Beobachtungen aus der Fitte

In den Fitnessvideos auf den Entertainment Screens bei McFIT werden weibliche Brüste auf dieselbe Art und Weise ins Bild genommen wie bei »Star Trek:TNG«-Folgen zu Lebzeiten Gene Roddenberrys.

(Beliebtes »Stilmittel«, Quatsch: sehr häufig eingesetzter lüsterner Male-gaze-Quatsch in den ersten paar TNG-Staffeln: Schnitt, Kamerafahrt über Brüste, eigentliche Szene. Auch »gerne genommen«: Gesicht-und-Ausschnitt-Aufnahmen von Deanna Troi a.k.a. Marina Sirtis.)

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Neulich übte in einem solchen Video ein Bodybuilder alleine in einer alten leerstehenden Industriehalle. An den Wänden vereinzelt Graffiti. Häufig zu sehen an der Rückwand: der Schriftzug »ACAB«. – Ich meine, Low carb schön und gut, aber ist »All carbs are bastards« nicht ein unangebrachter Generalverdacht?

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aktu Playlist:

aufm Rudergerät Heino Jaeger, »Lebensberatungspraxis Dr. Jaeger«, »Alkoholprobleme in Dänemark«, »Wie sieht’s bei euch aus«
Heinz Strunk, »Trittschall im Kriechkeller«

aufm Crosstrainer The Prodigy, »The Fat of the Land«
Justice, »Audio, Video, Disco«
Pygmalion, »Supersymmetry« (instrumentaler Prog Metal, Anspieltipp)

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Die Entertainment Screens laufen noch mit Windows 7. Kürzlich hängte sich einer auf und man konnte anschließend der Hochfahrroutine zuschauen.

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Ich mag nicht mehr.

So, das war’s, ich schreibe ab jetzt nix mehr. Kein Wort. Können mich alle mal kreuzweise am Arsch, ehrlich.

Warum? Vor einiger Zeit wünschte ich in einem kleinen Text allen Leuten, die bei manuellen U-Bahn-Türen nur eine der beiden Türhälften öffnen, Höllenstrafen an den Hals. Für mehr Reichweite als hier auf meinem Blog sagte ich ihn sogar im vergangenen November in der Lokalradiosendung »Eisenbart und Meisendraht« durch (siehe hier).

Und was passiert? Spätestens, allerspätestens seit der Radiosendung öffnen nicht mehr nur manche, sondern ausnahmslos A L L E nur eine der Türhälften. Und das ist entweder Absicht oder Strafe Gottes, weil es freilich hybrid ist, hier auf Erden Höllenstrafen zu verteilen. Flammen sollen ihre feisten Händchen und Fußsohlen bezüngeln bis in alle Ewigkeit! Ich aber schweige fortan.

Bone chillin’ Gruselgeschichte zur Nacht

29.01.2019. Heute bat ich jemanden um eine kleine Hilfe, und weil ich nicht einfach »Hilfst du mir bitte?« schreiben wollte, bat ich um »HALP!« Was, wie ich ergänzte, in einer Simpsons-Episode gestrandete Kinder als Hilferuf für Flieger in den Sand am Strand schreiben und, wie ich ferner anmerkte, in der deutschen Synchronfassung merkwürdigerweise als »Hilpe!« vorgelesen würde. Jedenfalls müsse ich – wie ich bei STOP-Schildern wegen eines lustigen Internetbildchens eines Straßenbaufails grundsätzlich »Sotp« denke – beim Ausdruck »Hilfe« immer »Halp« oder »Hilpe« denken. (»Wie umständlich kann man um eine kleine Hilfe bitten?«)

Der um Hilfe Gebetene erinnerte sich dieser Episode; sowie auch derjenigen, in der Homer Simpson Jesus um Hilfe rufen will, aber »Rette mich, Jebus!« plärrt. Beziehungsweise, wie der Gebetene meinte, dass es in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen heiße: »… Jemus«.

Jetzt, freilich, Jebus oder Jemus, hin oder her, mir schoss jedenfalls ein Text durch den Kopf, den ich mal zum Themenkomplex Homer Simpson und Jebus geschrieben hatte, und ich beschied ihm den Link.

Und jetzt – leckt mich am Arsch, ey! – kommt’s: Geh’ ich hernach ins Facebook rein, zeigt es mir eine Memory für einen Beitrag von vor genau einem Jahr an, und um welchen handelt sich’s? (Naja, das riecht jetzt jede*r zehn Meter gegen den Wind…) DEN HOMER SIMPSON JEBUS TEXT !!

