Feuerkreisel

Meine liebste Silvestergeschichte ist gar nicht an Silvester passiert: Ich war 12 oder 13, bei einem Freund und er hatte noch Silvesterkracher über. Die Eltern nicht zuhause. Er also in seinem Zimmer am hellichten Tag die Rollos runter, so dass es komplett dunkel war. Warum? Um einen Feuerkreisel anzuzünden natürlich! Ei, wie das toll geleuchtet hat und bunt!

Als er das Licht wieder angeschaltet hatte, die Ernüchterung: Lauter Brandspuren im Teppich. Wer konnte das ahnen. Hektisch versuchten wir, den Schaden unsichtbar zu machen. Unter anderem kam der Freund auf die Idee, Waschpulver zu verwenden. Irgendwann sahen wir ein, dass nur eines helfen konnte – ein Teppich. In seinem Zimmer lag aber gar keiner. Und als seine Eltern nach Hause kamen, fragten sie freilich als erstes, was dieser Teppich aus einem ganz anderen Zimmer da sollte.

Ich schaffte es relativ schnell aus der Wohnung. Anderntags erfuhr ich von einem major Anschiss. Ein paar Tage dauerte es, bis ich mich wieder hintraute.

Eis

Klimakatastrophe, Schmimakatastrophe … Bis vor 20 Jahren haben wir uns um den Jahreswechsel auf dem Eisweiher beim Eishockey spielen halb umgebracht. Dann kamen am Nachmittag die Bauern und scheuchten uns fort, um sich beim Eisstockschießen halbtot zu saufen und ihre Latschschneisen in die Eisdecke zu schlurpfen. Aber es hatte ja wohl 16 °C. Das können die jungen Frechwürschtel von Fridays for Future gar nicht mehr wissen.

Purifikation gegen puristischen Quatsch

Expert*innen sagen, Kaffeekannen dürfe man niemals mit Spülmittel oder gar in der Spülmaschine reinigen; das käme, so hätten ihre Tests und Studien ergeben, der Entweihung einer Kirche mittels satanistischem Opferritual gleich. Die Wahrheit liegt wie so oft in der, Quatsch: ganz woanders. Wer schon einmal gesehen hat, wozu ein in heißem Wasser aufgelöster Markenspültab in einer völlig kaffeerestpatinierten, -verkrusteten, wo nicht -verschrundeten Kanne im Stande ist, hat eine Ahnung von Jesu Christi des Heilands purifizierender Potentaterei beim Jüngsten Gericht.

Klickhämmern

Bei Bundesliga Manager Professional (1991) konnten Gamer*innen sich Geld ercheaten, indem sie auf das Schild neben der Tür der grobschlächtig dargestellten Bank klickten. Ein Klick gab 1.000 DM. Fingen ein Freund und ich eine neue Runde an, durfte jeder 30 Sekunden lang »bescheißen«, d. h. so oft auf das Schild klicken, wie er konnte. So ergab sich das Startkapital.

Daran musste ich gerade denken, als ich mehrere 15–20teilige Insta-Stories weghämmerte.

Gut: Der Publisher von BMP hieß Software 2000, entwickelt wurde es von KRON Simulation Software, einem – und das finde ich in der für diesen Kontext so bezeichnenden Einfallslosigkeit* super – Akronym für Werner KRahe und Jens ONnen. Wir Kinder der 90er können uns Werner und Jens sehr gut vorstellen, die der 70er und 80er sich gar einfühlen. Sauschlecht sitzende Jeans, kariertes oder gemustertes Oberhemd, Schnauzer, Kassengestell, Haare kurz und an den Seiten bisschen kürzer als oben, der Minipli hallt noch leicht nach, Lederslipper, Kamm in Brust- oder Gesäßtasche, Prog-Rock-Fans.

* Ehrenhalber und womöglich kreativitätsrettend sei erwähnt, dass KRON auf den Film Tron anspielt. Grafisch immerhin, doch ob Werner und Jens ihre Firma [krɔn] ausgesprochen haben wollten statt [kro:n], ist zur Stunde ungewiss.

Der »große« Michael »Air« Jordan

Was war ich als Kind enttäuscht, als mir der 2,01 m große evangelische Amateur-Basketballer aus der Nachbarschaft vor seinem Hof-Korb en passant mitteilte, Michael »Air« Jordan sei gar keine 2 m groß, sondern bloß 1,96 m. Mag er größenmäßig ein Loser gewesen sein, er blieb dennoch mein bester und liebster Basketballer.

Später erfuhr ich, Jordan sei in Wahrheit 1,98 m.

Offenlegung

Bald 20 Jahre danach, und noch immer denke ich beim Anblick von Tagesschau-Sprecher Jens Riewa: »Ah, das ist doch der, der über die Schlagersängerin Michelle gesagt hat: ›Michelle ist im Bett eine Granate!‹« Menschenskinder, die »Bild«-Leserei in der Realschule hat mich schon auch was ramponiert.

(Seriöseren Boulevardmedien wie Dem Spiegel entnahm ich jetzt, dass Riewa das so nicht gesagt haben will; das sei nicht sein Sprachgebrauch.)