Drei Länder vs. ein Eck – ein Disput

LIL: die Hundertsiebzigtausend-Hansel-Stadt Basel hat d r e i Fernbahnhöfe, die von drei verschiedenen Ländern betrieben werden! Den Bahnhof Basel SBB (Centralbahnhof), den französischen Bahnhof Basel SNCF (Elsässerbahnhof) und den Badischen Bahnhof der DB (Basel Bad Bf). Klar, Dreiländereck => Dreifernbahnhofsstadt, könnte jetzt eingewandt werden. Dagegen würde ich argumentieren, es sei ja e i n Dreieck (?), in dem alles hübsch zusammenlaufen könnte. Warum also nicht den Schweizer Linien die ungeradzahligen Gleise – damit sie die 1 belegen können –, den französischen die geradzahligen und den deutschen die Primzahlen? Nicht bloß zur Gaudi oder gar zu meinem Privatgavdivm, sondern für den Frieden unter den Nationen. Werft die Maschinen an und macht es so!, meine Meinung

P.S.: LIL = lately I learned. TIL wäre gelogen und ich kann doch hier nicht einfach was daherlügen.

Der appe Knopf

Marke unkenntlich gemacht.

Und dann musste ich heute bei einer ärztlichen Untersuchung den Oberkörper entblößen. Nach dem Pullover zog ich das Poloshirt aus, und weil ich ein wenig hudelte, verließ der unterste der drei Knöpfe nicht nur das Knopfloch, sondern andererseits gleich auch noch die Knopfleiste. »Ah, da verabschiedet sich einer Ihrer Wertvollsten«, feixt der Arzt, wie er dem Knopf, ihn zu bergen, delfinesque hinterhertaucht und ihn am Patienteneck seines Schreibtisches ablegt. »Hahaha, ja«, bejahe ich lachend und tiriliere, die Calamität geradezurücken, dass die anderen beiden Knöpfe auch schon mal abgegangen gewesen wären, ich sie aber, merke ich mit meinen Handarbeitsfähigkeiten bauchhandelnd an, wieder angenäht hätte – wovon der Mediziner, so die Hoffnung, auf die Schlechtigkeit der Knopfbefestigung ab Werk schließen sollte.

Jetzt aber ach!, schießt es mir auf dem Nachhauseweg durch den Patientenkopf, denkt er gewiss, in welchen Lumpen ich bei ihm aufkreuze. Und mir schneidet die Befürchtung durchs Mark, aus der Hierarchie privat vs. gesetzlich noch downgegradet zu werden in die Kategorie »gesetzlich B« oder schlimmer. Dabei ist es gar kein billiger Lappen, sondern ein beim renommierten Warenhaus erworbenes Teil! Doch so armselig, wie es heute im Sprechzimmer performt hat – ich bin ganz ehrlich enttäuscht.

 

Übrigens: In Nullkommajosef war der Knopf wieder dran – wer auch mal einen appen hat, komme zu mir, ich nähe Dich aus der Patsche:

»unte«?!

Zärtliche zwölf Jahre war ich, da zog gegenüber, es war in der niederbayerischen Tundra oder vielmehr Plan-, Quatsch: Landwirtschaftsplanebene, eine Familie aus Mutter, Stiefvater und Kindern selbdritt von Franken herabsiedelnd ein. Als auffällig, bzw., ich war ja noch Kind und was wir nicht in einer Tour für Zeug daherredeten: außerirdisch markierte sie etwa der Umstand, dass sie für »nach unten« dialektal nicht wie normal »obe« [aww-be] sagten, sondern »unte«. Jetzt ist es so, dass ich seit drei Triaden selber in Franken lebe und noch nie, kein einziges Mal troff aus einem Munde das Wort »unte« unte. Du, ich glaube, die haben uns damals ganz schön was vorgespielt.

»Brief an die Leser«, TITANIC 2/2020

Mit meiner Liebsten war ich neulich im Wiener Kunstmuseum Albertina. Überaus zauberhaft war es dort. Unter anderem gab es eine umfangreiche Albrecht-Dürer-Ausstellung; was insofern ganz passend war, als Albrecht, der seine Bilder stets mit »Albert Dürer« unterschrieben hatte, nicht nur in derselben Stadt gelebt und gewirkt hatte, wie ich es tue, sondern mir auch ausweislich seines Selbstportraits optisch gleichgesehen hatte, wie notabene schon Jesus Christus.

Unangenehm am Museumsbesuch war nichts, außer – wie es mit dem so oftmaligen, wohl unvermeidlichen Ärgernis »Text im öffentlichen Raum« halt so ist – der an den Wänden dargebotene Text. Eine Formulierung ging ganz besonders albern (deswegen Albertina!) und tadelnswert an der anvisierten Sache vorbei. Aber wer bin ich, das der Albertina als Privatperson mitzuteilen und mir womöglich dort Unbill einzufangen? Nein, lieber schreibe ich ihr das unter dem Sammelpseudonym »Titanic« in der Rubrik »Briefe an die Leser«. Ab heute ohne Paywall im Museumsshop Handel.

