aner

Seit gestern, coronabedingt erst fünf Wochen nach dem Umzug, bin ich eingetragener Hannoveraner. Dazu einige dies leicht ankätzelnde Fakten:

  • Mein Familienname wurde früher oft falsch von Hand- zu Maschinenschrift transkribiert, nämlich Luganer statt Lugauer. Das steht z.B. auf Schützenvereins-Trophäenscheiben meiner Eltern. Zu »Hannoveraner« passt »Luganer« aber ganz gut. But hey: no games with names!
  • Hannover liegt in Norddeutschland.
  • Tschüss ihr Saubayern hehe

Die Spaghettieis-Legende

Spaghettieis wurde, so behauptet er es jedenfalls, vom Mannheimer Eisfabrikanten Dario Fontanella exactamente am 6. April 1969 erfunden (vgl. Wikipedia). Nun gut, wer wäre ich, das anzuzweifeln. Anzweifeln möchte ich aber Folgendes: In der Abteilung »Trivia« des besagten Wikipediaartikels heißt es: »Laut Dario Fontanella soll es in der Anfangszeit der Eisspezialität öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein, die einen Eisbecher wollten und keine Nudeln mit Tomatensauce.« Und naja, das klingt mir doch schon sehr dahergelogen oder jedenfalls konstruiert. Denn einerseits: Sooo dumm sind Kinder nun auch wieder nicht und waren es wohl auch in der Anfangszeit der Eisspezialität »Spaghettieis« kaum.

Und andererseits: Warum sollten Kinder nach der Anfangszeit dieser Eisspezialität nicht mehr geheult haben, weil sie ein Eis und keine Nudeln mit Soße gewollt hatten. Wenn dieser Wahrnehmungsfauxpas Vierjährigen in den 1960ern unterläuft, dann doch auch Vierjährigen in den 1990ern oder 2020ern, was Freunde. Heutzutagige Kinder machen doch keine erfahren wegwerfende Handbewegung und sagen: »Pfffft, das sind doch keine Nudeln! D a m i t führt ihr mich nicht hinters Licht, Leute *gähn* Das ist Spaghettieis, das gibt’s seit 50 Jahren schon ☝️🧐«

Ich glaube, Herr Fontanella ist einfach ein normaler Kaufmann, der seiner (angeblichen) Erfindung mit einer kleinen harmlosen Flunkerei ein gewisses Air verleihen wollte. Oder: »soll es … öfter zu Tränenausbrüchen bei Kindern gekommen sein« müsste eigentlich heißen: »soll es einmal [max. zweimal] zum Tränenausbruch eines Kindes gekommen sein, das aber schon ganz besonders falsch hingeschaut hatte und von seinen Geschwisterärschen dafür zeitlebens aufgezogen wurde«. Damit schaffst du es aber kaum in die Wikipedia-Trivia-Abteilung bzw. in den Mannheimer Morgen.

In diesen informationsunsicheren wie ‑umkämpften Zeiten sollten wir alle aufpassen, was wir glauben wollen und was nicht. Damit GuMo und einen tollen Tag, Leute👍

eBay-Kleinanzeigen (2)

Mit welchen Zusätzen ihre Produktbeschreibung zum angenehmen Abverkauf führt:

»Nur Selbstabholung. Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen.«

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»Bitte nur freundliche Nachrichten mit einigermaßen erkennbaren Anredeformeln.«

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»Bei bei übertriebenem ›Ich möcht ich möch ichmöcht‹ kann leider keine Reaktion erfolgen.‹«

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»Bitte im Vorfeld keine Geschichten daherlügen. Auch keine Geschichtchen.«

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»Keine Mätzchen. Keine Sperenzchen. Auch keine Kapriolen!«

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»Auch keine Possen.«

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»Bitte kommen, kucken, bei Gefallen Kohle rüberwachsen lassen, abtransportieren, abdampfen.«

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»Kann leider nicht runter tragen helfen der Hund hat meinen einen Arm eingeschluckt und mit dem anderen muss ich rauchen außerdem wurde mir in Vietnam ein Bein weggeschossen und das andere hat ein Drogenboss in Pnom Penh als Trophäe aber fragen Sie nicht, du poah ey das war was! Also müssten sie die*den angekündigte*n XY mit dem dahergeliehenen Auto auch wirklich mitbringen.«

Der längste Tag

Gestern war bekanntlich (?) der längste Tag des Jahres. Die Heavy Metal-Band Iron Maiden hat auf ihrem Album »A Matter of Life and Death« – in Fachkreisen (?) auch AMOLAD akronymisiert –, auf dem sie endloses abwechslungsloses Gedudel in niemals endenden Liedern mit Prog Metal verwechselt, einen Song namens »The Longest Day«. Darin geht es aber nicht etwa um den längsten Tag des Jahres und es ist auch keine selbstironische Referenz auf die quasi-infiniten Stücke der Platte. Sondern:

»Mit The Longest Day lieferten Iron Maiden einen weiteren Song mit geschichtlichem Hintergrund. Die Operation Overlord der Amerikaner im Juni 1944 und der damit einhergehende Sturm auf die Omaha Beach werden hier thematisiert.« (Wikipedier)

»The Longest Day« heißt die Nummer, weil der erste Tag dieser Operation, der D-Day, in Fachkreisen (?) auch »der längste Tag« genannt wird. Statt aber auch nur ansatzweise die Nazis zu thematisieren, gibt der Text ausschließlich die subjektiven Eindrücke der GIs wieder, die gegen wer-weiß-wen kämpfen könnten und wir müssen Schmarrn hören wie »Valhalla waits, valkyries rise and fall / The warrior tombs, lie open for us all« oder »Drowning men no chance for a warrior’s fate / A choking death enter hell’s gate«. Naja. So, jetzt wisst ihr’s!