Promotionsbewerbung

Ich will in Kritischer Biologie promovieren mit einer Arbeit zur Dialektik von Kulturheidelbeeren und Barbareiheidelbeeren. Beworben habe ich mich dafür am Frankfurter Institut für Sozialbotanik (bekannt als Frankfurter Baumschule) beim Professorentandem Max Harkeimer und Theodor W. Arborno – drückt mir die Daumen!

Anm.: Nachdem ich meine beiden Studiengangswünsche (Studiengang (I), Studiengang (II) – Subkulturausgabe) in die Tat umgesetzt habe, geht es jetzt an den nächsten akademischen Grad. Yeah!

Liegefahrrad

13.09.2018 – Der Rationalist in mir sagt, es gebe freilich auch Liegeradlerinnen, da spräche nix dagegen. Der Empirist in mir hingegen sagt: «Nee, Kumpel, zu so einer ästhetischen Idiotie ließen sich bislang nur Menners herab. Da induzier’ ich bombensicher, dass es nur Liegeradler gibt.» Der Empirist wurde gerade widerlegt: Eben sah ich eine Frau auf einem Liegerad 😥
Ach ach!

Zusatzinfo: Der englische Ausdruck für Liegefahrrad, recumbent bike, geht etymologisch zurück auf cucumber – und das aus gutem Grund, liegt man doch durchaus gurkenhaft auf so einem Gefährt.

Unterhose

17.09.2018 – Heute fiel mir, als ich gerade meine Wäsche auf die Leine am Balkon hängte, eine Unterhose hinunter. Sie kam aber nicht weit und blieb in der Wäschleine des Balkons eins drunter hängen. «Oh Mist!», dachte ich, «aber naja, sag’ ich Frau S. halt Bescheid oder leg’ ihr ’nen Zettel hin.» Was ich ein paar Augenblicke später sofort wieder vergaß und daher denn auch nicht tat. Wenig später verließ ich die Wohnung, um zum Lektürekreis zu fahren – und sah, dass die Nachbarin die Unterbuchse zwischenzeitlich schon entdeckt und per Wäscheklammer ans Treppenhausgeländer gehängt hatte. Was mir zunächst peinlich war, denn das ist nun wirklich nicht der Ort, wo ich meine Unterwäsche ausgestellt sehen möchte. Dann winkte ich aber innerlich ab und dachte: «Pff…, da geh’ ich jetzt nicht extra nochmal hoch deswegen; die nehm’ ich hernach mit, wenn ich wieder heimkomme. Weiß ja kein Mensch, dass das meine Unterhose ist!» Und so kam es dann auch.

Findige Leser_innen mögen jetzt denken: «Ha!, um dem Andreas seine Unterwäsche sehen zu können, muss ich ihn nicht extra verführen oder bei ihm einbrechen, um in seine Schränke zu luren, oder ihm auf dem Nürnberger Hauptmarkt vor allen Leuten um 12 Uhr mittags die Hose herunterziehen! Nein, da geh’ ich einfach in den Hinterhof seines Hauses, und zwar just dann, wenn er mal wieder seine Wäsche raushängt. Und dann schaue ich sie mir an!» Diesen Leser_innen kann ich nur sagen: gewiss, gewiss, aber das ist von allen genannten Unterhosensehoptionen die allerallerlangweiligste. Überrascht mich!

Weihnachtsgeschichte

Repost meiner Weihnachtsgeschichte:

Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Weihnachtsmorgens verhaftet. Als Jürgen K. noch am selben Tag davon erfahren hatte, war er sehr bedrückt deswegen, aber sie hatten ihn einfach zu sehr und zu geschickt bedrängt, als daß er ihnen hätte ausweichen und Josef K. hätte schützen können. Jürgen wußte nicht, welchem Schicksal Josef nun bevorstehen würde. In seiner Not hatte Jürgen sich an seinen Freund Franz K. gewendet, um ihm seine mißliche Lage mitzuteilen, außer ihm wußte niemand von Jürgens Vergehen.

