playoff-Halbfinalspiel Thomas Sabo Ice Tigers Nürnberg : Kölner Haie

Das Wichtigste zunächst: Die Schiedsrichter, zumindest im Fußball «Schiris» genannt, müssen entweder mit glycerinfreier Superhandcreme ausgestattet werden oder wahnsinnig trockene Hände haben. Denn Handschuhe trägt von den vier Burschen keiner. Einer oder zwei davon müssen sogar immer den eiskalten Puck anlangen, weil ständig Bully gemacht werden muß. Früher, da haben wir den immer hingelegt, dreimal die Schläger gegeneinandergeschlagen und dann losgestochert. Wer hätte damals überhaupt schon Schiri machen wollen? Was die heute dazu treibt, keine Ahnung.

Ausgegangen ist es Weiterlesen

Lob der Korrektorin

Werbeanzeige Die Korrektorin (für größere Ansicht klicken)

Liebe Korrektorin,

meine wissenschaftliche Arbeit »sollte mit Sprache überzeugen«? Erstens und prinzipiell: Ja womit denn sonst. Zweitens und speziell: »mit Sprache, Stil überzeugen« – schonmal was von »sprachlich« und/oder »stilistisch« gehört?
»12/24 Stunden Express-Auftragsservice«, »Online Plagiatsprüfung«? Some Bindestriche to the rescue!
»Eine Investition in das Korrekturlesen bedeutet gleichzeitig eine bessere Note!« NEI-EN! Schonmal was von »kann … bedeuten« gehört?
»Überlasse nichts dem Zufall« – ja unerhört, was erlaubst Du Dir eigentlich! Glaubst Du, ich würfle aus, wo ich Kommas hinmache, und lasse den Inhalt von Enzensbergers Poesieautomaten zusammenklumpatschen?
»sollte perfekt sein« – Ja Krustifix, muß denn alles und noch der mediokerste Alltagsquatsch immer in allerdeppertster Neon-/Startup-Mindset-/Harmony-lifestyle-Manier »perfekt« sein? Drunter tut ihr’s alle nicht mehr, oder?

Liebe Korrektorin, Deine Werbung für deine Korrektoratsdienste »sollte perfekt sein und mit Sprache, Stil und Layout überzeugen!« Also laß beim nächsten Mal besser jemanden nochmal drüberlesen, bevor Du Deine Reklamezudringlichkeit an die Wand ÜBER DEN URINALEN DER MENSATOILETTEN HÄNGEN LÄẞT, wo mann ihr schutzlos ausgeliefert ist.

Grüßt lektorierend:
Andreas

Ein halbes Dezennium Goldt

Heute sehe ich zum fünften Mal in Folge Max Goldt, den (man verzeihe mir den eigentlich unpassenden, aber zum Zwecke der Alliteration verwendeten Ausdruck Doyen) Doyen der Digression, ‹zwischen den Jahren› im Nürnberger Hubertussaal. Das ist mittlerweile zur süßen Gewohnheit geworden wie der alljährliche grippale Infekt nach den Weihnachtsfeiertagen – der dieses Jahr allerdings, «toi toi toi», erfreulicherweise ausblieb.

‹Zwischen den Jahren›, das sagen die Leute, weil ihnen als «Jahr» nur die Zeit ehrlicher Hände Arbeit gilt, was recht hübsch auch durch das Gegensatzpaar «unter der Woche» für die Werk- und «Wochenende» für die arbeitsfreien Tage Sams- und Sonntag illustriert wird. Denn ‹zwischen den Jahren›, Weiterlesen

Stopp die Maschinen, Ritter Sport!

Denn auf der Verpackung Deiner Schokoladensorte ‹Honig-Salz-Mandel› beschreibst Du deren Inhalt unter grober Mißachtung der Grammatik folgendermaßen: «mit Honig und Salz verfeinerten, gerösteten Mandeln».

Gewiß, das fehlende zweite «mit» wurde Dir im Textverarbeitungsprogramm rot unterkringelt und sähe natürlich auch blöd aus – also raus damit, sagen Deine Reklamedesigner! Aber weißt Du denn nicht, was Du uns damit antust? Uns Synästhetikern, die wir Grammatik schmecken und riechen können? Dann paß auf: Wenn jemand derartige grammatische Scheiße baut wie Du und diese noch dazu auf eine Schokoladenverpackung setzt, dann wird’s für uns zum Speien widerlich!
Bei uns ißt das Auge mit: Salon du Fromage

Hym(n)en

Vor langer Zeit hatte ich an der Uni ein Referat über die Hymnen Goethes zu halten (‹Prometheus› etc.).
Als kleinen Witz hätte ich dabei gerne «Goethes Hymen» als Überschrift aufs Handout gedruckt (Hymen ist griechisch für Jungfernhäutchen). Aber das traute ich mich dann nicht; auch wenn Goethe hinsichtlich Hymen bzw. Defloration kein unbeschriebenes Blatt gewesen sein dürfte und es insofern sogar eine gewisse Berechtigung gehabt hätte, zumal das Seminar sich ausschließlich mit dem Werk des jungen Goethe beschäftigte. Bis heute ärgere ich mich darüber, diesen Witz ausgelassen zu haben.
Nicht schlecht staunte ich nun, wie der Lyriker Stefan George dieses Problem 1922 bei seinem Gedichtband ‹Hymnen – Pilgerfahrten – Algabal› gelöst hatte. Der alte Hammel.