Ausdenknamen

Die schlechtesten Ausdenknamen der Fernsehgeschichte sind Sandra Nitka und Christian Storm (Ermittlerduo aus »Lenßen & Partner«), v.a. in ihrem ungustiösen Zusammenspiel. Wobei einschränkend anzumerken ist, dass der Darsteller der Figur Christian Storm ebenfalls Christian Storm heißt. Die Darstellerin der Sandra Nitka hat das Glück, ›in echt‹ nicht so zu heißen. LG

»unte«?!

Zärtliche zwölf Jahre war ich, da zog gegenüber, es war in der niederbayerischen Tundra oder vielmehr Plan-, Quatsch: Landwirtschaftsplanebene, eine Familie aus Mutter, Stiefvater und Kindern selbdritt von Franken herabsiedelnd ein. Als auffällig, bzw., ich war ja noch Kind und was wir nicht in einer Tour für Zeug daherredeten: außerirdisch markierte sie etwa der Umstand, dass sie für »nach unten« dialektal nicht wie normal »obe« [aww-be] sagten, sondern »unte«. Jetzt ist es so, dass ich seit drei Triaden selber in Franken lebe und noch nie, kein einziges Mal troff aus einem Munde das Wort »unte« unte. Du, ich glaube, die haben uns damals ganz schön was vorgespielt.

Johann Rosenmüller, Barockkomponist und mutmaßlicher Knabenvergewaltiger

BR Klassik spielt im sonntäglichen »Tafel-Confect« am Mittag Musik des Componirers Komponisten Johann Rosenmüller (1619–1684). Der Moderator informiert einleitend, bevor Rosenmüller die Stelle des angesehenen Leipziger Thomaskantors hätte einnehmen können, hätte er sich nach Italien »abgesetzt«, denn es waren »unappetitliche Gerüchte« aufgetaucht: Rosenmüller hätte mutmaßlich »mit mehr als 20 Chorknaben das sodomitische Knabenschänden getrieben«. Der Moderator weiter: »Zurück ließ er entrüstete Eltern, verstörte Kinder, eine machtlose Obrigkeit«. Vergewaltigte Knaben im Jahre 2019 des Herrn noch als »verstört« zu bezeichnen, was für eine schamlose Beschönigung. Und die arme Obrigkeit, die, so steht zu vermuten, froh gewesen sein dürfte, dass Rosenmüller mit seiner Flucht größere klerikale Unannehmlichkeiten von Leipzig ferngehalten hat, als »machtlos« zu adeln, te absolvo!

Nach dem Stück faselt der Moderator noch, es sei kaum glaublich oder wie, dass ein Kinderschänder solch schöne Musik hervorgebracht habe. Aber mei, was soll’s, wir ergötzen uns zum Mittagessen freilich dennoch daran, wollen aber natürlich nicht unterlassen, auf die »unappetitlichen« Vorgänge hinzuweisen! Schließlich haben wir im Internetz wie im Feuilleton der FAZ/SZ von den ungustiösen Liederlichkeiten um #metoo gelesen.

Meine Güte, was für eine widerliche und verlogene Ekelveranstaltung die sich als solche verkaufende Hochkultur bisweilen ist, es ist zum Cotzen. Als wäre die fortwährend bemüht verhüllte, integrale Kotigkeit der Kultur etwas Neues. Schönen Sonn- bzw. Tag des Herrn!

Die zwei Kirchen

Auf einem erdähnlichen Planeten existiert eine menschenähnliche, ja fast menschheitsgleiche Zivilisation. Wie auf der Erde trägt sich dort ab dem Jahr 1 u.Z. die christliche Auferstehungsgeschichte zu. Der Heiland heißt dort Jebus. Wie auf der Erde resultiert daraus eine Katholische-Kirchen-ähnliche Kirche. Sie heißt zufälligerweise (?) auch Katholische Kirche. Dann finsteres Mittelalter, schlachtende wo nicht mordbrennende Inquisition, Hexenverbrennung, überhaupt Misogynie als Motor des Ursprungsmythos, Kindesmissbrauch bzw. Vergewaltigung vornehmlich von Knaben – weil das alles im Universum nicht bloß auf der Erde, sondern auch dort geschieht, scheint es geschichtliche Notwendigkeit zu haben. Puh! (Three would be evidence.) Besonders zwingendes Detail: Nach gut oder vielmehr etwas mehr als zwei Millennien tritt der dortige Papst zurück, bevor aber ganz schön was rauskommt, du. Im Universum leben plötzlich vier Päpste. Statt zwei, was auch schon crass ist. Nur Gott weiß von alledem und schaut friedlich auf seine Schäfchen hinab. Ob eine der Zivilisationen je herausfinden wird, dass zur Rechten Gottes Jesus sitzt, zu seiner linken allerdings Jebus? Und dass die beiden (!) Heiligen Geister links und rechts so schräg über ihm sitzen, so dass es sich in Tat und Wahrheit um die Heilige Fünffaltigkeit handelt und die Theologen hier wie dort ganz schön ins Schwimmen kämen darob? Gott weiß: nein. Er hat die Entfernung zwischen den beiden Zivilisationen und die Physik extra so eingerichtet.

»Brief an die Leser«, TITANIC 2/2020

Mit meiner Liebsten war ich neulich im Wiener Kunstmuseum Albertina. Überaus zauberhaft war es dort. Unter anderem gab es eine umfangreiche Albrecht-Dürer-Ausstellung; was insofern ganz passend war, als Albrecht, der seine Bilder stets mit »Albert Dürer« unterschrieben hatte, nicht nur in derselben Stadt gelebt und gewirkt hatte, wie ich es tue, sondern mir auch ausweislich seines Selbstportraits optisch gleichgesehen hatte, wie notabene schon Jesus Christus.

Unangenehm am Museumsbesuch war nichts, außer – wie es mit dem so oftmaligen, wohl unvermeidlichen Ärgernis »Text im öffentlichen Raum« halt so ist – der an den Wänden dargebotene Text. Eine Formulierung ging ganz besonders albern (deswegen Albertina!) und tadelnswert an der anvisierten Sache vorbei. Aber wer bin ich, das der Albertina als Privatperson mitzuteilen und mir womöglich dort Unbill einzufangen? Nein, lieber schreibe ich ihr das unter dem Sammelpseudonym »Titanic« in der Rubrik »Briefe an die Leser«. Ab heute ohne Paywall im Museumsshop Handel.

Daherlügen

#ThrowbackThursday: In der Oberstufe schärft uns die Lehrerin im Vorbereitungskurs zur Seminararbeit u.a. ein: »Die Argumentation Ihrer Arbeit muss stimmig sein. Sie dürfen aber nicht einfach irgendwas daherlügen!« Heutzutage würden alle nur reflexhaft »OK Boomer« respondieren. Damals aber jault ein Kollege erfreut auf: »Ah, das muss ich mir aufschreiben!«, und begleitet seine Notiz mit halblauter Stimme: »DA – HER – LÜ – GEN NICHT.«