Jens Mander

Kürzlich wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ich noch einen Account beim Streaming-Anbieter »last.fm« hatte. Seit ich ihn eingerichtet hatte, nutzte ich ihn jedoch so gut wie gar nicht. Weswegen ich ihn denn bei der neuerlichen Erinnerung daran auch löschte.

Was ich immer lustig fand: meinen last.fm-Nick, JensMander1. (Finde ich auch heute noch lustig tbh)

Wie der zustande kam und warum ich den lustig finde? Nun: »Jens Mander«, das war einmal der »Beispielname«, den die Windows-Installationsroutine anzeigte, wenn man aufgefordert wurde, einen Benutzernamen einzugeben. »Wtf«, dachte ich damals, »haben die Angst, dass Installierende ihren Namen nicht wissen könnten?! Und wie in Herrgottsnamen kommen die auf diesen sagenhaft unscheinbaren, ja wirklich nach ~nichts~ klingenden Namen ›Jens Mander‹?!?!«

Zum Aschermittwoch: Zwei Bekenntnisse aus einer sehr dummen Kindheit

(1) Es muss die Fußball-WM der Herren ’94 in den USA gewesen sein, ich demnach in der zweiten Klasse, als ich erstmals mit der Kampagne »Keine Macht den Drogen« der Bundesregierung konfrontiert wurde. Ihr einprägsamer Schriftzug in weißen Großbuchstaben über magentafarbenem Querbalken und vor schwarzem Hintergrund prägte sich mir ein: »KEINE MACHT DEN DROGEN«. Nur: Ich verstand nicht, was das bedeuten solle. Denn nach meiner »Lesart« war »MACHT« ein Verb, »KEINE« das Subjekt und »DEN DROGEN« – schlicht falsch! Denn Akkusativ bzw. »wen oder was?« von »Drogen« wäre ja eindeutig »DIE DROGEN«.

Bloß: Selbst wenn dort gestanden hätte »KEINE MACHT DIE DROGEN« – das wäre zwar (nach meiner Lesart) grammatisch richtig gewesen, aber semantisch hätte es kaum was gebracht. Ich konnte mit diesem Slogan so oder so nichts anfangen, seine Bedeutung blieb mir verwehrt. Aber ja mei, manchmal stehst halt aufm Schlauch, nicht wahr. Jemanden zu fragen traute ich mich nicht; und das war wohl auch besser so, denn da hätte ich in der kleingeistigen Provinz ganz schön dumm ausgeschaut, wenn ich mich mit dieser Stupidität geoffenbart hätte.

Bis mir eines Tages – ich kann ihn zeitlich leider überhaupt nicht eingrenzen, auch nicht durch eine Fußball-WM – plötzlich der imperativische Modus der Aussage klar wurde und ich verstund: den Drogen solle keine Macht eingeräumt werden. Na sauber!, dachte ich, das ist ja auch nicht viel besser als das ewige genäselte »Drogen sind schlimm, Kinder, mmkay, nehmt keine Drogen, mmkay!« des Schulpsychologen Mr. Mackay aus »South Park«.

Die Kampagne jedenfalls, so weiß Wikipedia, verfehlte ihre Ziele krachend, von Drogen hielt sie offenbar kaum jemanden ab, die Leute gewährten ihnen weiterhin Macht nach Lust und Laune. Aber ob es außer mir noch andere gab, die eine solch desolate, ja desaströse Lese- und Interpretationsfehlleistung hinlegten?

(2) An der Bushalte, es dürfte Frühjahr/Sommer/Herbst der dritten oder vierten Klasse gewesen sein, warteten wir am frühen Nachmittag auf Herrn Weinzierl mit seinem kleinen Gemeindeschulbus, um zum Nachmittagssport gefahren zu werden. Jedes Kind begrüßte ihn beim Einsteigen mit »Griaß Gohd, Herr Weinzierl!« und verabschiedete ihn beim Aussteigen mit »Pfüa Gohd, Herr Weinzierl!« – und zwar unironisch. Er war einer der Dorflandwirte mit Hof an der Dorfstraße, an die 60 Jahre alt und alles in allem eine großväterlich freundliche Respektsperson. Hochdeutsch sprechende Kinder, die »Grüß Gott!« und »Auf Wiedersehen!« gesagt hätten, gab es nicht. Wie ausgewachsene Beamt*innen stellten wir unsere Sportsackerl in einer Reihe zum Bordstein der Bushalte auf, und zwar in der Reihenfolge unseres Eintreffens. In dieser Reihenfolge stiegen wir dann in den Bus ein. Wer unter den ersten drei war, stand zwar womöglich unnötig lange an der Bushalte herum – Bushalte war aber eh meist eine Gaudi –, hatte allerdings Chancen auf einen der drei Sitze in der ersten Reihe, vorne beim »Bufffahrer«.