Daherlügen

#ThrowbackThursday: In der Oberstufe schärft uns die Lehrerin im Vorbereitungskurs zur Seminararbeit u.a. ein: »Die Argumentation Ihrer Arbeit muss stimmig sein. Sie dürfen aber nicht einfach irgendwas daherlügen!« Heutzutage würden alle nur reflexhaft »OK Boomer« respondieren. Damals aber jault ein Kollege erfreut auf: »Ah, das muss ich mir aufschreiben!«, und begleitet seine Notiz mit halblauter Stimme: »DA – HER – LÜ – GEN NICHT.«

Nachrichten ausm IBIS (3)

(1) Es heißt IBIS Styles.
(2) Das Waschbecken ist recht stylish. Eine Schüssel oder womöglich sogar Bowl aus Glas mit Mosaikmuster, das s e h r großzügig verfugt ist. Blöd: Der Wasserhahn befindet sich etwas zu weit neben der Schüssel, der Strahl schießt oben am Bowlrand ein, sodass etwa beim Händewaschen unnötig Wasser auf den Waschtisch sprotzt.
(3) Die Tische im Frühstücksbuffetraum werden urflink abgeräumt, sobald eine Frühstückerpersoneneinheit den Platz verlässt. Das ist gut und schlecht. Fühlt sich’s doch, zurück mit dem Nachschub, so gegangenwordensein an.
(4) Es mag sich so lesen, als sei es hier nicht so schön. Das stimmt nicht. Gemeckert ist sich’s nur leichter und zugänglicher als gelobt.
(5) Der Blümchenfototeppich des Zimmers und der Steinwegfototeppich der Fluren seien zur Einordnung, Gewichtung, Bewertung den Leser*innen überlassen:


(Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es einige ungeordnete Hoteleindrücke. Hier »Nachrichten ausm IBIS (1)« und hier »Nachrichten ausm IBIS (2)«.)

Nachrichten ausm IBIS (2)

Als wir im Hotel ankamen, war es bereits stockfinster. Am Morgen am Zimmerfenster dann dieser Ausblick:

Ja, da schmissen wir freilich die Tagespläne über den Haufen und gingen frohlockend ans Werk: »Heite grob ma Tote aus!« (Voodoo Jürgens [YouTube])


(Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es einige ungeordnete Hoteleindrücke. Hier »Nachrichten ausm IBIS (1)«.)

Nachrichten ausm IBIS (1)

Um den Jahreswechsel 2019/20 unternahm ich eine Reise nach Wien. Unter »Nachrichten ausm IBIS« gibt es heute und in den folgenden Tagen einige ungeordnete Hoteleindrücke.

(1) Am Haartrockner muss der Ein-aus-Knopf, weil federbelastet, ständig gedrückt werden. Gute Trockenleistung, aber umständlich handzuhaben, v.a. bei Handwechsel.
(2) Der Fußboden ist eine Art Fototeppich mit Gänseblümchenmotiv.
(3) Die Toilette ist vom Zimmer mit einer Glasschiebetür abgetrennt, die 2 cm vor der Wand endet und so praktischen Durchlass für Gerüche und Geräusche aller Art bietet. Zumindest für letztere fehlt eine Absaugeeinrichtung.
(4) Hinter den beiden Kopfkissen ist je ein stuhlrückenartiges Holzbrett (Furnier) angebracht. Sitzposition zum Fernsehen: ✅
(5) Der Fernbedienung fehlt der Batteriefachdeckel und sTäNDiG dRäUT dEr BAtTriEveRLusT.
(6) Dem Türspion (!) korrespondiert an der Flurwand gegenüber der Feuermelder – mit einem langen dünnen »Staberl« (österr. für Stäbchen) ließe er sich durch den Spion hindurch auslösen. Aber warum.
(7) [vergessen, reiche ich bei Gelegenheit nach]
(8) Der Fototeppich im Flur, ein Steinwegmotiv, ist eine Zumutung.
(9) Torsun Burkhardt von Egotronic hatte als Profilbild mal die Ibis-Logopersiflage »I bims«.
(10) An der Wand hängt ein breitformatiges Großbild einer vermutlich Brückenaufhängung mit lauter Stahlseilen, die sich nach synoptischem Drüberschauen als aus urschlechter Perspektive fotografiertes Berühmt-Riesenrad ausm Wurstelprater entbirgt.
(11) Auf dem Doppelbett liegt dieses Kissen:

Sprengstoff

Zehn Minuten am Silvesterabend im böllerfreien Wien, und schon wollte ich zum Jahreswechsel nie wieder in Deutschland sein. Nicht diesen bundesrepublikanischen Straßensadisten und verhinderten Mördern ausgesetzt sein, sich wie in der Zivilisation fühlen, nicht ohne Unterlass vom Machismo und Chauvinismus und explodierenden Phallus die Trommelfelle erschüttert bekommen, nicht jedes halben Schrittes achtgeben müssen – hach!

Deutschland ist Krieg.