Kurz notiert (49)

1300 v.u.Z. – Als die Bronze den aufrechten Gong erlernte

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»Dumm sein und Arbeit haben und länger als vier Stunden am Stück schlafen können: / Das ist das Glück.«
Gottfried Penn, Quatsch: Benn

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Aceton⚡️Dceton

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Die Philologen haben die Literatur nur verschieden interpretiert; es kömmt drauf an, sie zu verändern. (Marx, Thesen über Feuerbach)

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Wie blöd schon mal jemand geheißen hat: Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski

»Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski?! He, so heißt doch niemand, das denkst du dir doch wieder aus!« Aber hallo hat schon mal jemand so geheißen: Hermann Schlagintweit (1826–1882) nämlich. Auf diesen Namen wurde der Sohn eines ordinären Augenarztes zumindest getauft. »Und den restlichen Namensschmarrn hat er sich dann einfach zusammenerheiratet…« Keineswegs, mein Freund, mühsam zusammenklauben musste er sich den:

1859 wurde er in den bayerischen erblichen Adelsstand erhoben (»Hä?«) und konnte seinen Namen von Stund an mit dem vornehmen »von« spreizen. »Ja, dann ist der Rest ja leicht: Eine Frau Sakünlünski geheiratet etc…« Nein!, gerade das ist der eigentliche Hammer: Den Fortsatz »Sakünlünski« hatte er 1855 von der literarischen Societät Kasan (der heutigen Hauptstadt der Republik Tatarstan in Russland) erhalten, weil er Übersteiger des Kunlun, einer Gebirgskette in China gewesen war. »Das heißt, er war Erstbesteiger?« Nein, allem Anschein nach nicht, sondern bloß popeliger Übersteiger; was jene allerdings nicht davon abgehalten hatte, ihn entsprechend ehrenzubenamsen, und was Schlagintweit nicht zu peinlich war, sich fortan damit zu schmücken.

Fürderhin versuchte er also als Hermann von Schlagintweit-Sakünlünski bei den Frauen zu reüssieren. Was ihm scheint’s nicht erfolgreich gelang, denn weder von einer Ehefrau noch von Kindern ist irgendwo die Rede. »Bevor du jetzt in die üblichen Vulgaritäten abgleitetest: Ein Hermann von Schlagintweit-Sakünlünski ist fei noch kein Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski!« Ja, aber dafür müssen die Frauen in die Erklärung gekommen sein: Recht wahrscheinlich weil ihn sein anhaltender amoureuser Misserfolg – in den Blütejahren seines Lebens! – nicht kaltließ und er sich nicht eingestehen wollte, dass sein ständiges Rumgereise und -forsche in Asien keine so recht becircen mochte, ließ er sich 1866 in den Freiherrenstand erheben und promenierte künftig als Hermann Freiherr von Schlagintweit-Sakünlünski seinem Liebesglücke entgegen. Weiterhin erfolglos zwar. Ende.

Die gute Nachricht: Vortrag in Berlin

Die gute Nachricht: Vom 21.–23.6.19 findet an der HU Berlin das Symposium »Ästhetik nach Adorno. Autonomie, Kritik, Versöhnung« statt – und ich bekam die Zusage, dort vortragen zu dürfen.

Worum geht’s da? Call for papers: hier. Website mit Programm etc.: hier.

In meinem Vortrag wird es um die Neue Frankfurter Schule und Theodor W. Adorno gehen; das »Orga-Team« (örks) freute sich, dass jemand mit dem akademisch unterbeleuchteten Thema Satire um die Ecke kommt. Ha! Hier das Abstract:

»Es gibt kein richtiges Leben im valschen«. Elemente Kritischer Theorie in der Neuen Frankfurter Schule am Beispiel von Robert Gernhardt und Eckhard Henscheid

Die Neue Frankfurter Schule (NFS), eine Gruppe von ursprünglich acht Zeichnern und Schriftstellern der komischen Kunst, steht im deutschsprachigen Raum wie keine andere für Satire und Komik. Sie zeichnet neben dem Nischenmagazin Titanic für zahlreiche literarische und zeichnerische/graphische Veröffentlichungen verantwortlich. Der Name Neue Frankfurter Schule ist allerdings keine bloße Verballhornung von »Frankfurter Schule«: In den Werken der NFS zeigt sich an vielen Stellen der Einfluss der Kritischen Theoretiker.

Anhand exemplarischer Textpassagen der NFS-Gründungsmitglieder Robert Gernhardt und Eckhard Henscheid sowie Theodor W. Adornos soll das Verhältnis der NFS zur Frankfurter Schule sichtbar werden. Dieser Versuch schließt die Frage nach dem künstlerisch-kritischen Impetus von Satire überhaupt ein. Im Kern steht der Gedanke, dass die NFS sich in kritisch-theoretischer Manier nicht blank positiv auf die Frankfurter Schule beruft, sondern auf durchaus ambivalente Weise.

Ich spreche am Samstag, dem 22.6.19, um 17.15 Uhr in der Vierten Welt, Zugang über die Außentreppe Adalbertstr. 96, 10999 Berlin.