Idiotisch grobes Gedränge, Geschiebe, Gezerre und Gefluche beim Einsteigen, das gab es erst ab den weiterführenden Schulen. – Ach so, bevor ich mich hier in Allgemeinerinnerungen verfranse, ich wollte doch ein Bekenntnis aus einer sehr dummen Kindheit bekennen: Ich und zwei Mitschülerinnen (w/m), Mrs. und Mr. Oberschlau, stritten uns bei einer dieser Wartereien auf den Bus zum Nachmittagssport um irgendwas, ich weiß nicht mehr, was. Dabei verstand ich irgendeinen Ausdruck, den sie altgescheit benutzten, nicht. Ja mei, was soll ich sagen: manchmal stehst halt aufm Schlauch, nicht wahr. Die beiden sahen das nicht so und verspotteten mich als begriffsstutzig.

Und was soll ich sagen: Den Begriff »begriffsstutzig« verstand ich auch nicht. Ich hatte ihn noch nie zuvor gehört. Schon phonetisch war ich völlig auf dem falschen Dampfer: »bechriststutzig« war das Sinnvollste, was ich Ministrant mir zusammenreimen konnte – sie hatten den Ausdruck sehr schludrig-nachlässig ausgesprochen und noch einen dieser Milchzahnsprachfehler, die dann mit den Zweiten verschwinden –, aber auch das ergab keinen Sinn.

Der Streit war mittlerweile vergessen, jetzt lachten sie mich aus, weil ich den Begriff »begriffsstutzig« nicht kannte und nicht verstand. Immerhin begriffen sie nicht, dass ich mich durch die Begriffsstutzigkeit am Begriff »begriffsstutzig« – in Grundschuldiktion: als turbobegriffsstutzig erwiesen hatte.

Im Sportunterricht war alles wieder vergessen. Aber der Ausdruck »begriffsstutzig« ließ mich lange nicht los. Wiederum mochten Jahre in den Kalender gezogen sein, ehe sich mir seine Bedeutung erschloss.

Alte Leute

Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg: Am Personal-/Bibliothekseingang steht ein älteres Paar und rätselt, wo der richtige Eingang, der zum Museum, sei. Ich, gerade von der Kaffeepause kommend, nähere mich der Szenerie. Als ich das Paar passiere, dreht sich dessen Frau zu mir und sagt:

»Wo ist denn hier der Eingang zum Museum«

Blank dergestalt, kein »Entschuldigung bitte, …«, kein »Verzeihen Sie …« oder ähnliches. Nachdem ich ihnen Auskunft gab, ziehen sie ab, ohne sich zu bedanken oder gar zu verabschieden.

Kneipe »Café Express«, Nürnberg: Eine dreiköpfige Bluesrockband gibt ein Konzert. Es ist nicht nur voll, sondern geht eng her im Gastraum. Nach der Show räumen die Musikanten (»Doc Knotz, Keili Keilhofer [sic] [und ein Dritter, Name vergessen]«) ihr Instrumentarium ins Auto raus. Mit Freunden stehe ich nahe des Eingangs um den nicht mehr besetzten Kassen-Stehtisch.

Eines der Bandmitglieder, weißhaarig und um die 60, nähert sich mit einem Riesentrum in der Hand, ich halte ihm selbstverständlich die Türe auf. Er geht vorbei, ohne sich zu bedanken oder sonst wie sich äußernd. Als er wieder reinkommt, stößt er Freund Mattes, der unglücklich im Eingansbereich steht (es ist schlicht kein Platz), wortlos die Faust ins Kreuz und will ihn wegdrücken. Wir wundern uns über so viel Unverschämt- und Mundfaulheit.

