Stehgreif

Kürzlich benutzte ich mal wieder das Wort Stegreif (die Älteren mögen sich erinnern). Und immer, wenn ich das tue, muss ich an eine Mathe-Extemporale aus der 8. Klasse denken, über die ich, jung und dumm und ungebildet, wie ich war, »Stehgreifaufgabe« geschrieben hatte, was der Mathelehrer mit einem Strich durchs »h« nebst der Bemerkung »Man steht nicht dabei!« versehen hatte. Seitdem weiß ich’s!

Viel besser als die alberne Begründung des biederen, schnauzbärtichten Herrn H. ist, was das Digitale Wörterbuch der Deutschen Sprache aus Wolfgang Pfeifers Etymologischem Wörterbuch zu präsentieren weiß: »Stegreif m. ›Steigbügel‹, heute nur noch in der Wendung aus dem Stegreif ›ohne Vorbereitung, ohne lange Überlegung‹ ahd. stegareif (11. Jh.), mhd. stegereif ›Steigbügel‹ (vgl. mnd. stēgerēp, mnl. stēghereep, aengl. stigrāp, engl. stirrup, anord. stigreip) ist eine Bildung zum schwachen Verb ahd. stegōn (um 1000), mhd. stegen ›gehen, (auf-, empor)steigen‹ […] in Verbindung mit ahd. mhd. reif ›Seil, Strick, Streifen, Band, Fessel, Ring‹ […].« (»Stegreif«, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Stegreif>, abgerufen am 27.06.2023.)

Besonders super: Stegreif, also ursprünglich ein Seil mit Schlinge, sei bis ins 18. Jh. üblich geblieben, aber vom 17. Jh. an durch Steigbügel verdrängt worden. Der übertragene Gebrauch aus dem Stegreif ›ohne Vorbereitung‹, eigentlich ›ohne vom Pferd abzusteigen‹ – oder, da sind sich die Etymolog*innen nicht sicher, doch: ›sofort nach dem Absteigen‹? –, habe im 18. Jh. Geläufigkeit erlangt. Zu vgl. sei – und jetzt kommt der HAMMER! – schon das seit dem 16. Jahrhundert belegte sich in, aus dem Stegreif nähren ›als berittener Wegelagerer leben‹!!! (Vgl. ebd.!!!!!)

P.S.: Eigentlich erstaunlich, dass noch keiner der notorischen Bildungshuber (der, und hier stimmt’s in gewissem, wenn auch nicht wörtlichem Sinne einmal: selbsternannten Edelfedern) aus dem politischen Qualitätskommentariat für bspw. Thomas Kemmerich (FDP) den Ausdruck Stegreifhalter in die Tasten gehämmert hat.

P.P.S.: Warum heißt es flugunfähiges mythisches Mischwesen und nicht Stehgreif

Durchblicker-Dialog

Stets dabei, doch benutz’ ich es nie:
Das seidige Putztuch im Brillenetui.

Andreas, put your pride aside
And sorg per Tuch für Sauberkeit!

Philip, dass es dich nicht fälschlich deucht:
Ich putze schon, gar täglich feucht!

Andreas, hörtest du das laute Hallen?
Da ist ein Stein von meinem Herz gefallen.

Ich hört’ es nicht, ich sah
Es durch die Brille (klar)!

Das geht mit einer Brille? Woah!
War das die Apple Vision Pro?

Nein, nix so Neumodern-Geniales,
Das Ding ist so ein gläsern-alt rurales.


Offenlegung: Die kursiv gesetzten Verse stammen von Philip Saß (https://dasgedichtderherrschendenklasse.blogspot.com/).

David gegen DB AGoliath

Da sage noch eine*r, Komik und Satire bewirkten nix: Am 6. März 2016 beschwerte ich mich auf dieser Webseite über den Lautsprecher-Hinweis der Deutschen Bahn, das Rauchen am Bahnsteig sei »nur in den gekennzeichneten Raucherbereichen gestattet« (Beweis). Denn der Satzmelodie zufolge müsste es auch nicht gekennzeichnete Raucherbereiche geben. Keine siebeneinhalb Jahre später spielt die DB auf mein Mahnen und Warnen hin über die Bahnsteiglautsprecher die aktualisierte, korrigierte Fassung ab: »Hinweis: Das Rauchen am Bahnsteig ist nur in den gekennzeichneten Raucherbereichen gestattet.« Und was kriege ich dafür? Ein Danke? Ein »Lieblingsfahrgast«-Schokostückchen? Eine 1.-Klasse-ProbeBahnCard, mit der ich als 2.-Klasse-BC-Inhaber und Nicht-wenig-Fahrer regelmäßig postalisch belästigt werde, statt dass man mir eine Freifahrt oder immerhin ein Freigetränk oder eine Brez’n oder ein Eis springen ließe?

Nein.

Nix!

»Danké«, Volker Wissing und Richard »Bahnchef« Lutz.

P.S.: Bitte ehrlich sein: Wer hätte aus dem Stegreif den Vornamen Bahnchef Lutz’ sagen können? Also ich nicht. Jetzt, wo ich ihn weiß, schwelge ich umso sphärischer, Schmarrn: schwärmerischer in der Vorstellung, Herr Lutz werde zuhause – von den drei erwachsenen Kindern rotzfrech, von der Ehefrau zärtlich-neckend – »Bahnchef« gerufen.

Ja, wo kaamaddn mir do hi, wenn in da Hitparaan Singular und Plural nimma ausanandaghoiddn weraddn, zefix?!

»Der Titel wurde vom Bayerischen Rundfunk nicht gespielt. Begründung: Es müsse korrekt heißen: ›Marmor, Stein und Eisen brechen‹.«¹ Als ich meiner liebsten Person von dieser Begründung erzählte, musste ich so lachen, dass ich Bauchweh bekam.

¹ NDR, »Schlager, die Sie kennen sollten«, 25.06.2023, 20:15–21:45 Uhr, Einblendung um 21:07 Uhr.

Wie lieb¹!

Sitze ich also in der kleinen Großstadt, in der ich arbeite, morgens vor acht Uhr im Bus zur Arbeitsstätte, er ist VOLL mit Schüler*innen. Ich sitz in nem 4er und wundere mich, warum das Mädchen gegenüber ihren Rucksack immer noch auf ihrem Nebensitz stehen hat und v. a. ständig einen Fuß auf den Sitz neben mir stellt. Stellt sich nach ein paar Haltestellen raus: Weil sie einer Freundin einen Platz freigehalten hat 😭😭😭🥲🤝 Alle anderen aufm rappelvollen Gang müssen weiterhin stehen hehe 🫡

¹ Bzw. nicht.

[MS Word] =rand.old()

Deutsch: »Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.«

Englisch:

Adobe Creative Cloud Desktop

Quizfrage: Was haben diese beiden Sätze gemeinsam?

Quizantwort: Beide Sätze sind sog. Pangramme bzw. holoalphabetische Sätze, d. h. Sätze, die alle Buchstaben eines gegebenen Alphabets enthalten.

Fun fact: Der deutsche Satz wirkt zwar viel länger, aber tatsächlich bestehen beide aus neun Wörtern! Während der deutsche allerdings inkl. Leerzeichen aus 59 Charakteren besteht, erledigt der englische seine Aufgabe mit nur 43 characters.

Tipp: Die Pangramm-Listen im entsprechenden Wikipedia-Artikel sind super!

w0w: d1353r 8317r46 157 d3r 1337. 8317r46 d35 5410n du fr0m463!