Weihnachten war für Jürgen jedenfalls gelaufen, an besinnliche Stimmung war nicht mehr zu denken. Jürgens Eltern spürten, daß er dieses Weihnachten irgendwie anders war als die Jahre zuvor, aber ihnen war schon seit Beginn seines hoffentlich letzten Schuljahres am Gymnasium aufgefallen, daß er sich verändert hatte und stets und unbedingt darauf bedacht war, erwachsen zu wirken. Dennoch erschien er ihnen an diesem Weihnachtsabend noch seltsamer als gewöhnlich.

Bei der Bescherung öffnete Jürgen zuerst den Brief, der an dem Geschenkpaket von seiner Tante Margret aus England befestigt war, aber nicht, um nur kurz reinzusehen, ob dem Brief Geld beilag, sondern um ihn zu lesen. Nur weil Tante Margret nicht zugegen war, als Jürgen ihr Weihnachtsgeschenk bekam, wollte er, erwachsen wie er sich fühlte, nicht gleich das Papier von der Schachtel herunterreißen vor lauter Es-nicht-mehr-erwarten-Können. Schließlich machte er in wenigen Monaten sein Abitur. So las er nun also den Brief:

»Dear Jürgen,
merry christmas and a happy new year, my dear! I hope you will enjoy your new hammock (and hopefully you don’t already have one).
Sincerely yours,
Aunt Margret«

Seltsam, ein so kurzer Brief von der eigentlich sehr redseligen Tante Margret? Erst kurz zuvor hatte er in der Schule einen Text lesen müssen, in dem ein ähnlich kurz gehaltener Brief enthalten gewesen war, der in seiner Kürze die Grenze zur Glaubhaftigkeit in Jürgens Augen doch weit unterschritten hatte. »Der Autor war bloß zu faul, sich einen anständigen Brief auszudenken!«, hatte Jürgen der Lehrerin entgegengegrantelt. Die wenigen Male, die er Tante Margret bislang gesehen hatte, war er stets nur sehr wenig zu Wort gekommen, da sie ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis hat, da wunderte es ihn doch sehr, daß sie per Brief nicht mehr zu erzählen hatte. Belustigt stellte er sich den Antwortbrief vor, den er Margret schicken würde:

»Dear Auntie,
thank you!
Best wishes, J.«

Aber was sollte denn bitteschön ein hammock sein? Um die Vorfreude auf das Geschenk noch zu steigern, und um sehr erwachsen zu wirken, dachte er angestrengt über den Brief nach und versuchte sich vorzustellen, was ein hammock sein könnte. Das erste, was ihm dabei in den Sinn kam, war folgende verschwitzte Situation:

Nachdem Hulk Hogan, der größte Wrestler aller Zeiten, seinen Gegner mit einem Hammock vom Käfigdach aus fast zerstört hatte, knockte er ihn mit einem Double Hammock, den er mit seinem Partner Jürgen ausführte, endgültig aus! Der Referee mußte nur noch bis drei zählen, und Hulk Hogan blieb World Heavyweight Champion. Ausgepowert, aber glücklich lagen sich Hulk und Jürgen in den Armen!

Aber Jürgens Tante konnte ihm doch keinen Wrestlingmove schenken. Und so stand er vor seinem inneren Auge plötzlich auf einer Wüstendüne, stieg in seinen 450-PS-starken Hammock und jagte damit wie ein Verrückter durch die Wüste. Auch das wäre sehr schön gewesen, aber für einen Geländewagen war das Paket viel zu klein und aber für einen Geländewagenschlüssel viel zu groß. Er hielt es nicht mehr aus – und öffnete das Geschenkpapier mit einem Messer, indem er die Klebefilmstreifen einzeln durchschnitt.

Jürgen war doch leicht enttäuscht, als er feststellte, daß ein hammock nichts anderes ist als eine Hängematte – und damit hätte er nun wirklich nicht gerechnet. Als Jürgen am nächsten Morgen aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seiner Hängematte zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.