Als er mit der Basstrommel auf dem Weg nach draußen ist, öffne ich ihm abermals die Türe. Wieder latscht er vorbei, ohne einen Ton zu sagen oder anderweitig Beachtung zu zeigen. Ich bescheide ihm: »Da kann man fei danke sagen«, woraufhin er zurückschnauzt: »Naa komma ned!«, zu Deutsch: »Nein, kann man nicht!«

Sauna: Eine ältere Frau, stets im leopardenen Louis-Vuitton-Bademantel auf ihrem Louis-Vuitton-Handtuch im Liegestuhl rumlungernd, ist während des Aufgusses in einer Tour dabei, ihrem Mann irgendwelche Sachen ins Ohr zu labern. Das nervt mich, denn ich bin der Ansicht, es gebe nur recht Weniges, was man während eines zehnminütigen Aufgusses unbedingt mitteilen müsste und nicht bis nach dessen Ende warten könne. Aber wer bin ich, da gleich rumzumosern.

Als sie nach dem Aufguss – fast alle verlassen die Kabine, unter anderem sie und ich bleiben noch ein wenig hocken –, komplett alle Rücksicht fahren lässt und daherlabert, als befänden wir uns im musikdurchwogten Wirtshaus, bitte ich freundlich darum, ob wir nicht noch eine kleine Schweigeminute einlegen könnten, sei doch die Sauna ein Ruhebereich.

Woraufhin ihr nichts Besseres einfällt, als mich anzuraunzen, das stimme überhaupt nicht, in der Sauna dürfe man außerhalb des Aufgusses ganz normal reden. Dass andere davon gestört sein könnten, kommt ihr scheint’s nicht in den Sinn. Der Sinnlosigkeit des Gesprächs eingedenk entgegne ich ihr: »Darüber können wir jetzt gerne streiten, aber bitte schweigend.«

Ihr passt das merklich gar nicht, aber weil ihr wohl kein Konter einfällt, ist sie endlich still.

Wenn ihr mich fragt: Alte Leute sind ganz schöne Wichser, und irgendjemand sollte ihnen mal wieder Manieren beibringen.

»Aber das kann man erstens so krass gar nicht sagen und zweitens stimmt es überhaupt nicht!« Doch. Und doch.

Gewiss, die Klage über die Alten mag alt sein, alt wie die Menschheit gar. Der alte Hesiod z.B., einer der ersten Menschen überhaupt, sagte schon: »Ich habe keine Hoffnung mehr für die Zukunft unseres Volkes, wenn sie von den leichtfertigen Alten von heute abhängig sein sollte. Denn diese Alten sind ohne Zweifel unerträglich, rücksichtslos und altklug. Als ich noch jung war, lehrte man uns gutes Benehmen und Respekt vor den Eltern. Aber die Alten von heute wollen alles besser wissen.«

Augen- und ohrenscheinlich, ach was: alle-Sinnen-scheinlich (sie stinken ja auch so! Außerdem schmecken sie fürchterlich und fühlen sich grauenhaft an) hat diese Klage nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Ob es schlimmer geworden ist, lässt sich ad hoc nicht beantworten. Sicher ist nur: So, wie es zum Wohle aller eine gute Idee wäre, alten Leuten von Zeit zu Zeit eine erneute Führerscheinprüfung abzuverlangen, scheint es sinnvoll, für nach dem Erwerbsleben eine erneute Schulpflicht einzuführen. Wo die Leute von gestern an die Erfordernisse von heute herangeführt werden.

Mein erstes YouTube-Video

Übrigens erinnere ich mich noch an das allererste Video, das ich auf YouTube sah. Es ist leicht zu merken, denn es ist ein Musikvideo, in dem sich praktisch alles vor zwei blutverschmierten gefliesten Wänden abspielt: «Bleed for Me» von Legion of the Damned aus dem Jahre 2006.

Drauf gestoßen bin ich einem Chatraum bei ChatCity (wo es wohl auch schon mal besser lief: «am 16.12.2018 um 18:34:55 waren 428 NICKs eingeloggt». Erstaunlich immerhin, dass es das noch gibt). Ich unterhielt mich mit einem Typen über Metal und er schrieb irgendwann, dass er Legion of the Damned gut fände. Ich kannte die Band bis dahin nicht. Daher frug er – es war exakt der zitierte Wortlaut –: «Magste legion hören?», und schickte, ohne meine Antwort abzuwarten, den YT-Link.

Gleich draufgeklickt natürlich, ohne zu wissen, wohin mich das führen würde. Und schon polterte aus den PC-Boxen niederländischer Thrash Metal und wischte der Sänger im Video über den blutverschmierten Boden. (Freilich hatte ich nicht gedacht: «Ah, niederländischer Thrash Metal!» tbh. Das habe ich soeben erst recherchiert.)

