Hym(n)en

Vor langer Zeit hatte ich an der Uni ein Referat über die Hymnen Goethes zu halten (‹Prometheus› etc.).
Als kleinen Witz hätte ich dabei gerne «Goethes Hymen» als Überschrift aufs Handout gedruckt (Hymen ist griechisch für Jungfernhäutchen). Aber das traute ich mich dann nicht; auch wenn Goethe hinsichtlich Hymen bzw. Defloration kein unbeschriebenes Blatt gewesen sein dürfte und es insofern sogar eine gewisse Berechtigung gehabt hätte, zumal das Seminar sich ausschließlich mit dem Werk des jungen Goethe beschäftigte. Bis heute ärgere ich mich darüber, diesen Witz ausgelassen zu haben.
Nicht schlecht staunte ich nun, wie der Lyriker Stefan George dieses Problem 1922 bei seinem Gedichtband ‹Hymnen – Pilgerfahrten – Algabal› gelöst hatte. Der alte Hammel.

Salon du sperme

Folgende Szene stelle man sich bitte als Cartoon vor:

Eine Samenbankmitarbeiterin steht an der Rezeptionstheke ratlos vor drei kleinen Plastikbecherchen. Sie ruft einen der Spender, die noch auf ihre finanzielle Aufwands- bzw. Abspritzentschädigung warten, zu sich und fragt ihn: «Entschuldigung, welches war gleich nochmal Ihres? Ich hab leider so ein schlechtes Samengedächtnis…»

Salon intime – März (2/2)

16.3. «Schreiben Sie uns  k e i n e  Emails, die wir nicht mit  J a  oder  N e i n  beantworten können!», herrscht uns der Dozent damals in der Einführungsveranstaltung für Stücker 300 Erstsemester an. «Sehr geehrter Herr M.: Da ich Ihnen nur Emails schreiben darf, die Sie mit Ja oder Nein beantworten können: Arsch auf?!», denke und maile ich nicht. Nicht zuletzt, weil es mir eben erst einfällt.
17.3. Die Drogerieindustrie will mich mürbe machen. Seit ich Deodorant benutze, nimmt sie alle eineinhalb bis zwei Jahre meinen Duft aus dem Sortiment. Ohne Ankündigung, ohne Entschuldigung, ohne jemalige Produktwiederaufnahme. Mitte 2016 dann mein Kaugummi – Wild Berry wird sukzessive in allen Märkten durch Tropical Fruit ersetzt. Kürzlich die Zahnpasta. –
Bald ist sie am Ziel. Aber warum ich?
18.3. «Rindergeschnetzeltes Stroganoff?! Nein, sowas von den Russen essen wir nicht!», schalmeien die beiden Ehepartner uno voce ihrer verdutzten Enkelin jovial über die Wirtshaustafel hinweg zu, Weiterlesen →

Salon intime – März (1/2)

1.3. Lese einen Artikel über unzufriedene LehrerInnen. Dabei fällt mir auf: Der Ausdruck «Verbeamtete» ist nur ein überschüssiges «te» entfernt von Star-Trek-Crewmitgliedern, die aus Versehen an einen falschen Ort gebeamt wurden.
2.3. Am Spätvormittag frißt mich plötzlich die Erkenntnis an, daß ich den ‹Traum vom Eigenheim› bislang nicht verwirklicht habe. Ich wache noch immer im Fremdheim.
3.3. Morgens Mitgefühl mit dem Triebfahrzeugführer des Regionalexpreß, dessen Einfahrt in den nächsten Bahnhof sich laut seiner Durchsage wegen Überholung durch einen verspäteten ICE um wenige Minuten verzögert. Kein Mitgefühl mit auch nur einem einzigen der anderen Fahrgäste. Weiterlesen →