Veronika, Reminiszenz ist da

Da schau her: Titanic 3/2026 enthält für mich gleich zwei Reminiszenzen an die Zweitausendnullerjahre, eine implizite und eine explizite. Welche soll ich zuerst? Die implizite. Okay.

Und zwar ist das Backcover diesmal ein Faltblatt. Faltet eins es richtig, erhält es die Lösung auf die Frage »Wer oder was verursacht die nächste nordpolare Störung?«

Das erinnert mich an ein Comicheft der Simpsons, das ich vor etwa 20 Jahren besessen habe. Homer ist darin mit einem Faltblatt konfrontiert, faltet es aber falsch bzw. schlampig und rätselt über die Antwort auf die Frage, wer oder was die Welt regiere: »Der allächtige ollar«.

Die zweite Reminisizenz, die explizite, findet sich in der Humorkritik »Alle lachen mit« über Hazel Brugger: »Nicht sehr von ungefähr fällt mir da das Humorkritik-Spezial ein, das wiederum Kollege [Oliver] Nagel 2006 über den frühverstorbenen texanischen Stand-up-Desperado Bill Hicks verfasst hat, dessen bestes Programm ›Relentless‹ hieß, ›Unbarmherzig‹ – Youtube weiß Bescheid: ›I don’t fit in anywhere, that’s my problem.‹« (S. 43) An diesen Text erinnere ich mich! Immer wenn ich an Bill Hicks denke oder erinnert werde, kommt mir in den Sinn, dass Nagel Hicks zutreffenderweise als ungesund schwitzend bezeichnet hat. Was ich nicht mehr zusammenbringe: Ob ich die DVD Bill Hicks – Satirist, Social Critic, Stand-Up Comedian, Live schon besessen hatte, bevor ich Nagels Text gelesen habe, oder ob ich sie mir deswegen gekauft habe. Ich glaube, ersteres. Denn ziemlich sicher hörte ich von Hicks zum ersten Mal bei der Band Tool, deren Lied »Third Eye« des Albums Ænima am Anfang einen kurzen Ausschnitt von Hicks enthält. Und ich glaube, der reichlich seltsame Typ, der den »Newsfeed« der offiziellen Bandwebsite toolband.com nicht nur mit Terminen und Relevantem, sondern oft genug mit imo Tool-irrelevantem Zeug über z. B. Außerirdische, UFOs, Esoterisches und Obskurantistisches vollgebloggt hat, hat Hicks bisweilen auch erwähnt. Selbst wenn ich damals besser Englisch gekonnt hätte: Das war vielleicht ein unlesbarer Kram! Ich besuchte die Seite praktisch täglich, weil ich lesen wollte, dass Tool endlich eine neue CD herausbringen würden. Stattdessen ellenlanger trippy stuff aus dem Privatinteressensbereich des Typens oder die zehntausendste Ankündigung, dass Tool-Trommler -Drummer Danny Carey im Club The Baked Potato a.k.a. the ’Tator spielen würde. Irgendeinem Onlinebekannten, den ich aus einer Tool-Fan-Gruppe auf StudiVZ kannte, antwortete ich mal auf einen Geburtstagsglückwunsch auf meiner StudiVZ-Pinnwand: »Scheißegal, wie alt ich wörd / es wird immer Tool gehört!« Falls du, also der Onlinebekannte, das liest: Das stimmt seit ca. zehn Jahren nicht mehr! Über das Album Fear Inoculum (2019), das Tool nur dreizehn Jahre nach dem Vorgänger 10 000 days veröffentlichten, musste ich nur noch lachen, weil es mir so albern vorkam und ich es so langweilig fand. Ein Lied etwa heißt »7empest«, und wer läse das nicht als Sevenempest oder immerhin Sempest. Außerdem schien mir die CD wie eine bloße rekombinierende Wiederaufführung alles schon mal von der Band Dargebotenen.

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