Als ich zurück zum Tab des Chatraums wechselte, wusste ich nicht, wie mir geschah. Denn obwohl ich den Tab gewechselt hatte, lief im Hintergrund noch die Musik! Das kannte ich noch nicht und erstmal wusste ich nicht, was ich tun sollte. Als der Song durch war, hörte es dann auf; Autoplay gab es damals noch nicht, und wenn, dann hätte es der Script-Blocker locker unterbunden.

Bald darauf divete ich deep in all den Schmarrn, der auf YouTube ausgestellt wird und fand auch heraus, dass es normal ist, dass Videos im Hintergrund weiterlaufen. Heutzutage bin ich kaum noch auf YouTube, es ist einfach nicht mehr mein ‹Ding›.

Magste legion hören? https://m.youtube.com/watch?v=zWyihNFbOzo
(15 Sekunden langen eigentlich, dann hat man alles gesehen/gehört.)

Saunahut

Wer gelegentlich in die Sauna geht, mag sich vielleicht einmal gewundert haben, wieso manche Leute bei Aufgüssen mit Filzhüten rumsitzen. «Filzhüte? Aber habe ich nicht gelernt, dass der Körper die meiste Wärme über den Kopf abgibt und ist es daher nicht ein wenig plem-plem, sich ausgerechnet in der Schwitzstube das Haupt zu bedecken?» Ich zumindest lernte das damals im Physikunterricht, als ein Lehrer einen im HipHop-Style gekleideten Klassenkameraden aufforderte, seine Cap abzunehmen – denn es sei zwar, da sei der Junge nicht blöd, hinsichtlich des Energiehaushaltes des Körpers vorteilhaft, leider leider aber nicht angemessen, während der Schulstunde den coolen Max zu markieren.

Dass manche Leute in der Sauna Hüte tragen, ist allerdings auch nicht blöd. Denn die Kopfbedeckung schützt einen vor der heißen Luft, die die Aufgussperson (gibt es dafür eigentlich einen Namen?) unbarmherzig – und sadistisch auf lauter Masochisten treffend – mit dem Handtuch durch die Sauna peitscht –, und diese Heißluft ist, Saunagänger_innen mögen das bestätigen, am Kopf am peinvollsten. (Wie Astrid wusste, schützen die Hüte die Kopfhaut und/oder Ohren vor dem Sieden.) Schlafbrille.

Apropos Schlafbrille: Max Goldt hat vor Jahren einmal herausgefunden, wo es, wenn man nicht auf die schlecht verdunkelnden Einheitsblenden von Flugzeugen angewiesen sein möchte, solche zu kaufen gibt. Und zwar, es läge so nahe und ist dennoch so erstaunlich, in Bettenhäusern!

In welchem Geschäft aber kriegt man nun einen Saunafilzhut? Keine Ahnung tbh. Da lässt einen der Einzelhandel mal wieder im Stich! Wo also schauen wir statt dessen? Natürlich bei Jeff «Books? I sell whatever the fuck I want!» Bezos’ Amazon.
Bass erstaunt war ich dort von der Auswahl unterschiedlichster Modelle, die angeboten werden. Sieht man doch in der Sauna meist wenn dann schlichte graue Filzhüte und höchstens hie und da mal einen mit applizierten Wikingerhörnern. Ganz anders bei Amazon: Dort fühlt man sich in der Saunahutabteilung wie im Lustige-T-Shirt-Laden.

«SAUNA OBENSITZER», «Ist der Ofen schon an ; )», «EDELSCHWEISS» und ähnliche Stickereien zieren die Dinger, daneben gibt es auch Wikinger-, Piloten-, Gladiatoren- oder Russenmützen. «WTF?!» denken da Normale und überlegen, was das am wenigsten Dumme wäre, das man auf den Hut, der sagt «Saunahut selber gestealten [sic]», sticken lassen könnte. Aber vor einer umständlichen Überlegeramenterei sucht man doch lieber nach einem neutralen, unbedruckten, unbestickten, unapplizierten Filzhut.

Na, vielleicht wird man ja auf saunahut.de fündig? (Danke an Svenja für den Link!)
Ja aber denkste! Dort führt man denselben Krempel wie in Bezos’ Gemischtwarenladen. Und schießt darüber hinaus den Vogel ab mit einem Saunahut auf dem steht: «Ehre und Treue dem Tiroler Land».
Den Wahlspruch der SS, «Meine Ehre heißt Treue», den hat der_die Designer_in dieses Hutes wohl noch nie gehört; oder einfach zu gern.